Flughafen

Der Flughafen ist eine Ansammlung von verschiedenen, interessanten, spannenden Menschen. Milieustudie gefällig?

Flughafen

Flughafen, Flugzeug, Landebahn
Flughafen

Zeit, für einen Eintrag in mein Tagebuch…..

Ich war wieder einmal auf einem Flughafen. Und ich liebe Flughäfen. Es ist wie Kino, es ist spannend, es ist lustig, es ist manchmal zum Fürchten, es bringt zum Staunen – sprich kurzweilig.

Gut, Menschen kann man auch im Kaufhaus, auf der Parkbank, im Schwimmbad oder im Restaurant beobachten. Aber nichts kommt dem Flughafen gleich. Auch der Bahnhof ist anders.

Zuerst wundert es mich immer, wie viele Menschen mit dem Flugzeug unterwegs sind.

Ich habe Businessmenschen in dunklen Anzügen beobachtet. Sie wirken meist gut situiert, sind schlank, modern und wach, seriöser Blick, strenge Frisur. Meist ziehen sie einen gefälligen Trolly, aus bestem Material hinter sich her. Entweder sie telefonieren, mailen oder reden mit ihren Geschäftskollegen – sofern vorhanden. Sie wirken alle so, als könnten sie das viele Geld, das sie verdienen gar nicht ausgeben, weil ihnen die Zeit dazu fehlt.

Ich sah eine Gruppe junger, pubertierender Sportler, die sichtlich mit Trainern unterwegs war. Sie waren alle mit dem selben schwarz/weißen Trainingsanzug bekleidet und wirkten ausgelassen, weil – wahrscheinlich zum Teil sogar das erste Mal - ohne Eltern unterwegs.

Ich sah eine Menge homosexueller Paare. Männer, von Kopf bis Fuß top gestylt. Nichts war dem Zufall überlassen. Markenware vom Feinsten, alles modern und trendy. Unverkennbar von der Haptik, Louis Vuitton Umhängetaschen, technisch am höchsten Level ausgerüstet, intellektuelle Lesebrille, so groß wie ein Fernseher, unterm Arm eine niveauvolle Tageszeitung, Perrier-Wasser trinkend, Nichtraucher, herrlich duftend, gepflegt, dass es besser nicht sein kann.

Ich sah alternative Paare mit Rastalocken, obwohl brünett und europäisch anmutend, Kleidung vom Weltladen oder vom Inder ums Eck, nach Räucherstäbchen riechend, gepierced, schmuddelig, Ledersandalen tragend, selbstgenähte Umhängetaschen aus Stoffresten. Alternative Verhütung, Vegetarier oder Veganer, Frauen ungeschminkt, dafür eine Menge Holzketten.

Ich sah überforderte Pensionisten-Ehepaare, aufgefescht für den Flug. Typisch ein dünnes, langes Gilet über dem Kragenshirt. Warm sollen sie bleiben, die Nieren. Die Männer mit schütterem Haar, kleinem Bierbauch und dünnen Beinen, die Frauen meist beleibt und mit ¾ Hosen und bequemen Schuhwerk.

Ich sah coole Surfertypen, mit blonden, etwas längeren Haaren, ziemlich braungebrannt, Lederbändern um den Hals, lässige Sportbekleidung und drahtige Figur.

Ich sah Weiberrunden, die sich einen Wochenendflug gönnen. Alle Typen vertreten, meist  nur maximal eine fesche Person darunter. Zahnspangen waren nie ein Thema, schlank bleiben nicht so gefragt. Mode nur für die Hälfte ein Thema, mindestens eine ungeschminkt, alle Raucher. Aber lustig drauf waren alle und so soll es sein.

Man sieht lustige Gepäcksstücke, Louis Vuitton Koffer, Plastiktaschen, die beinahe auseinanderreißen, Instrumente, Sportgeräte und eine Menge Golfbags.

Stark geschminkte Flugbegleiterinnen in hässlichen Zweiteilern, hin und wieder ein Pilot mit aufrechtem Gang, gestärkt durch seine Uniform, weinende Babys, aufgekratzte Kleinkinder, kleine Hunde, die wie Stofftiere aussehen, alle verfolgt von einer Mega-Duftwolke vom Duty-free.

Guten Flug!

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