Künstlerhaus

Das Künstlerhaus Wien, vor 140 Jahren von der Gesellschaft der bildenden Künstler Österreichs erbaut, wird in Zusammenarbeit von Joachim Lothar Gartner und Peter Bogner künstlerisch geleitet.

Künstlerhaus

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Künstlerhaus Wien, Joachim Lothar Gartner

Künstlerhaus

Das Künstlerhaus in Wien, vor 140 Jahren von der Gesellschaft der bildenden Künstler Österreichs erbaut, wird in Zusammenarbeit von Joachim Lothar Gartner und Peter Bogner künstlerisch geleitet. Peter Bogner führt seit 2002 als Direktor des Hauses die geschäftlichen Agenden, Joachim Lothar Gartner steht seit 2006 der Gesellschaft als Präsident voran und erfüllt die repräsentativen Aufgaben. Gemeinsam verwalten sie eine der traditionsreichsten kulturellen Institutionen des Landes, die mit ihrem Gründungsdatum von 1861 auf eine ehrwürdige Geschichte verweisen kann. Seit jeher setzt das Künstlerhaus maßgebende Akzente in der Wiener Kunstszene, sei es im 19. Jahrhundert unter dem Malerfürsten Hans Makart, durch die zur Legende gewordenen Künstlerfeste oder mit weithin bekannten Ausstellungen wie „Traum und Wirklichkeit“ 1984. Wie das Künstlerhaus und mit ihm die Gesellschaft der bildenden Künstler heute das aktuelle Kunstgeschehen mitbestimmen, wird von Joachim Lothar Gartner in einem Interview mit Ralf Ehrgott von der www.stadt-wien.at geschildert.

 

Joachim Lothar Gartner stellt sich und sein Amt vor

Joachim Lothar Gartner wurde 1945 im nordböhmischen Steinschönau geboren. Für ihn ist sein Geburtsjahr nicht nur von historischer, sondern vor allem von weit reichender symbolischer Bedeutung, da zu diesem Zeitpunkt „alle Uhrzeiger auf Null“ gestellt worden sind. Gartner sieht sich in eine Zeit hinein geboren, die durch ungeheuren Optimismus getragen war, wodurch sich viele Visionen leichter realisieren ließen, als dies oft heute der Fall ist. Auf diese Atmosphäre des Aufbruchs führt Gartner eine prägende Wirkung auf seine Persönlichkeit zurück, nämlich die Eigenschaft unbeirrbar seinen Weg zu gehen um die mitunter schwer erreichbaren Ziele mit großer Ausdauer und Konzentration zu realisieren.

Nach dem Studium des Textildesigns in Wien verbrachte er 25 Jahre in Deutschland, erhielt dort zahlreiche Kunstförderpreise, konnte seine Stellung somit auch in der Öffentlichkeit festigen und kehrte 1989 als erfolgreicher und anerkannter Künstler nach Österreich zurück. Wieder fällt ein Wendepunkt in seinem Leben in ein ausschlaggebendes Jahr für Europa, als die Ostmauern fallen und die Grenzen sich öffnen. Schnell fasst Gartner im Künstlerhaus Fuß, wird 1990 Mitglied der Vereinigung, ein Jahr später des Vorstands, 2005 Ehrenmitglied und schließlich 2006 zum Präsident gewählt. – Und doch, so betont Gartner, war und ist, auch während dieser Laufbahn, in seinem Leben seine künstlerische Tätigkeit immer von größter und elementarer Bedeutung.

Als Präsident der Gesellschaft der bildenden Künstler Österreichs hat Gartner nicht nur die in den Statuten festgelegte Aufgabe der Repräsentation des Hauses zu erfüllen, sondern auch den Kontakt zu den knapp 500 Künstlermitgliedern zu pflegen und sich ihren individuellen Bedürfnissen und Ansprüchen zu widmen. Es fällt nicht immer leicht, dieser Verpflichtung nachzukommen, da von der Öffentlichkeit oft andere Erwartungen an das Haus gestellt werden. Struktur und Selbstverständnis der Vereinigung sind in der Allgemeinheit wenig verankert und werden von Gartner im Folgenden zusammenfassend vorgestellt:

 

Die Gesellschaft der bildenden Künstler Österreichs

Ihre Struktur und ihre Mitglieder

1861 als ein privater, unabhängiger Verein gegründet, nimmt die Institution in der Umgebung von Städtischen- oder Bundesmuseen eine Sonderstellung ein. Sie unterscheidet sich vor allem darin, dass sie sich als Plattform für Kunstinteressierte und Kunstschaffende versteht, als Ort der Kommunikation, des Austausches und Diskurses. Basis sind die Künstler und ihr Werk, ihre Tätigkeit, eben die unmittelbare Nähe zur aktiven Quelle der Kunst. Gartner verweist auf die Vielzahl und Vielfalt an Mitgliedern, die das kreative und spezielle Potential darstellen. Nicht primär das, was „bereits auf der großen Bühne des Kunstmarkts“ zu sehen ist, sondern das „viel lebendigere Kunstgeschehen, was wirklich hinter den Kulissen, was in den Ateliers, unmittelbar an der Basis im Augenblick passiert, das absolut Lebendige, das können wir hier präsentieren. Das ist die Stärke, die das Künstlerhaus von anderen Häusern abhebt und unterscheidet.“

Der Verein gliedert sich in fünf Sektionen: Die größte stellen die Maler und Graphiker dar, die weiteren Abteilungen bilden die Bildhauerei, die Architektur, sowie angewandten Künste, welche auch Design und Fotografie umfassen und schließlich sind als fünfte Sektion die Bereiche von Film und Audiovisionskunst vertreten. Diese aktiven, oder so genannten ordentlichen, Mitglieder beschränken sich auf österreichische Künstler, doch kann Gartner einen weiten Bogen von internationalen Künstlern aus aller Welt, wie den USA, Spanien oder Russland, zu den korrespondierenden Mitgliedern zählen. Damit ist auch eine offene Haltung des Vereins gewährleistet, die neben der Interdisziplinarität und dem Zusammenwirken der einzelnen Sektionen für Gartner von großer Bedeutung ist.

