
Zeit, für einen Eintrag in mein Tagebuch ...
Die Apotheke heutzutage hat kaum mehr etwas zu tun mit der Apotheke von früher. In meiner Kindheit habe ich Apotheken immer mit einem unverwechselbaren Geruch und mit viel dunklem Holz in Verbindung gebracht. Alle waren „Magister" und hatten respekteinflößende weiße Mäntel an. In den Apotheken bekam man medizinische Produkte und natürliche Medikamente. Man hatte das Gefühl, dass sie einem nur Produkte verkauften, die gesund, oder Sinn machten. Ach ja, abwägen konnte man sich auf der, für viele komplizierten, Waage. Gewichte wurden zuerst wie wild und dann behutsam hin und her geschoben. Ich verstand damals nie, wie man DA sein Gewicht ablesen konnte.
Heute bekommt man beinahe alles in der Apotheke. Sie sind meist modern und vermitteln einem Wellness und Gesundheit. Manchmal plätschern luftbefeuchtende kleine Wasserfälle aus mondänen Gebilden, manchmal gibt es Körbe voller gesunder, rotbackiger Äpfel gratis zum Zugreifen und Mitnehmen. Die Mäntel sind weiß geblieben, sind jedoch meist figurnahe und kess oder durch andere Kleidung, wie zum Beispiel Schürzen ersetzt worden. Verkauft wird alles, was der Kunde nur irgendwie brauchen könnte, selber vielleicht noch gar nie daran gedacht hat. Umsatzzahlen entscheiden, das Wohl des Apothekers zuerst. Vielleicht bin ich da auch ein bisschen streng, aber die Wahrheit wird in der Mitte liegen.
Trotzdem gehe ich noch immer gerne in Apotheken. Ich finde den Beruf des Pharmazeuten spannend und höchst interessant und der Geruch ist auch noch halbwegs da. Zuviel Schi Schi ist vielleicht nicht so meins und Duftkerzen und Schminksachen bräuchten meinetwegen dort nicht feilgeboten werden. Dafür gibt es jede Menge anderer brauchbarer Produkte und natürlich lebensnotwendige, und heilende Medikamente. Jeder, der schon einmal etwas in einer Apotheke gekauft hat, weiß es zu schätzen, vom Apotheker seines Vertrauens diskret betreut zu werden. Doch man vergisst mitunter, dass die Apotheken-Magister das tagein-tagaus praktizieren und keine Scheu haben über Dinge wie Viagra, Scheidenzäpfchen, Hämorrhoidensalben, Warzen, Ausfluss, Gleitcremen oder Fußpilz zu sprechen. Sie flüstern auch nicht - iwo! Wenn die Schuhverkäuferin einem lauthals vermittelt: „Diese Schuhe habe ich auch. Sie haben eine perfekte Passform und drücken nirgends, ich kann sie ihnen wärmstens empfehlen!" kommt das irgendwie besser, als wenn die Pharmazeutin in einem knallvollen Geschäft, wo der nächste 10 Zentimeter hinter einem in das Genick haucht (hoffentlich gesund), sagt: "Dieses Mulit-Gyn-Gel zur Vorbeugung und Behandlung von Vaginalproblemen habe ich auch. Das ist super. Probieren sie die!"
Man haucht ein „Ja, danke" über die Tara und will schnell raus. Also mir ist das peinlich. Ich will nicht, dass der fesche Typ hinter mir weiß, dass ich zum Beispiel Hämorrhoiden habe. Und der fesche Typ hinter mir, will sicher nicht, dass ich weiß, dass er Viagra braucht, um einen hoch zu kriegen, na also.
Das meistverkaufte Produkt während eines Nachtdienstes ist die „Pille danach". Pickelgesichter läuten verstört und stammeln etwas von geplatztem Kondom oder so. In meiner Jugend war es schon eine Challenge die schaumbildenden Verhütungs-Scheidenzäpfchen oder schlichtweg Kondome zu verlangen, aber das hat sich ja zum Glück alles verändert. Zum Glück? Ich weiß nicht, aber verändert hat es sich in jedem Fall. Gesundheit allerseits!

Permanente Haarentfernung und Hautpflege