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Philip Guston

Der amerikanische Künstler Philip Guston wird bis 25.11.2007 mit Arbeiten auf Papier in der Albertina präsentiert Der Schwerpunkt liegt auf seinem 92 Exponate umfassenden Spätwerk.

Albertina - Philip Guston, Full Brush, 1966, Tusche auf Papier
Albertina - Philip Guston, Full Brush, 1966, Tusche auf Papier

Albertina in Wien zeigt Arbeiten auf Papier von Philip Guston

 

In der Albertina ist bis 25. November erstmals eine Ausstellung dem zeichnerischen Werk des amerikanischen Künstlers Philip Guston gewidmet. Der Schwerpunkt liegt auf seinem Spätwerk, 92 Exponate umfassend, beginnend mit Blättern aus den späten 40er Jahren, und schließt 1980, mit seinem Todesjahr. Der 1913 in Montreal geborene Künstler besucht mit 14 Jahren die Manual Arts High School in Los Angeles, wo er auch Jackson Pollock kennenlernt, mit dem ihn eine tiefe Freundschaft verbinden sollte. Gemeinsam müssen sie die Schule verlassen und gemeinsam zählen sie in den 50er und 60er Jahren mit Willem de Kooning zu den bedeutendsten Vertretern des abstrakten Expressionismus, der ersten autochtonen amerikanischen Kunstrichtung. Als sich Philip Guston in den späten 60er Jahren gänzlich von der minimalistischen Malerei ab und einer neuen, privaten Ikonographie verpflichteten Gegenständlichkeit zuwendet, reagiert die Öffentlichkeit mit harter Kritik. Das reiche und vielschichtige Schaffen des Künstlers gilt für sie als irritierendes Moment, da es sich deren Wunsch nach kunsthistorischer Klassifizierung entzieht. Philip Guston widersetzte sich stets ein Stilkünstler zu sein, der Begriff der Freiheit der künstlerischen Ausdruckskraft, ungebunden durch stilistische Gesetzmäßigkeiten durchdringt sein Werk lebenslang.

 

1966 malt er für zwei Jahre kein einziges Bild und sucht ganz allein im Medium der Zeichnung nach neuen Wegen. In Phasen der künstlerischen Krisen hatte er sich stets auf dieses ursprünglichste Ausdrucksmittel zurückgezogen, um zu reflektieren und sich neu zu orientieren. Nun setzt er mit den prinzipiellen Grundbestandteilen der Zeichnung einen radikalen Neubeginn an, beschränkt sich dabei auf die rudimentären Wesenszüge, der Linie und ihr Verhältnis zur Fläche des Papiers, dessen Freiraum und dessen Grenzen. Der Drang „mit den einfachsten Mitteln neu anfangen zu müssen, um reinen Tisch zu machen“ führt zu einer extrem reduzierten Formensprache, Blättern, die mit wenigen Strichen akzentuiert, dafür aber in ihrer Energetik klar und spannungsvoll definiert sind. Von der minimalistischen Ästhetik des abstrakten Expressionismus setzten sie sich dennoch durch ihren organischen Charakter und emotionalen Intensität deutlich ab. Gleichzeitig entwickelt Philip Guston einen narrativen Stil, private wie politische Inhalte werden zu graphischen Erzählungen verdichtet, mitunter ist ihnen eine komische Seite verliehen. Die neu gefundene Bildsprache ist oft hart und cartoonartig, die Ikonographie weist häufig auf biographische Erlebnisse. So erinnert die Darstellung von Schuhen an das zuerst erblickte, als der Künstler als Zehnjähriger seinen sich selbst erhängten Vater aufgefunden hatte, das Aufzeigen von Abfällen an dessen Tätigkeit als Müllmann. Der männliche kahle Kopf, oft mit Zigarette, ist als Selbstporträt, der weibliche Kopf mit dem pagenartigen Haarschnitt als Bildnis seiner Frau zu deuten. Gegenstände aus seiner alltäglichen Umwelt werden in einer Schlichtheit präsentiert, deren fassliche Präsenz und Unmittelbarkeit den Betrachter besticht.
Doch auch in den figurativen Darstellung bleibt stets das Spannungsverhältnis zwischen Abstraktion und Konkretion spürbar. In der radikale Abstraktion hat Philip Guston in der Linie eine Expressivität und Energie gewonnen, mit welcher er in seinem Spätwerk der Zeichnung ein Gleichgewicht zwischen expressiver Struktur und Bedeutung zu verleihen vermag. In manchen Arbeiten werden Objekte und abstrakte Formen nebeneinander gestellt und treten in eine narrative, wie auch ästhetische Beziehung zueinander. Gegenstände sind wie Linie und Farbe gleichermaßen Grundelemente von Philip Gustons Kunst – wie er selbst es ausdrückte: „Die abstrakten Maler – was sagen sie uns denn? Dass dies das Absolute sei? Nun schön, dieses Bierglas ist es ebenso.“

Abb.1: Full Brush, 1966, Tusche auf Papier, Collection of the Modern art Museum of Forth Worth, Gift of Musa and Tom Mayer
Copyright: The Estate of Philip Guston

Abb.2: Untitled (Cherries), 1980, Tusche und Acryl auf Karton, Privatsammlung
Copyright: The Estate of Philip Guston

Autor: Margareta Sandhofer
Foto:   Albertina

Quelle: www.albertina.at

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