Das Burgtheater gilt als wichtigste Schauspielbühne Österreichs und ist auch sicher der prominenteste Schauplatz des Landes für dramaturgische Inszenierungen klassischer wie moderner Art.
Die aktuellen Programme des Burgtheaters, Vestibül und Akademietheaters auf stadt-wien.at:
Seit seiner Gründung war das Theater unterschiedlich bezeichnet worden: zunächst als k.k. Theater nächst der Burg, bis 1918 als k.k. Hof-Burgtheater und seitdem als Burgtheater oder schlichtweg als Die Burg.
Dem entsprechend nennt man die Mitglieder des Ensembles auch Burgschauspieler, und das so genannte Burgtheaterdeutsch gilt als eigener Sprachbegriff für eine besonders schön und melodiös gesprochene Variante, die zudem auch für das Publikum im gesamten Zuschauerraum bestens verständlich ist. Als Paradebeispiel für die Kunst des Burgtheaterdeutsch wird bis heute die legendäre Burgschauspielerin Paula Wessely genannt.
Das Gebäude des Burgtheaters am Dr.-Karl-Lueger-Ring hatte einen Vorgängerbau, das als „altes“ Burgtheater am Michaelerplatz von 1748 bis 1888 bespielt wurde bis das neue Haus am Ring am 12. Oktober 1888 mit Grillparzers Esther und Schillers Wallensteins Lager eröffnet wurde.




Der Bau des heutigen Burgtheaters war 1874 im historistischen Stil des Neobarock nach den Entwürfen der beiden Architekten begonnen worden, die schon das Kaiserforum in Wien geplant und zum Teil realisiert hatten: Gottfried Semper zeichnete für den Grundriss des neuen Theaters und Karl Freiherr von Hasenauer für die Fassade verantwortlich. Die Fertigstellung geschah dann 1888 unter der alleinigen Feder von Hasenauer, der vor allem einen prunkvollen Stil favorisierte. Vorbild war die Dresdner Semperoper, die Struktur der Architektur ist symmetrisch gegliedert, mit einer Loggia über dem Mitteltrakt, eingerahmt von den beiden Seitenflügeln, das Bühnenhaus ist mit eine Giebeldach und das Zuschauerhaus mit einem Zeltdach überdeckt. Die Fassade ist mit zahlreichen Skulpturen mythologischer und literarischer Bedeutung geschmückt, Apollo, Musen, Bacchus und Ariadne, Allegorien und Portraitbüsten verschiedener Dichter.
Im Inneren des Theaters wurde Gustav Klimt mit seinem Bruder Ernst Klimt und Franz Matsche für die Ausschmückung der Stiegenhäuser mit Deckengemälden beauftragt. Es entstanden große Gemälde mit antikem Inhalt, Darstellungen von Künstlern des antiken Theaters, Szenen aus Stücken von Shakespeare und Molière, in welchem sich der Künstler auch selbst wiedergegeben hat, gemeinsam mit seinen beiden Malerkollegen im Hintergrund. Für diese Deckengemälde wurde Klimt und seinen Kollegen von Kaiser Franz Joseph das Goldene Verdienstkreuz verliehen.
1945 wurde auch das neue Haus des Burgtheaters, wie andere Bauwerke der Ringstraße (darunter auch die Staatsoper), durch einen Bombenangriff stark beschädigt und brannte vollständig aus. 1955 konnte das wieder hergestellte Burgtheater neu eröffnet werden, bis dahin musste das Ronacher als Ausweichquartier genutzt werden.
Derzeitiger Direktor ist seit 1999 Klaus Bachler, noch 2009 wird Matthias Hartmann diese Aufgabe übernehmen. Bachlers Vorgänger Claus Peymann ist eine Modernisierung des bis dahin sehr konservativen Spielplans und Inszenierungsstils zu verdanken. Peymanns systemkritische Haltung und Wortmeldungen, vor allem aber die auch politisch umstrittene Uraufführung von Thomas Bernhards Heldenplatz erregte allgemeines Aufsehen. Seit Peymanns Betreiben 1999, zehn Jahre nach dem Todestag des großen österreichischen Schriftstellers, stehen die Dramen von Thomas Bernhard konstant am Spielplan. Klaus Bachler, der Peymann 1999 als Direktor folgte, kultivierte das Burgtheater als gesellschaftliches Event und zog dazu Regisseure wie Peter Zadek, Andrea Breth und Luc Bondy nach Wien. Unter anderem realisierte unter Bachlers Direktion 2005 Hermann Nitsch im Burgtheater ein Orgien-Mysterien-Theater, John Irving las 2006 aus seinem Buch Bis ich dich finde, Christoph Schlingensief veranstaltete Die 431. animatorgraphische Expedition.
Heute hat das Burgtheater, anders als die meisten Schauspielhäuser, eine ungebrochen gute Auslastung. Es bleibt eine Lust der Wiener „in die Burg“ zu gehen. Dazu tragen namhafte Schauspieler bei, die zu Publikumslieblingen wurden, qualitativ hochwertige Inszenierungen und nicht zuletzt auch Gerüchte und Skandale, die das Theater immer wieder in die Schlagzeilen bringen. Die Ernennung des nächsten Intendanten ist stetes Gesprächsthema der Wiener Gesellschaft – wie man hier Matthias Hartmanns Leistungen aufnehmen wird, wird sich zeigen.
Autor: Margareta Sandhofer
Bildnachweis zu den Porträts:
Porträt Bernhard © Andrej Reiser
Bildquelle Uraufführung Heldenplatz: www.geocities.com/neckam2/Bernhard.html Porträt Peymann © Georg Soulek
Porträt Bachler © Burgtheater
Porträt Hartmann © Leonard Zubler
Den aktuellen Spielplan des Burgtheaters finden Sie unter: Burgtheater Wien - Programm
