Nachbarschaft

Jeder hätte gerne gute Nachbarschaft. Keiner will Stress mit den Nachbarn. Eigentlich wäre alles so leicht mit der entsprechenden Kommunikation und Toleranz.

Zeit, für einen Eintrag in mein Tagebuch…..

Unter Nachbarschaft versteht man im allgemeinen Sprachgebrauch die räumliche Nähe.

Ist schon eigenartig. Viele leben in Häusern mit mehreren Wohneinheiten, so wie ich selbst auch. Viele, so wie ich, haben Nachbarn, die sie schon viele Jahre kennen, dann aber doch nicht.

Denn was weiß man schon über seine Nachbarn, über seine unmittelbare Nachbarschaft? Grade eben, vor einer halben Stunde bin ich K. begegnet. Er riecht immer herrlich. Optisch ist er nicht mein Typ aber seit ich hier lebe fällt mir das auf. Seine alternierenden Düfte entsprechen immer meinem Geschmack. Aber das weiß er gar nicht. Wie auch? Wenn ich das Stiegenhaus betrete, erkenne ich ob er gerade vor mir hier war. Ich rieche ihn. Und ich rieche ihn gerne. Es kommt jedoch ganz selten zu einer Kommunikation. Oft ist er sehr abwesend. Meist grüßt er nicht, aber nicht weil er unfreundlich ist. Ich denke, er registriert an manchen Tageszeiten nichts um sich herum. Und wenn ja, dann erntet man ein freundliches Lächeln. Rundum eine sympathische, liebe Familie.

Die Nachbarschaft ist unwillkürlich zusammengewürfelt. Man kann sie sich nicht aussuchen. Nur eine einzige, mieselsüchtige, pessimistische, schlecht gelaunte Familie kann vieles ganz schön durcheinanderbringen. Schade eigentlich. In meinem Umfeld sind alle durchwegs in Ordnung. Es gibt keinen Grund zur Panik und es geht sehr gesittet zu. Dennoch wird die direkte Kommunikation verweigert und wenn etwas nicht passt greift eben diese eine Familie zum Telefon und quält die Polizei, denn die hat grundsätzlich wichtigeres zu tun, als zur Ruhe aufzurufen. Sogar die Polizei findet es lächerlich, muss aber ihren Job machen und bereichert so den einen oder anderen Abend.

Das Jahr hat 365 Tage. Wenn man davon 5 Tage am Abend lauter ist, muss das in einer Nachbarschaft drinnen sein. Ich habe mich noch nie beschwert und bin stolz darauf. Sich in Toleranz zu üben und die anderen auch mal sein lassen, sich selbst für kurze Zeit zurückzunehmen, muss in einer guten Nachbarschaft zulässig sein.

Es gibt Menschen in meiner Nachbarschaft, die sind immer freundlich und schenken mir ein herrlich, sympathisches, ehrliches Lachen. Ich liebe das. Da ist dieser X. Ich kenne seinen Namen nicht, weil er im Haus nebenan wohnt. Er ist der Sohn vom verstorbenen Y. Der war auch schon so nett und vor allem hilfsbereit. Er hat mir einmal einen schweren Korb abgenommen, weil ich am anderen Arm meinen Erstgeborenen hatte. Das Fröhliche, das Liebe, das dürfte er seinen Kindern weitergegeben haben. Die Frau vom verstorbenen Y habe ich nämlich noch nie lachen gesehen.

Dann gibt es da den Herrn F. Ein alter Charmeur, so wie es im Buche steht. War immer lebenslustig und hatte verschiedene, schöne Frauen. Er übte einen guten Beruf aus und jetzt ist er schwer krank. Er tut mir richtig leid, weil jetzt wo er jemanden bräuchte, ist keiner für ihn da. Er ist tapfer und jammert nie. Alt werden und einsam sein dabei, ist sicher nicht lustig. Kein Wunder, wenn da der Alkohol gelegentlich trösten muss.

Die allerbesten Nachbarn leben aber neben mir. Obwohl kinderlos hatten sie immer Verständnis für meine Kinder, die oft auch laut waren. Sie haben Humor und sind positiv vom Haaransatz bis zu den Zehenspitzen. Oft höre ich sie lachen. Und das obwohl Frau A. sehr krank ist. Man kann sich von ihnen ein Scheibchen abschneiden.

Man kennt die Autos der Jeweiligen, die Art wie sich kleiden, man bemerkt ob sie Single sind oder in einer Partnerschaft leben, man kennt die Kinder und man kann sie als freundlich oder unfreundlich einstufen, aber mehr auch schon nicht.

Meist weiß man nicht einmal ob jemand krank ist, ob er Kummer hat oder einsam ist, ob er Hilfe braucht.

Manchmal wird etwas gestohlen und man ist befremdet. Man weiß nicht wer es war. Ob es einer aus der Nachbarschaft war oder ein Fremder, der sich irgendwie Zugang verschaffen hat.

Viele Rätsel umgeben einem in einer Nachbarschaft. Man muss seine Nachbarn sein lassen und alles ein bisschen durch die rosarote Brille sehen.
Auf gute Nachbarschaft, meine Lieben oder ab ins einsame Häuschen im Wald.

 

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