Martinigansl

November: Zeit, ein Martinigansl zu verspeisen. Aber Achtung! Überlegen Sie es sich sehr gut, ob Sie es sich selbst zutrauen, oder doch lieber ins Restaurant gehen....

Martinigansl

Zeit, für einen Eintrag in mein Tagebuch…..

Der 11. November ist der Festtag des Heiligen Martin von Tours, der in Mitteleuropa von zahlreichen Bräuchen geprägt ist. So bieten viele Restaurants im November die Möglichkeit an, Martinigansl zu essen. Meist wird die Gans gebraten und mit Rotkraut und Erdäpfelknödel serviert. Klingt lecker – und ist es auch.

Schon seit vielen Jahren ist es in unserer Familie Tradition, Martinigansl essen zu gehen. Doch dieses Jahr wurde ich übermütig und wollte es selbst probieren. Wollte mich selbst an den Herd stellen und alles eigenständig kochen. Auch das Rotkraut.

Die Motivation kam von meiner Freundin E, die mich letztes Jahr zum Martinigansl essen eingeladen hat. Ich war überwältigt. Noch nie zuvor hatte ich ein derart gutes Gansl verspeist. Jedoch am allermeisten fasziniert hat mich ihr selbst gekochtes Rotkraut. Ich hätte mich darin eingraben können, so delikat hat es geschmeckt.

Der Gedanke daran, annähernd gute Lorbeeren ernten zu können, motivierte mich in einem kurzen Moment, es selbst zu versuchen. Ich habe es getan, es war mein erstes Mal und es HAT wehgetan. Es war so viel Arbeit und ich werde es nie mehr wieder kochen. So viel ist fix.

Vor E habe ich höchsten Respekt. Noch mehr, als ich ihn sowieso schon hatte. Aber alleine das Rotkraut zu schneiden ist eine Herausforderung der besonderen Art. Das Rezept, das mir vorlag , gab an, 2 Rotkrauthappeln zu verarbeiten. Da ich allerdings für 8 Personen kochen wollte, kam es mir zuwenig vor und ich nahm 3 dieser dunkelroten, schweren Krautbälle. Ich hatte vor dem Zerkleinern keine Angst, befinde ich mich doch im Besitz einer Küchenmaschine, die quasi alles kann, eben auch fein hacheln.

Es begann schon damit, das Krauthappel, mit dem man jemanden erschlagen hätte können, in zwei Hälften zu zerteilen. Ein Kraftakt, der seinesgleichen sucht. Und damit war es noch lange nicht getan. Den Strunk muss man herausschneiden und das Happel in unzählige schmale Stücke schneiden, weil der Aufsatz der Küchenmaschine eben schmal ist und die Krauthappelteile da sonst nicht reinpassen. Es saftelte, es spritzte, es dröhnte. Die Küchenmaschine pfiff aus dem letzten Loch und ich hoffte, dass sie ihr Leben nicht gerade an diesem Nachmittag aufgab. Sie hielt durch – doch ich fast nicht. Meine Hände waren dunkelblau. Ich hatte am Abend eine Einladung und überlegte mir schon, was ich mir einfallen lassen könnte, woher meine dunkelblauen Handinnenflächen stammen. Aber es waren auch die Nägel dunkelrot. Es war entsetzlich.

Die Krautmenge wurde immer mehr und selbst mein größter Kochtopf konnte die Menge an Rotkraut nur knapp verkraften. Dazwischen schüttete ich mein Herz bei E aus und hoffte auf Mitgefühl. Das bekam ich auch, gemeinsam mit dem Satz: „Stimmt, das wollte ich dir noch sagen: zieh dir dabei Handschuhe an, es färbt fürchterlich ab!“ Danke E, aber jetzt ist es eben zu spät.

Es waren Unmengen an Zutaten die diese Krautmengen verschluckten, ich habe gerührt und abgeschmeckt was das Zeug hielt. Zusammengekocht hat es sich nicht allzu viel. Es blieb eine Menge an Rotkraut für eine ganze Kompanie.

Es kamen dann noch Etzes von meinen Familienmitgliedern, wie „ich esse es sicher nicht, mir schmeckt kein Rotkraut“ über „das hättest du anders schneiden sollen“, bis hin zu „es schmeckt nach gar nichts“. Kurz habe ich überlegt es in die Toilette zu schütten, aber da hätten wir eine Verstopfung verursacht, die unnötige Installateurkosten verursacht hätte.

Am nächsten Tag habe ich wieder – natürlich nach Absprache mit E – mit Zutaten verfeinert, mit Rotwein aufgepeppt und am Schluss hat es mir eigentlich sehr gut geschmeckt. Das Rotkraut. Weil vom Gansl habe ich gar nichts gegessen. Dieser riesengroße Flieger, der nur knapp in mein Backrohr passte, hatte verdammt wenig Fleisch auf den Rippen.

Ich zolle jedem Koch meinen ehrfürchtigsten Respekt, jedem der Martinigansl mit Rotkraut und Erdäpfelknödel macht. Ich brauche diese Köche, weil ich selbst werde dieses Gericht sicherlich nie wieder kochen. Mahlzeit!

 

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