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Marie Schmidt
Musik Text: Marie Schmidt

Im Musikverein ertönen Kläge die unter die Haut gehen - Wie kommt das?

Der Wiener Musikverein beherbergt einen der besten Konzertsäle der Welt, der berühmte Große Musikvereinssaal, bekannt unter dem Namen Goldener Saal. Was macht nun die Akustik eines Konzertsaals aus? Es gehört zur hohen Kunst der Konstruktion, einen Konzertsaal mit perfektem Klangerlebnis zu planen. Lesen Sie, welche baulichen Besonderheiten der Architekt Theophil Hansen im Musikverein in Wien eingeplant hat.

Sitzbänke und Bühne im Goldenen Saal
© Clemens Pfeiffer | Die optimale Architektur des goldene Saals verleiht ihm die perfekte Akkustik.

Der formvollendete Konzertsaal und die brilliante Akustik im Musikverein

Die "Emporbringung der Musik in allen ihren Zweigen" lautete das Ziel der Gesellschaft der Musikfreunde in Wien, als der Musikverein gegründet wurde. Viel Gold und Glanz lassen den Großen Konzertsaal des Wiener Musikvereins prachtvoll und edel wirken. Doch neben der Optik gibt es einige unsichtbare Faktoren, die ihn zu einem akustischen Meisterwerk machen.

Was macht den guten Klang aus?

In vielen der weltweit existierenden Konzertsälen ist der Klang nicht optimal, anders aber im Wiener Musikverein. Woran liegt das?

Ein Konzerterlebnis ist immer subjektiv geprägt: Während der Eine es herrlich fand, ist der Andere enttäuscht. Daran lässt sich leider nichts ändern, dennoch gibt es weitere objektive Kriterien, die zum Erfolg eines großen musikalischen Abends beitragen können. Die Qualität der Akustik ist dabei wichtig für das Publikum. Sitze, Decken, Wände und sogar Fußböden spielen dabei eine größere Rolle, als man erwarten würde.
Beispielsweise ist es für die Klangverschmelzung vorteilhaft, vor dem Orchester zu sitzen und nicht etwa dahinter oder daneben, wie es für manche Plätze im noch unfertigen Konzertsaal der Elbphilharmonie in Hamburg der Fall ist. Schon jetzt wird daran gezweifelt, ob aus dem Entwurf jemals ein guter Musiksaal entstehe, da einige den Sound beeinflussende Merkmale nicht berücksichtigt wurden.

Ein langer Nachhall versprüht Lebendigkeit in einem Konzertsaal. Einen Nachhall von 1,5 bis 2 Sekunden empfindet das Publikum als angenehm. Der Schall im Raum sollte gleichmäßig sein. Aus diesem Grund gibt es in vielen Konzerthäusern Sitze, deren Polsterung genau die richtige Menge an Schall absorbiert.

Wie ist der Goldene Saal konstruiert?

  • Der große Musikvereinssaal ist in den für akustische Zwecke besten Proportionen eines Quaders konzipiert (48,80 m lang, 19,10 m breit und 17,75 m hoch) und unter speziellen Aspekten für die Anforderungen eines Konzertsaales perfektioniert.
  • Unter dem Holzboden befindet sich ein Hohlraum, der als Resonanzkörper funktioniert.
  • Die Holzdecke des Raumes ist nicht aufliegend, sondern am Dachstuhl aufgehängt, sodass der Klang im Raum schwingen kann.
  • Durch raumgliedernde Elemente wie Kassettendecke, Gesimse, Balkone und skulpturalen Schmuck erfahren die Schallwellen eine optimale Streuung, sodass es zu dem einmaligen Klangerlebnis im Großen Saal des Musikverein kommt.

Die Schönheit der Architektur und der prächtigen Ausstattung hat zur weiteren Bezeichnung als Goldener Saal geführt, wo die vollendete Ästhetik und festliche Stimmung allein schon den Besucher aus dem Alltag heraus hebt, hinführend zur idealen Sphäre der Musik.

Über 2000 Menschen, auf 1744 Sitz- und 300 Stehplätzen können so die wunderbarsten Klänge in höchster Qualität genießen.

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Griechenland inspirierte den Architekten Theophil Hansen

Nachdem 1857 der Kaiser Franz Joseph I die Erlaubnis zum Abriss der Stadtmauern Wiens erteilte, begann die Zeit der Wiener Ringstraßen. Auch der Musikverein fand hier seinen neuen Standort. In den ehemaligen Örtlichkeiten war mit 700 Plätzen ohnehin nicht mehr genug Raum für den Andrang an Zuhörern. Der Kaiser überließ der Gesellschaft der Musikfreunde in Wien ein Gelände gegenüber der Karlskirche.

Prominenten Architekten, wie Theophil Hansen und August Siccard von Siccardsburg, wurde beauftragt, die Entwürfe für den neuen Musikverein mit gleich zwei Konzertsälen auszuarbeiten.

Hansen hatte jahrelang in Athen studiert und gearbeitet. Diese Stadt inspirierte  ihn stark beim Bau seiner neuen Oeuvre. Die Karyatiden im Großen Musikvereinssaal, die ionischen Säulen und das Tempeldach im Brahms-Saal, Apollo und die Musen als Blickfang am Plafond des Großen Musikvereinssaales und Orpheus auf dem Giebelfeld der Frontfassade sind einige Beispiele für Hansens "griechischen Renaissance-Stil".

Somit wurde ein klassisches Ambiente geschaffen, dass nicht nur akustisch sondern auch alle anderen Sinne  anspricht und die Konzerte im Musikverein bestens zur Geltung bringt.


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