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Liebe & Erotik

Tagebuch: Liebesgedichte genau betrachtet

Wer hat schon einmal ein Liebesgedicht geschenkt bekommen? Die Glücklichen können sich sicher daran erinnern. Und vielleicht war es ja sogar selbst gedichtet. Schade, dass das aus der Mode kommt.

Zeit, für einen Eintrag in mein Tagebuch ...

Wenn von zehn Frauen, schon einmal eine ein Liebesgedicht von einem Mann geschenkt bekommen hat, so ist dies wahrscheinlich viel. Wenn dann noch ein selbst verfasstes Gedicht dabei sein sollte, wird's noch enger. Meiner Meinung nach gibt es da eine gewisse Widersprüchlichkeit.

Einerseits ist es beeindruckend, künstlerisch, wenn nicht zu sagen philosophisch. Andererseits irgendwie spießig, unmodern und realitätsfern. Man freut sich sehr, ist überwältigt, ob der Originalität, und dennoch denkt man sich mitunter: „Ja, was ist denn das für einer?". Aber natürlich hängt das vom Betrachter ab. Denn es gibt junge, romantische, Mädchen, die darauf brennen, Gedichte zu bekommen. Die wilden, coolen Gören bevorzugen dann doch den Jungen mit dem auffrisierten Moped und der Lederjacke. Jedem das Seine.

Ich erinnere mich dunkel, einmal in der Oberstufe ein Liebesgedicht von zwei Jungs bekommen zu haben. Nämlich so dunkel, dass ich exakt weiß, wo dieser Brief, heute - 25 Jahre später - im Keller zu finden ist. Ich traue mich zu behaupten, doch eher zu den cooleren gehört zu haben, weggeworfen habe ich das selbstverfasste Gedicht jedoch nie. Jede geschriebene Zeile habe ich mir aufgehoben, jede.

Ich glaube ich schaffe es in die Statistik. Denn einige Jahre später habe ich zwar nicht selbstverfasste, jedoch immerhin einen gekauften Taschenbuchband der hundert schönsten Gedichte der deutschen Literatur zum ewigen Thema der Dichter, im Diogenes Verlag geschenkt bekommen. Es beinhaltet Poetisches von Johann Wolfgang von Goethe, über Matthias Claudius bis Gottfried Keller, Heinrich Heine, oder Friedrich von Schiller.

Die Liebe hemmet nichts;

Sie kennt nicht Tür noch Riegel

Und dringt durch alles sich;

Sie ist ohn´Anbeginn,

schlug ewig ihre Flügel

Und schlägt sie ewiglich.

Matthias Claudius hat letzteres verfasst und in diesem Stil kann man sich quasi liebestoll lesen, die Gedichte auswendig lernen und andere verblüffen, analysieren, wie man das aus dem Deutschunterricht kennt, wenn es einem gar nicht liegt, im Bücherregal verstauen (kommt immer gut), oder notfalls als Heizmaterial verwenden.

Oft habe ich mir im Deutschunterricht gedacht, dass sich die Dichter sicherlich niemals solch eine Vielzahl an Gedanken gemacht haben. Ich vermutete immer, viel zu viel in die schlanken Sechs- oder Achtzeiler hineinzuinterpretieren, aber gut, Aufgabe, war Aufgabe.

In der heutigen Cyber-Welt, zwischen PC und Handy schreiben sich die jungen, verliebten Menschen meistens nur kurze Nachrichten. Kann sicher lieb und nett sein, einen aufbauen, trösten oder beflügeln. Aber ich kenne da ein junges Mädchen, dass ein klein wenig gegen den Strom schwimmt. Sie liebt den Duft des Regens, das Langsame, das Individuelle, Theater und Tanz. Sie hat noch nicht den richtigen Mann gefunden, weil sie - so glaube ich - auf den einen Prinzen wartet, der ihr ein selbstverfasstes Liebesgedicht in ihr Ohr haucht und ihr durch ihr ungewöhnlich langes, dunkles Haar streicht. Hach. Glück auf!

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