Die Antwort auf die Frage, nach welchen Kriterien die Künstler als Mitglieder aufgenommen würden, ist für Gartner „genauso schwierig eindeutig zu formulieren wie der Begriff der Kunst selbst.“ Einen Punkte-Katalog dazu kann es nicht geben. „Sicher ist, dass eine abgeschlossene Ausbildung auf einer Kunstakademie oder Kunstuniversität noch kein Kriterium für die Aufnahme darstellt, und das ist ganz dezidiert so!“ Denn die Gesellschaft versteht sich eben nicht als eine Berufsvereinigung oder Vertretung des berufsständischen Interesses, sondern als eine eigenständige unabhängige Künstlervereinigung. Die einzelnen Bewerber werden zunächst von einer Kommission vorselektiert, die sich aus je zwei Vertretern aller fünf Sektionen zusammensetzt. Über die endgültige Aufnahme, oder auch Ablehnung, beschließt dann der Vorstand.

 

Ausstellungstätigkeit des Künstlerhauses

Ähnlich geschieht die Auswahl der Ausstellungen. Angebote und Anfragen werden letztendlich am Tisch des Vorstandes entschieden. Die Schwerpunkte liegen auf interdisziplinären Ausstellungen zu speziellen Themen, Architektur, internationalen Kooperationen, aber auch auf der Präsentation einzelner Künstlerpersönlichkeiten, die ein spannendes und kunstgeschichtlich bedeutendes Werk vorzuweisen haben und manchmal in der Öffentlichkeit noch nicht entsprechend wahrgenommen und gewürdigt worden sind. Gartner charakterisiert das Künstlerhaus als „mit Sicherheit kein museales Haus, das zum fünfzehnten Mal Picasso & Co bringt. Wir wollen vor allem ein spannendes und lebendiges Programm, wo es auch für den Betrachter immer wieder etwas zu entdecken gibt.“ Ziel ist: „Neue Facetten der gegenwärtigen Kunstströmungen deutlich zu machen.“

Für ein weit gefächertes Ausstellungsprogramm stehen dem Künstlerhaus mehrere große Flächen zur Verfügung. Im Haupthaus bietet das Erdgeschoss 1.200 Quadratmeter für große Formate und schwere Objekte. Im Obergeschoss können auf 800 Quadratmetern ebenfalls umfangreiche Präsentationen veranstaltet werden. Für intimere Einzelausstellungen eignet sich besonders die Hausgalerie. Am Abgang zur U-Bahn-Passage ist die Passagegalerie jungen, experimentellen Positionen vorbehalten. Die Schaustellungen hier werden oft in Kooperationen, zuweilen auch international, mit Kunsthochschulen und Kunstuniversitäten gestaltet, für Gartner ein besonders spannender und reizvoller Innovationsbereich. Außerdem besteht im Foyer des Künstlerhauskinos eine Videogalerie, in der mit künstlerisch hochwertigen, experimentellen Animationsfilmen gezielt das Publikum erreicht werden kann, das besonderes Interesse an Videokunst und dem bewegten Bild an sich hat.

Das interdisziplinäre vielfältige Ausstellungsprogramm wird von einem umfangreichen Veranstaltungsangebot begleitet.

 

Der Präsident und sein Team im Künstlerhaus

Joachim Lothar Gartner und Peter Bogner führen gemeinsam das Künstlerhaus nun seit drei Jahren und können auf einer erfolgreichen Amtszeit weitere Vorhaben aufbauen. Das Geheimnis des guten Gelingens bei der beträchtlichen Aufgabenstellung sieht Gartner nicht nur in dem positiven Zusammenspiel von Präsident und Direktor an der Spitze, sondern auch in der Qualität des relativ kleinen tatkräftigen Teams des ganzen Hauses. Sämtliche Mitarbeiter zeichnet außer der besonderen Vorliebe zur bildenden Kunst durchwegs ein großer Idealismus aus, ein nahezu unermüdlicher Arbeitsgeist, der nicht nachlässt, bevor die zu bewältigende Aufgabe erfüllt ist. Die Zusammenarbeit funktioniert aber auch deshalb so gut, da sowohl er selbst, als auch Bogner, stets bemüht sind, auf jeden einzelnen Mitwirkenden persönlich einzugehen, sich mit den individuellen Persönlichkeiten, ihren Anliegen, Bedürfnissen und Ansichten auseinander zusetzen; „als Grundvoraussetzung für ein erfolgreiches Team ist der menschliche Faktor ausschlaggebend.“ so Gartner.

Mit der soeben eröffneten, bemerkenswerten, großen Ausstellung zu Alfred Hrdlickas 80. Geburtstag, „Der Titan und die Bühne des Lebens“, wird das gelungene Teamwork auch tatsächlich und anschaulich zum Manifest.

 Aktuelle Ausstellungen im Künstlerhaus

Interview: Ralf Ehrgott

Text: Mag. Margareta Sandhofer

 

 

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