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Fritz Lindengrün
Alternative Mobilität Text: Fritz Lindengrün

Schrack Technik Interview

Wir haben uns mit der Geschäftsführung der Fa. Schrack Technik GmbH zusammengesetzt und über die Perpektiven für E-Mobilität gesprochen.Interview Partner waren Ing. Mag. Wilhelm Grosseibl, Vorsitzender der Geschäftsführung der Fa. Schrack Technik GMBH Austria und Ing. Wolfgang Baumgartner, Geschäftsführer der Fa. Schrack Technik Projekt- und Service GmbH.

Geschäftsführung der Fa. Schrack Technik
© | Links: Der Vorsitzende der Geschäftsführung d. Fa. Schrack Technik GMBH Austria Ing. Mag. Wilhelm Grosseibl. Rechts: Ing. Wolfgang Baumgartner, Geschäftsführer der Fa. Schrack Technik Projekt- und Service GmbH.

stadt-wien.at: Welche Beweggründe/welche Chancen sahen Sie bei der Herauslösung von Schrack?

2005 haben wir uns aus dem multinationalen Konzern herausgelöst. Wir sind sehr froh darüber, weil wir uns in der Selbstständigkeit viel besser um neue und dynamische Märkte kümmern können. Wir haben neben einer Vielzahl von Produktentwicklungen auch den Bereich Elektromobilität und Stromtankstellen entwickelt – das geht in internationalen Konzernen eher unter. 2005 haben wir einen Umsatz von 100 Mio. Euro verzeichnet und werden heuer trotz Einbrüchen in Zentral- und Osteuropa 200 Mio. erwirtschaften. Aus einem internationalen Konzern ist wieder ein österreichisches Unternehmen geworden.

stadt-wien.at: Siemens hat das Geschäft mit Stromtankstellen aufgegeben, Schrack nicht. Warum?

Wir glauben daran. Daher ist unser Plan ganz klar, wir wollen eine dominante Stellung in der Herstellung von Stromtankstellen einnehmen.

stadt-wien.at: Werden die Tankstellen in Österreich produziert?

Die Tankstellen werden in Österreich produziert und geprüft. Neben dem Vertrieb in Österreich exportieren wir Stromtankstellen nach Deutschland, in die Schweiz, nach Tschechien, in die Slowakei und nach Ungarn.

stadt-wien.at: WienEnergie hat 200 Stromtankstellen bei Ihnen bestellt. Wie geht es weiter?

Der Trend geht hin zu Elektromobilität. Daher wollen wir Möglichkeiten schaffen, Elektroautos an unseren Stromtankstellen effizient zu laden – dabei müssen Qualität, die mögliche beziehbare Leistung und vor allem die leichte Zugänglichkeit bzw. die Benutzerfreundlichkeit stimmen.

stadt-wien.at: Worin liegen die technischen Herausforderungen von Stromtankstellen?

Darin, dass wir industrielle Standardlösungen finden und die Benutzung und Bezahlung so einfach wie möglich machen, damit unsere Kunden – egal, ob sie 70 oder 16 sind – so schnell wie möglich einen Ladevorgang starten und abschließen können. Wenn Kunden nicht überall einfach bezahlen können, werden sie nicht an einer Stromtankstelle tanken.

stadt-wien.at: Wie gehen Sie mit den verschiedenen Stecksystemen um?

Die Standardladesäulen sind so ausgerüstet, dass jeder, vom E-Bike- bis zum neuesten BMW-Besitzer, vor Ort laden kann. Unsere Ladesäulen sind auch nachrüstbar: Wenn neue Stecksysteme kommen, müssen sie nicht ersetzt, sondern einfach nur nachgerüstet werden.

stadt-wien.at: Wie läuft ein Ladevorgang ab?

Der Kunde reserviert eine Säule, fährt dorthin, steckt das Kabel an, identifiziert sich mit einem Handy oder einer Karte eines Energieanbieters und schon startet der Ladevorgang. Per SMS oder App wird der Kunde über den Ladevorgang am Laufenden gehalten. Darin liegt die Intelligenz der Stromtankstelle: Es geht nicht nur um den Ladevorgang, sondern auch ums Drumherum. Und da ist unser Unternehmen in Europa führend. Die Angst, mit dem Auto stehen zu bleiben, ist unbegründet, da 80% der Fahrten unter 40 km liegen, die Ladezeiten kürzer werden und die Akku-Technologie sich kontinuierlich ganzheitlich verbessen. Besonders für Taxiunternehmen werden unsere Tankstellen daher immer attraktiver.

stadt-wien.at: Vor welchen Herausforderungen stehen Stromtankstellen- und Autohersteller?

Vor Herausforderungen stehen ja nicht nur die Hersteller, sondern auch die Energieversorger. Wir alle müssen darauf achten, dass Auto und Tankstelle miteinander ‚kommunizieren’, damit die Energiezufuhr in geregelten Bahnen verläuft und somit alle Sicherheitsaspekte mit modernster Technik abgedeckt sind.

stadt-wien.at: Ist es logistisch möglich, dass 50% der Bevölkerung mit Elektroautos fahren?

Ja. Dazu braucht es zwar noch technische Entwicklungen und ein Umdenken in der Bevölkerung, aber es ist möglich.

stadt-wien.at: Wird das Auto vom Statussymbol wieder vorrangig zum Fortbewegungsmittel?

Ja, da es nur eines von vielen Fortbewegungsmitteln der ‚modernen Mobilität’ ist.

stadt-wien.at: Wie sehen Sie die Zukunft der Elektro- und alternativen Mobilität?

Der Mensch will mobil sein. Aufgabe von Industrie, Politik und Gemeinden ist es, ihm Mobilität umweltfreundlich zur Verfügung zu stellen. Die Stadt Wien nimmt eine Vorreiterrolle in der Entwicklung nachhaltiger Mobilitätskonzepte ein. Carsharing, öffentliche Verkehrsmittel, das Fahrrad – sie alle sind Teil eines zukunftsorientierten Mobilitätskonzepts. Wir wären für die Einführung von Mobilitätskarten für eine intermodale Nutzung von Verkehrsmittel, also eine Karte, mit der man sowohl den öffentlichen Stadtverkehr als auch Fernzüge nutzen kann und die außerdem als Zutrittsberechtigung für Carsharing-eAutos dient. Damit man nicht für jedes System extra ein Ticket erwerben muss.

stadt-wien.at: Wie steht die Erdölindustrie zu Stromtankstellen?

Erdölproduzenten wollen Erdöl verkaufen. Natürlich hält sich ihre Freude über neue Stromtankstellen daher in Grenzen, aber unser Unternehmen ist dem Strom verpflichtet, wohlwissend, wie wichtig Nachhaltigkeit ist.

stadt-wien.at: Wo soll der Strom herkommen?

Windkraft- und Photovoltaikanlagen spielen eine immer größere Rolle. Für uns liegt darin insofern eine Herausforderung, als beide Arten der Stromproduktion wetterabhängig sind und wir daher vor einer Ungewissheit stehen: Wie viel Strom kommt heute rein, wie viel morgen? Eine gleichsam fordernde Aufgabe ist aber auch die Entwicklung der Verteilernetze, denn Blackouts sollen selbstverständlich vermieden werden.

stadt-wien.at: Geht es mehr um Stromspeicherung und -verteilung als um Stromproduktion?

Ja. In Hinblick auf die Ausrichtung auf erneuerbare Energien ist das Thema Speicherung und Verteilung wesentlich. Daran wird Schrack auch in den nächsten Jahren arbeiten, damit unser Unternehmen in Europa führend bleibt.

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