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Alternative Mobilität Text: Franz Schnecko

Critical Mass – Die RadfahrerInnen erobern Wien

Seit einigen Jahren versammeln sich hunderte Radfahrbegeisterte einmal im Monat am Schwarzenbergplatz, um von dort aus im großen Peleton über Wiens Straßen zu cruisen. Dadurch soll einerseits auf die Bedeutung dieses umweltschonenden Fortbewegungsmittels hingewiesen und andererseits für mehr Radwege und Radhighways geworben werden.

Zahlreiche rosa bemalte Fahrräder
© Andreas Stix/pixelio.de | Hunderte Fahrräder aller Größen und Formen nehmen monatlich bei der Critical Mass teil.

Wenn man an einem sonnigen Freitagnachmittag hunderte Fahrräder und fahrradähnliche Gefährte am Schwarzenbergplatz erblickt, ist es wieder so weit: Die „Critical Mass“ nimmt ihren Anfang. Von dort aus bewegt sie sich zuerst den Ring entlang und folgt daraufhin zum Teil variierenden Routen, ehe sie in der Nähe der Donauinsel ihr Ziel erreicht. Vor allem im Sommer wartet dort ein Sprung ins kühle Nass und einmal im Jahr fallen beim legendären „Nacktbaden“ die verschwitzten „Bikerhüllen“.

Entstehung der Critical Mass

Der Name Critical Mass stammt eigentlich aus der Kernphysik, wo er jene Masse an spaltbarem Material bezeichnet, ab dem sich die Kettenreaktion der Kernspaltung von selbst aufrecht erhalten kann. In Bezug auf soziale Aktionsformen wurde der Begriff vor allem in Verbindung mit großen Radfahrereignissen bekannt. Als erste Veranstaltung dieser Art zählt man eine Raddemonstration, in San Francisco aus dem Jahre 1992. In Wien fand die erste Critical Mass 1999 statt. Seit 2006 wird sie jeden dritten Freitag im Monat abgehalten.

On the road again – Der ganz normale Wahnsinn

Eskortiert wird das zuweilen gewaltige Feld (bis zu 1000 TeilnehmerInnen) von Polizeistreifen, nicht nur auf Motor-, sondern auch auf Fahrrädern. Scheinbar hat man auch bei den Hütern von Recht und Ordnung die Vorteile des Drahtesels erkannt. Wer weiß, vielleicht diente sogar Thomas Brezinas Superdetektiv „Tom Turbo“ als Inspiration. Generell ist die Stimmung bei der Critical Mass immer sehr entspannt und fröhlich. Dazu tragen vor allem auch jene Gefährte bei, die am Anhänger eine Stereoanlage montiert haben. So manche funktioniert sogar solarbetrieben, also völlig energieautark. Je nach Musikgeschmack kann man oft sogar zwischen Swing, Reggae, Jazz und Pop hin und her fahren. Und die gute Stimmung ist ansteckend: So manche/r RadlerIn, ändert kurzfristig die Route und schließt sich dem bunten Treiben an. Die einzigen negativen Reaktionen stammen von den AutofahrerInnen, die aufgrund der Straßensperren, einige Minuten mehr als gewohnt nach Hause brauchen. Doch hinter zahlreichen Windschutzscheiben entdeckt man auch sehnsüchtige und neidische Blicke, die in etwa Folgendes ausdrücken: „Könnte ich mein stickiges Cockpit doch gegen den angenehmen Fahrtwind auf einem Fahrrad eintauschen.“

Radfahren spart Platz und schont die Umwelt

Ein weiterer gravierender Unterschied zum Auto wird einem bewusst, wenn man ausnahmsweise auf der dreispurigen Ringstraße oder auf den breiten Donaubrücken unterwegs ist, die ansonsten von Autos bevölkert werden: RadfahrerInnen brauchen viel weniger Platz als PKWs und Laster. Und hier setzt die zentrale Forderung der Initiatoren der Critical Mass ein: Mehr Platz für das Fahrrad, denn nach wie vor genießt der Autoverkehr unumstrittene Priorität in der Stadtplanung. Aus verkehrstechnischer Sicht wäre jedoch der Ausbau von Radwegen und -highways, notfalls auch auf Kosten des motorisierten Verkehrs viel zielführender, da dadurch auch viele AutofahrerInnen aufs Rad umsteigen würden, die diesen Schritt bisher nur aus Sicherheitsgründen nicht wagten.

 

Mehr Infos zur Critical Mass finden Sie unter: http://www.criticalmass.at/

 

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