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Musik

Schneider-Simssen

Prof. Günther Schneider-Siemssen, der mit seinen einzigartigen Bühnenbildern eine neue Ära der Bühnenbildtechnik schuf und im Verbund mit Herbert von Karajan die Oper revolutionierte, feiert 2006 seinen 80. Geburtstag.

Schneider - Simmsen feiert den 80. Geburtstag

2006 ist ein Jahr der Jubilare. Nicht irgendwelcher, sondern von Größen wie W.A. Mozart oder Sigmund Freud. Doch da gibt es noch eine Reihe weiterer prominenter Geburtstage, einer dieser wurde am Freitag, den 5. Mai im Gustav Mahler-Saal der Wiener Staatsoper standesgemäß gefeiert. Prof. Günther Schneider-Siemssen, der mit seinen einzigartigen Bühnenbildern eine neue Ära der Bühnenbildtechnik schuf und im Verbund mit Herbert von Karajan die Oper revolutionierte, feiert 2006 seinen 80. Geburtstag. Dr. Georg Springer, Geschäftsführer der Bundestheater-Holding, hielt die Laudatio.

„Wenn bei uns der Vorhang aufgeht, hören Sie nicht nur die Musik, sondern Sie sehen sie auch“, niemand geringerer als Herbert von Karajan pflegte die künstlerische Partnerschaft zwischen ihm und Günther Schneider-Siemssen mit diesen Worten zu markieren. Tatsächlich ist es maßgeblich der Arbeit Schneider-Siemssens zu verdanken, dass Theater und Oper eine neue Lebendigkeit erlebten. Schon früh stand für den späteren Allround-Künstler fest, einen Beruf am Theater zu ergreifen. Als 14-Jähriger noch war das Dirigentenpult sein Ziel, doch ein Satz sollte seine Pläne in eine neue Richtung lenken: "Wir brauchen Bühnenbildner, die die Musik visuell interpretieren können!“ Mit diesem Satz riet der große Dirigent Clemens Krauss den Heranwachsenden zum Bühnenbild und legte damit den Grundstein für jenen Bühnenbildner, der es verstand „die Musik sichtbar zu machen“.

Günther Schneider-Siemssen absolvierte die Akademie für angewandte Kunst bei Ludwig Sievert und die Akademie für bildende Kunst bei Erich Pretorius in München und avancierte nach fundierter Ausbildung zu „Deutschlands jüngstem Allround-Impresario“ bei verschiedenen Kleinbühnen in München-Schwabing, bis wieder ein Satz ausschlaggebend zu einer maßgeblichen Trendwende und damit die Basis für seine spezielle Fertigkeit wurde.

"Wozu brauchen Sie Leinwand?“, fragte 1951 der Intendant des Salzburger Landestheaters den jungen, aufstrebenden Bühnenbildner Günther Schneider-Siemssen. "Ich habe Sie angestellt, weil Sie Fantasie haben. Fantasie! Wer Fantasie hat, braucht keine Leinwand!“ Geldmangel der Nachkriegsjahre verhinderte die Anschaffung von Leinwänden und brachte Schneider-Siemssen gleichzeitig auf die Idee zu Projektionen: er malte seine Bilder auf Glasscheiben und nutzte die enormen Möglichkeiten des Lichts. Sein Ideenreichtum machte ihn zum Ausstattungschef am Salzburger Landestheater und später zum ständigen Mitarbeiter des Salzburger Marionettentheaters, das für ihn nicht zuletzt immer wieder ein Labor zum Erproben neuer Möglichkeiten darstellte.

Ab Mitte der 50er Jahre war der Höhenflug nicht mehr zu stoppen, seit seiner ersten Zusammenarbeit mit Herbert von Karajan im Jahr 1960 im Zuge der Inszenierung zu Debussys "Pelléas et Melisande“ – die Aufführung wurde zu einem Welterfolg – war er ständiger Berater für Bühnenbild-Fragen und Begleiter des Maestros. Die größten Opernhäuser quer über den Globus waren seine Wirkungsstätten. Bremen, Wien, New York, Stockholm, Sofia, Buenos Aires, Kapstadt, u.v.m.

Schneider-Siemssens Werk ist eng verbunden mit bekannten Persönlichkeiten und Regisseuren des modernen Welttheaters, von Herbert von Karajan, August Everding, Götz Friedrich und Otto Schenk, über Peter Ustinov bis hin zu James Levine.

Günther Schneider-Siemssen hat als einziger Bühnenbildner Richard Wagners "Ring des Nibelungen“ nicht weniger als sieben Mal inszeniert, was ihm den Nickname "Der Herr der Ringe“ einbrachte.

Schneider-Siemssen entwickelte einen symbolischen Stil, mittels handgemalter Projektionen und raffinierten Spezialeffekten. Beides führte zu einer wesentlichen Veränderung im Bereich Bühnenbild. „Die Bühne als kosmischer Raum“ ist seine Bühnenphilosophie, die sich in seinen Werken widerspiegelt.

1983 gelang ihm erstmals als Erfinder der Bühnenholographie im Salzburger Marionettentheater die Durchführung dreidimensionaler Lichtbilder auf der Bühne. „Das Malen mit Licht“ ist sein Credo. Unter diesem Motto leitete er von 1967 – 1994 die Bühnenbild-Klasse an der internationalen Sommerakademie in Salzburg.

Er nutzte neue Forschungsmöglichkeiten und entwickelte deutlich die Beleuchtungstechnik der Bühne mit. Neben seiner Tätigkeit als Bühnenbildner führte er auch selbst Regie und inszenierte „Lichtfeste“, wo Außenfassaden von Gebäuden mittels Großbildprojektionen phantasiereich verzaubert wurden. Mit diesen Mitteln gestaltete er auch die Opernbälle 1994 und 1995.

Günther Schneider-Siemssen zählt damit noch heute zu den bedeutendsten Bühnenbildnern des 20. Jahrhunderts. Im Sommer feiert er seinen 80. Geburtstag. Stadt-Wien und alle Opernfreunde gratulieren herzlichst.

 

Text + Bilder: Verena Podiwinsky, bon.mot

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