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Wien 1900 bis 2010: neue Sammlung im Leopold Museum

Wien 1900 ist bis ins Jahr 2010 die aktuelle Präsentation der Sammlung des Leopold Museums mit Werken der bedeutendsten Maler, Architekten und des Kunstgewerbes dieser Epoche. Die umfassende Schau setzt ihren Schwerpunkt auf den geistesgeschichtlichen Hintergrund, der Basis und Konnex der Kunstproduktion Wiens war.

Wien 1900

Wien 1900 ist die aktuelle Präsentation der Sammlung des Leopold Museums mit Werken der bedeutendsten Maler, Architekten und des Kunstgewerbes dieser Epoche.

Die umfassende Schau setzt ihren Schwerpunkt auf den geistesgeschichtlichen Hintergrund, der Basis und Konnex der Kunstproduktion Wiens war. In Zusammenarbeit haben Dr. Diethard Leopold, Sohn des Sammlers und Direktors des Museums, Prof. Rudolf Leopold, und Mag. Peter Weinhäupl, kaufmännischer Direktor des Leopold Museums die Präsentation für die nächsten zwei Jahre neu konzipiert und in unkonventioneller und überraschender Weise umgesetzt.

Die Ausstellung erstreckt sich über die gesamte oberste Ebene des Museums, ist bei Einhaltung einer lockeren Chronologie thematisch geordnet. Die Architektur der Räume ist neu genutzt, die Lichtschächte sind dabei aktiv verwendet.

Ausgangspunkt der Ausstellung ist die Künstlergeneration vor den Secessionisten. Historismus und des österreichischen Stimmungsimpressionismus werden etwa mit Gemälden von Hans Makart, Emil Jakob Schindler, Theodor von Hörmann, Tina Blau oder dem Secessionsgründer Carl Moll vorgestellt. In Kontrast steht dazu die schlichte und reduzierte Formensprache des im Zentrum des Saales aufgestellten Tisches von Josef Hoffmann, dem Begründer der Wiener Werkstätte oder der groß präsentierten Werkzeichnung für ein figurales Fenster von Koloman Moser. Dessen vielfältiges Talent wird im folgenden Raum anhand von Plakaten, Möbeln und Gemälden näher dargestellt, wobei ein eigener Abschnitt der bedeutenden Kunstzeitschrift Ver Sacrum (erschienen 1898 bis 1903) gewidmet ist.

Gustav Klimt, zentrale Künstlerpersönlichkeit des Wiener Jugendstils, wird mit dem berühmten Gemälde Tod und Leben, aber auch mit der großformatigen Reproduktion der 1945 verbrannten Fakultätsbilder für die Wiener Universität präsentiert. Diese Gemälde der Philosophie, Jurisprudenz und Medizin spiegeln das eingeengte Kunstverständnis der Gesellschaft in Wien um 1900 wider, denn an der sinnbildlichen Darstellung der einzelnen Disziplinen hatte sich eine heftige Kunstdiskussion in der Öffentlichkeit entfacht, sodass Klimt diese Bilder wieder zurückkaufte und jeden weiteren staatlichen Auftrag ablehnte.

In großem Rahmen wird auf die Bedeutung der Psychoanalyse Sgmund Freuds eingegangen und Themen wie Traum, Unterbewusstes und Sexualität mit Werken von Egon Schiele, Gustav Klimt oder Koloman Moser exemplifiziert.

Mit Plänen, Photos und einem Kurzfilm wird Wien 1900 als urbanes Phänomen behandelt, ein großes Panoramafenster mit Blick Richtung erster Bezirk soll einen aktuellen Konnex herstellen.

Die Vielfalt der Produktion der Wiener Werkstätte wird an der reichhaltigen Aufstellungen von Mobiliar, Gemälden und dekorativen oder Gebrauchsgegenständen, wie Vasen, Gläsern oder Schmuck vorgeführt.

Die wichtige und komplexe Persönlichkeit des Malers Richard Gerstl, das hohe energetische Potential seiner Kunst, aber auch das komplizierte Verhältnis zum Komponisten Arnold Schönberg und dessen Frau kommt spannungsgeladen in einem eigenen Saal zum Ausdruck.

Im vorletzten Raum werden expressionistische Strömungen in der Malerei mit Werken von Oskar Kokoschka und Egon Schiele gezeigt, bevor mit der Thematisierung des ersten Weltkriegs als dem Ende einer Ära die Ausstellung geschlossen wird.

Mit Wien 1900 wird von den Kuratoren Diethard Leopold und Peter Weinhäupl ein bedeutender Teil der Sammlung Leopold in völlig neuer Zusammenstellung präsentiert. Deutlich spürbar ist der andersartige Zugang von Diethard Leopold zu jenen Werken, mit welchen er im Haus seines Vaters in unmittelbarer Umgebung aufgewachsen war. Aus der Sicht des Germanisten und als Psychologe und Psychotherapeut tätigen Arztes werden neuartige Blickwinkel auf die einzelnen Objekte der Sammlung gezeigt, sodass sich auch für sogenannte Kenner der Wiener Kunst um 1900 neue Perspektiven und Zusammenhänge in der vertrauten Kunstproduktion erschließen.

Der Besucher wird mit vielen an den Wänden angebrachten Texten ausführlich über die historischen Verhältnisse politisch wie soziologisch und geistesgeschichtlich in Wien um 1900 informiert. In jedem Raum gibt es zusätzlich ein Schauobjekt, das zwar formal oder inhaltlich mit den übrigen präsentierten Stücken in Zusammenhang steht, aber aus einer anderen Epoche oder aus dem aktuellen Kunstgeschehen stammt und so zum Hinschauen und Nachsinnen, bzw. Neuüberdenken des schon Gekannten, anregen soll.

Die gesamte Ausstellung ist multimedial aufbereitet, mit literarischen, musikalischen und filmischen Aufnahmen unterstützt um so die Idee des Gesamtkunstwerks, die in Wien um 1900 wieder neu belebt und bewusst proklamiert worden war, auch dem heutigen Museumsbesucher näher zu bringen und erfahrbar zu machen. Zitate aus der zeitgenössischen Literatur begleiten die Schau leitmotivisch von Beginn an, Beispiele der Musik dieser Epoche können an eigens eingerichteten Sitzinseln mittels Kopfhörer ungestört gehört werden, sodass Eindrücke von visuellen Werken und auditiven zugleich aufgenommen werden können.

 Der Besucher wird verleitet in Kontemplation in die abgehobene Sphäre der Kunst um 1900 einzutauchen, neue sinnliche Erfahrungen zu durchleben und sich doch auch geistig zu vielfältigen Gedankenschlüssen anregen zu lassen.

Die neuartige Präsentation der Sammlung Leopold in der Ausstellung Wien 1900 bietet dem Tourismus eine fundierte Information und einfallsreiche Inszenierung der Stadt und ihrer Kunst dieser Zeit, zugleich aber auch dem erfahrenen Kunstkritiker oder Kunstgenießer eine spannendes und bemerkenswertes Erlebnis.

Autor: Margareta Sandhofer

Ausstellungstitel: Wien 1900. Sammlung Leopold

Ausstellungsort: Leopold Museum. 1070 Wien, Museumsplatz 1, Museumsquartier

Ausstellungsdauer: voraussichtlich bis 2010

Öffnungszeiten: täglich 10 – 18 Uhr, Donnerstag 10 – 21 Uhr

Eintrittspreise: Erwachsene €10.-, SchülerInnen, StudentInnen €6,50, SeniorInnen €7,50

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