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Mythos der Antike

Im Kunsthistorischen Museum verabschiedet sich Wilfried Seipel von seinem Amt als Generaldirektor mit der von ihm selbst kuratierten Sonderausstellung Vom Mythos der Antike. Unter diesem Titel hat er bis 1. März 2009 jene Kunstwerke versammelt, die seinem ganz persönlichen Geschmack entsprechend das Faszinosum des Themas in besonders qualitativer Form darstellen.

Mythos der Antike

Im Kunsthistorischen Museum verabschiedet sich Wilfried Seipel von seinem Amt als Generaldirektor mit der von ihm selbst kuratierten Sonderausstellung Vom Mythos der Antike. Unter diesem Titel hat er bis 1. März 2009 jene Kunstwerke versammelt, die seinem ganz persönlichen Geschmack entsprechend das Faszinosum des Themas in besonders qualitativer Form darstellen. Es sollen aber auch die guten Beziehung des Kunsthistorischen Museums zu anderen großen Sammlung Europas widergespiegelt werden, denn allerorts kam man den Wünschen des Direktors nach ausgesuchten Leihobjekten sehr wohlwollend entgegen.

Je ein entsprechendes Meisterwerk aus den bedeutendsten Partner-Institutionen des Kunsthistorischen Museums sind mit den Beständen des Hauses in einen Dialog gebracht, sodass als Resultat eine individuelle und exquisite Ausstellung von vorwiegend Gemälden und Bronzen aus dem Zeitraum von Antike bis ins 18. Jahrhundert entstanden ist.

Beginnend im Mittelalter, aber vor allem in Renaissance und Barock setzte man sich wieder aufs Neue mit dem reichhaltigen Schatz der antiken griechisch – römischen Mythen auseinander. Von den antiken literarischen Quellen boten neben Vergils Bucolica vor allem die Metamorphosen des Ovid unerschöpfliche Möglichkeiten und Anregungen zu vielfältigster künstlerischer Gestaltung.

In Ovids Verwandlungsgeschichten wird eine Götterwelt geschildert, in welcher aus sagenhafter Sphäre die göttlichen Akteure das irdische Geschehen lenken, dabei aber doch selbst nach menschlichen Verhaltensregeln und Gesetzen handeln und von menschlichen Schwächen und Stärken zeugen, sodass ihre Charaktere archetypische Muster abzeichnen, die – unterstützt durch ihr zeitloses göttliches Wesen – Allgemeingültigkeit beanspruchen können. Dieses göttliche Walten bewirkt eine solch reiche Fülle an phantastischen Dramen und irrealen Vorkommnissen, welche wiederum voller treffender Metaphern einen weiten gleichnishaften Gehalt hervor bringen, die zu bildlicher Umsetzung geradezu herausfordern.

Seit seiner Entstehung hat der mythologische Themenkreis seine Faszination nicht eingebüßt und regt bis heute bildenden Künstler zu Werken mit unzähligen Variationen und Interpretationen an. Seine ganz persönlichen Vorlieben in dieser unermesslichen Vielfalt hat Wilfried Seipel nun in der Auswahl der Schauobjekte zum Ausdruck gebracht.

In der aktuellen Ausstellung werden zwar auch antike Stücke, wie eine attische Amphore aus dem 6. Jahrhundert vor Christus, wunderbar gearbeitete römische Kameen und ein römischer Adlergreif aus Bronze aus dem 1. Jahrhundert oder ein römischer Sarkophag aus dem 2. Jahrhundert nach Christus gezeigt, doch liegt der Schwerpunkt der Schau eindeutig auf Bildwerken des 16. bis 18. Jahrhunderts.

Rund um Kleinplastiken aus italienischer Renaissance und Manierismus, darunter die wieder aufgestellte Saliera von Benvenuto Cellini, sind Gemälde mit Darstellungen von Göttern oder Helden zu sehen. Übersichtlich gehängt und gekonnt beleuchtet, werden die mythologischen Szenen durch akzentuiert gesetzte Lichtstrahlen aus dem Halbdunkel des Raumes herausgehoben ohne die harmonische Atmosphäre zu unterbrechen, eine geschmackvolle Präsentation, in welcher der sinnliche Genuss des gesamten Kunstwerks vorrangig ist.

Die in den ausgestellten Skulpturen und Gemälden zur Anschauung gebrachten Themen sind menschliche Leidenschaften, gleichwohl die darin verhafteten Personen göttlicher oder heroischer Herkunft sind.

