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Liebe & Erotik Text: Claudia Ohswald

Tagebuch: Freundin gesucht

Man braucht eine Freundin. Das heißt man braucht nicht nur eine, sondern im Idealfall hat man mehrere. Das gilt für Frauen als auch für Männer.

Es ist wieder Zeit für einen Tagebucheintrag ...

Man braucht eine Freundin. Das heißt man braucht nicht nur eine, sondern im Idealfall hat man mehrere. Das gilt für Frauen als auch für Männer. Bei Männern gehört es heutzutage bereits zum guten Ton eine Freundin zu haben. Fast alle haben eine. Neben der Ehefrau, versteht sich. Im Büro eine, auf der Dienstreise eine, im Urlaub eine, im näheren Umfeld eine. Eine asexuelle Freundin zum Zuhören. Und eine für die unaussprechlichen Abenteuer. Mit Sexspielzeug und Dessous auf Du und Du. Eine Freundin im facebook, eine für den Email-Verkehr eine andere für den Analverkehr, das will die Ehefrau nicht so gerne. Eine Freundin zum Angeben und Ausgehen, eine zum Verstecken und turteln. Eine zum Aufpolieren des eigenen, angekratzten Egos, oder so ähnlich.

Frauen haben meist nur eine Freundin. Eine richtig dicke für alle Geheimnisse und Wünsche. Kaum erlebt, wird alles exklusiv und hochvertraulich erzählt. Meist per Telefon. Darum haben Frauen auch die höheren Telefonrechnungen und kein Tagebuch mehr. Im Zeitalter von Facebook und Co, wird der Gemütszustand gepostet. Nicht versperrt aufbewahrt. Alle sollen daran teilhaben. Mit der Freundin fahren Frauen auf Urlaub und erholen sich von Männern und Kindern. Das gibt es rezeptfrei, falls die Ehemänner mitspielen – was sie sollten. Sie teilen sich mit der Freundin Freunde, weil sie ja Freundinnen sind und ihnen Neid ein Fremdwort ist. Sie teilen sich das Bett im Schiurlaub. Sie teilen sich Kochrezepte und Schönheitstipps. Sie teilen sich die Fatburner-Tabletten, die eigentlich Nahrungsergänzungsmittel sind und sowieso nichts bringen. Man teilt sich mit der Freundin Sorgen und die schönsten Momente im Leben. Man weint gemeinsam. Man betreibt den gleichen Sport, man teilt gemachte Erfahrungen. Man lädt seine Batterie auf und man lacht vor allem. Man ist mit der Freundin unbeschwert, unbelastet, man fühlt sich frei. Man ist authentisch.

Bereits im Kindergarten hat man seine erste Freundin. Man teilt Buntstifte und das Dreirad und das gilt für Buben und für Mädchen gleichermaßen. In der Volksschule geht der ganz normale Wahnsinn weiter. Für die Mädels bedeutet die Freundin Partnerlook, die gleichen Glitzeraufkleber, Barbiepuppenkleideraustausch, die ersten Konkurrenzkämpfe. Für die Burschen, der erste Kuss, der erste Liebesbrief, Eifersüchteleien und Buhlen um die Hübscheste und Coolste. Im Gymnasium wird der Druck stärker, die Konkurrenz härter, aus Doktorspielen wird Petting vom Feinsten. Es wird geföhnt, geglättet, parfümiert, geschminkt was geht. Man wird mit der Freundin zu Parties mit Zungenkussgarantie eingeladen. Man wird langsam aber stetig zur Frau und freut sich über die erste Periode.

Man hat die ersten sexuellen Erfahrungen meist mit der Freundin, dann mit dem Freund. Man ist stolz, dass man eine Freundin hat. Es beginnt der erste große Liebeskummer, gespickt mit Betrügereien, Intrigen und Mobbing. Man geht mit der Freundin gemeinsam einkaufen und trinkt heimlich die elterliche Bar leer. Man kotzt im Gleichklang und macht den Führerschein. Man zählt die Pickel und tauscht Geheimrezepte aus. Man inhaliert nicht nur Kamillentee.

Mit Glück bleibt einem die Schulfreundin erhalten. Selten aber doch gibt es diese langjährigen Freundschaften. Wenn nicht, bietet das Leben sehr viele Gelegenheiten neue Freundinnen kennenzulernen. Jeder sollte eine haben und sie auch nutzen.

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Claudia Ohswald spricht mir aus der Seele --- ich kann mir ein Leben ohne meine Freundinnen nicht vorstellen!!

, 24.04.2009 um 11:37
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