Keineswegs langweilig ist ein Besuch des Theatermuseum, eine Abteilung des KHM: Herbert Kappelmüller gestaltete den Rundgang im ersten Stock des Palais Lobkowitz als theatralische, abwechslungsreiche Inszenierung. Man bummelt über das Kopfsteinpflaster und stößt auf eine alte Litfasssäule mit Plakaten, man findet sich plötzlich in einem Orchestergraben wieder, in dem gerade die Musiker ihre Instrumente stimmen, oder gerät in ein Fotolabor mit zahlreichen Entwicklerschalen, in denen alte Bilder schwimmen. Raketen explodieren zur Feuerwerksmusik, durch die samtbespannten Türen der Logen kann man einen Blick auf die Bühne (beziehungsweise die Bühnenbildmodelle) werfen, und im friedhofsartigen Gedenkraum mit den Nachlässen knirscht der Kies unter den Füssen.
Das Theatermuseum besitzt über 1,6 Millionen Objekte, darunter mehr als 100.000 Handzeichnungen, knapp 1000 Bühnenbild- und Architekturmodelle, über 700.000 Fotos und rund 2000 Andenken an berühmte Schauspieler, Autoren und Komponisten. Der älteste Theaterzettel der Sammlung stammt aus dem Jahr 1713 und ist die Ankündigung einer Hanswurstiade. Unter den Autographen befinden sich Originale von Beethoven, Goethe, Richard Wagner, Richard Strauss und Gustav Mahler. Gustav Klimts Gemälde „Nuda Veritas“ stammt aus dem Nachlass von Hermann Bahr. Zudem verwahrt man eine Vielzahl von Kostümen, entworfen unter anderem von Oskar Kokoschka, Fritz Wotruba und Pablo Picasso, sowie Marionetten und Schattenfiguren.
Ein Raum ist dem Jugendstilkünstler Richard Teschner (1879-1948) und seinem revolutionären Figurentheater, dem sogenannten Figurenspiegel, gewidmet. In unregelmäßigen Abständen werden Abendvorführungen angeboten. Die Bibliothek umfasst etwa 80.000 Bücher und Zeitschriften (geöffnet von Dienstag bis Freitag 10-13 Uhr und 14-16.45 Uhr, am Samstag 10-13 Uhr). In der Hanuschgasse 3 befinden sich Gedenkräume unter anderem für Carl Michael Ziehrer, Emmerich Kálmán, Hugo Thimig, Hermann Bahr, Max Reinhardt, Caspar Neher und Fritz Wotruba (geöffnet Mittwoch 10 bis 18 Uhr und gegen Voranmeldung)
Geschichte: Das Theatermuseum ging 1991 aus der Theatersammlung der Österreichischen Nationalbibliothek hervor. Diese wurde zwar erst 1922 gegründet, doch die Vorstufen systematischer Sammeltätigkeit diverser Theatralia an der Hofbibliothek reichen bis in die Barockzeit zurück. Als Folge der Ausstellung „Komödie“ im Prunksaal wurde 1923 die umfangreiche Sammlung des Burgtheaterdirektors Hugo Thimig erworben. 1931 gelang es, einige Räume im Burgtheater für ein „Bundestheatermuseum“ zur Verfügung gestellt zu bekommen. Doch 1938 wurde es wieder geschlossen.
Erst seit 1975 gibt es ein richtiges Österreichisches Theatermuseum. 1982 beschloss man, die Theatersammlung der Nationalbibliothek und das Theatermuseum zu vereinen. Als Ort bot sich das Palais Lobkowitz an, das soeben von der Republik angekauft worden war. Die Theatersammlung wurde schließlich aus der Nationalbibliothek ausgegliedert, das Theatermuseum erhielt den Status eines Bundesmuseums. Die Eröffnung fand am 26. Oktober 1991 statt. Ein Jahrzehnt später verlor das Theatermuseum seine Eigenständigkeit: Es wurde mit Beginn 2001 Teil des Kunsthistorischen Museums.
Das Palais Lobkowitz wurde im Auftrag von Philipp Sigmund Graf Dietrichstein ab 1687 von Giovanni Pietro Tencala geplant und zwischen1690 und 1694 unter Mitwirkung von Johann Bernhard Fischer von Erlach, der Mittelrisalit, Portal und Attika gestaltete, errichtet. 1745 gelangte der barocke Palast in den Besitz der Familie Lobkowitz. Franz Joseph Maximilian Fürst Lobkowitz, bedeutender Förderer und wichtigster Mäzen der Wiener und Böhmischen Musik- und Theaterszene seiner Zeit, selbst Musiker und später auch Hoftheaterdirektor, ließ den Festsaal 1799 für Konzerte einrichten. Unter den zahlreichen Werken, die Ludwig van Beethoven, der oft im Palais musizierte und im Besonderen gefördert wurde, dem Fürsten widmete, sticht die 1804 komponierte, ursprünglich „Bonaparte“ titulierte 3. Symphonie heraus, der zu Ehren der Festsaal heute den Namen „Eroica-Saal“ trägt. 1807 erfolgte im Palais Lobkowitz die Erstaufführung von Beethovens 4. Symphonie und im Dezember 1812 kam es hier mit der Eintragung der Gründungsmitglieder zur eigentlichen Gründung der „Gesellschaft der Musikfreunde“. Von 1869 an wurde das Palais vermietet, unter anderem an die französische und die tschechische Botschaft, nach dem Zweiten Weltkrieg an das französische Kulturinstitut. Seit 1979 befindet es sich im Besitz der Republik, von 1985 bis 1991 dauerten die Generalsanierung und der Umbau zum Theatermuseum.
Eintrittspreise
Vollpreis ... € 4,50
ermäßigt ... € 3,50
Wien-Karte ... € 4,00
Schüler im KV ... € 2,00
Familienkarte* ... € 9,00
Gruppenkarte ... € 3,50
Führungskarte ... € 2,00
*Gilt für 2 Erwachsene mit bis zu 3 Kindern
Adresse: Lobkowitzplatz 2, A-1010 Wien.
Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag 10-18 Uhr.
Telefon: +43/1/525 24 / 610
Internet: www.theatermuseum.at
E-Mail: info@theatermuseum.at
Bearbeitung: Norbert Kozubek

Das kunsthistorische Museum (KHM) ist durch seine spannenden Ausstellungen weit über die Grenzen Österreichs hinaus ein Begriff.
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