Ein überaus beliebtes Motiv war der Held Herkules, der wegen seiner großen Kräfte und vorbildlicher Tugend oftmals in Allegorien als Sinnbild oder zur Anspielung auf eine weltliche Persönlichkeit Verwendung fand. Die manieristische Bronzestatuette von Giambologna zeigt ihn im Kampf mit Antäus, den er trotz dessen übermenschlichen Stärke auch mit Klugheit überwindet und besiegt.

Ein anderes gebräuchliches Sujet war der Kriegsgott Mars, von den Griechen Aares genannt. Üblicherweise als Symbol für Erfolg im Kampf als jugendlicher, muskulöser und schöner Mann zitiert, wird seine Gestalt von Diego Velazquez alternd und vor sich hin sinnend dargestellt. Dass Mars, auch heimlicher Geliebter der Liebesgöttin Venus, hier in typischer Philosophenhaltung wohl auf deren Bettkante sitzt, spitzt die ohnehin schon kritisierende Aussage des Gemäldes über die Vergänglichkeit der irdischen Werte auf ironische Weise zu, der etwas zu groß geratene und leicht verrutschte Helm verleiht dem Ganzen noch eine komische Note.

Das Ideal der schönen Frau wird in mehreren Göttinnen verkörpert. Außer Venus (bei den Griechen Aphrodite), ist auch die jungfräuliche Göttin der Weisheit und Beschützerin der Künste und Wissenschaften, Minerva (griechisch Pallas Athene), von außerordentlicher Schönheit. Bartholomäus Spranger, um 1600 Hofmaler von Rudolf II., lässt sie in siegreicher Pose über die Unwissenheit triumphieren. Die knappe Bekleidung ihrer Rüstung entblößt die äußerlichen Reize ihres geschmeidigen Körpers. Die erotisierende Wirkung ist durchaus intendiert.

Mit dem Bildnis der Minerva als begehrenswerte junge Frau schuf Spranger ein kunstvolles Exempel für das vielfache Einsetzen mythologischer Themen zur Darstellung von andersartigen Inhalten.

Der antike Stoff bot grenzenlose Gelegenheit zu phantasievoller Interpretation und diente vortrefflich als Vorwand um einer spezifischen Lebenshaltung in bildlicher Gestaltung Ausdruck zu geben, bisweilen in Form von mit Pathos vorgetragener Leidenschaft und reiner Sinnlichkeit, wie sie Johann Heinrich Füssli unter dem Thema von Amor und Psyche offenbart.

Der reiche metaphorische Bilderschatz der historischen Geschichten inspirierte über Jahrhunderte die künstlerische Kreativität und Phantasie. Von diesem reichhaltigen Repertoire angeregt schufen Maler und Bildhauer vortreffliche und berührende Kunstwerke mit vielfach differenzierten Facetten, sei es auch politischer, belehrender, witziger, ironischer oder erotischer Aussagekraft. Die Ausstellung Vom Mythos der Antike zeigt mit ausgewählten Beispielen wie sehr auch heute die antiken Erzählungen, ihre künstlerische Umsetzung und individuelle Gestaltung, mit stimulierender Wirkung den Betrachter ansprechen und bewegen.

Autor: Mag. Margareta Sandhofer

Vom Mythos der Antike

Sonderausstellung im Kunsthistorischen Museum

4.12.2008 – 1.03.2009

1010 Wien, Maria Theresien-Platz

 

Öffnungszeiten:

Dienstag – Sonntag 10 – 18 Uhr, Donnerstag 10 – 21 Uhr

24.12.2008: 10 – 13 Uhr

 

Eintrittspreise:

Erwachsene: € 10,-

Ermäßigt: € 7,50

Schüler: € 3,50

Familienkarte (2 Erwachsene mit bis zu 3 Kindern): € 20,-

Wien-Karte: € 9,-

Führungsbeitrag: € 3,-

Audio Guide: € 3,-

 

Publikationen zur Ausstellung

Zur Ausstellung erscheint ein Katalog, erhältlich um € 29,90 (Softcover) und um € 39,90 (Hardcover) im Shop des KHM, oder unter www.khm.at

 

Führungen zur Sonderausstellung

Jeden Donnerstag, Samstag und Sonntag um 15.30 Uhr

Buchung von Sonderführungen:

Tel: +43 1 525 24 – 5201 Fax: +43 1 525 24 5299 Mail: info.mup@khm.at

 

 

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