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Jürgen Weber
Kunsthistorisches Museum Text: Jürgen Weber

Joseph Cornell: Das "Fernweh" des Strandgutsammlers

20. 10. 2015 bis 10. 1. 2016: 80 Werke in der ersten großen Personale in Europa seit mehr als 30 Jahren zeigt das Kunsthistorische Museum Wien. Die Ausstellung zeigt Collagen, Filme und seine berühmten und einzigartigen „Boxes“.

Diese Box ist der Wienerin Tilly Losch, Tänzerin der Wiener Hofoper, gewidmet.
© The Joseph and Robert Cornell Memorial Foundation / Bildrecht, Wien, 2015 | Der Künstler als Sammler, Joseph Cornell in einzigartiger Personale am KHM

Ausstellung Joseph Cornell

80 Werke: Gemälde, Collagen und Skulpturen

Wann: 20.10. 2015 - 10.1. 2016

Wo: Kunsthistorisches Museum
Maria-Theresien-Platz
1010 Wien

Die erste Cornell-Personale seit 30 Jahren

Die erste große Personale in Europa seit mehr als 30 Jahren, die das KHM exklusiv zeigt, entstand in Zusammenarbeit mit der Royal Academy in London und zeigt Werke des Künstlers von den dreißiger Jahren bis heute. „Joseph Cornell: Fernweh“ ist nach der Lucian Freud Ausstellung eine weitere große  die Retrospektive eines modernen Meisters im altehrwürdigen Wiener Kunsthistorischen Museum. Da nur sehr wenige Werke Cornells in europäischen Museen zugänglich sind, ist diese Ausstellung eine seltene und einmalige Gelegenheit, selten verliehene Meisterwerke aus bedeutenden öffentlichen und privaten Sammlungen des Künstlers zu sehen. Einige der wichtigsten Leihgaben stammen bezeichnenderweise aus Privatsammlungen anderer Künstler wie etwa Jasper Johns, Marcel Duchamp und Dorothea Tanning.

Der Künstler als Sammler

Cornell war selbst ein „Sammler“, denn zur Herstellung seiner Werke griff
er oft auf Alltagsgegenstände zurück, die er in Antiquariaten, auf Flohmärkten oder in Second Hand Läden gefunden hatte. Aber auch an den Stränden von Long Island/New York machte er reiche Beute, wenn er etwa angeschwemmtes Treibgut wie Murmeln, Muscheln, Vogelnester, Vorhangringe, Teile von Uhren, vergriffene Bücher und jede Menge Ephemera aus Papier wie Briefmarken, Landkarten, Stadtpläne, Drucke, Reiseführer, Schiff- und Eisenbahnfahrpläne für seine Arbeiten verwendete. Sein ganz eigenes „Kuriositätenkabinett“ bildete er of in kunstvoll konstruierten Kästchen (boxes) ab, von denen naturgemäß nur Unikate bestehen.

„Die Bereitschaft, im Interesse seiner eigenen Obsessionen den Exzess zu riskieren, unterscheidet den Künstler vom Unterhalter und lässt so manchen Künstler stellvertretend für uns alle zum Abenteurer werden.“ (John Updike, notiert von Cornell, 1962)

Cornell: Kunstkammer des KHM, im Dialog

Zudem können BesucherInnen im KHM einem speziellen Parcours durch die Kunstkammer folgen, der sie diese mit den Augen Cornells erfahren lässt. Pro Saal wird ein historisches Objekt aus der Sammlung des Museums gezeigt, das in Cornells Arbeit einen besonderen Response erfährt. Das Werk Joseph Cornells tritt im Kunsthistorischen Museum in einen faszinierenden Dialog mit den verschiedensten historischen Objekten der Kunstkammer, etwa mit Gemälden der Renaissance, Gegenstände des Münzkabinetts oder mit altägyptischen Grabbeigaben. Am intensivsten ist der Dialog mit der Kunstkammer des Museums und deren Beständen an mirabilia, naturalia, artificialia und scientifica.

Cornells Arbeiten beeinflussten nachfolgende Künstler-Generationen wie

  • Robert Rauschenberg
  • Jasper Johns
  • James Rosenquist oder auch
  • Andy Warhol bis hin zu den
  • frühen Vertretern des Minimalismus und vielen heute tätigen Kunstschaffenden.

Biografie: Joseph Cornell

Joseph Cornell wurde 1903 in New York und starb – ohne es jemals verlassen zu haben 1972 ebendort. Ohne eine reguläre künstlerische Ausbildung – Cornell konnte weder zeichnen noch malen noch bildhauen – begann er am Küchentisch seiner Familie in den 1930er Jahren mit seinen ersten Arbeiten. Er trank nicht, er rauchte nicht, er hing nicht in Bars rum und war kein Frauenheld. Sein Œuvre, das zu den bemerkenswertesten des 20. Jahrhunderts zählt, trägt vielleicht auch deswegen den Titel „Fernweh“, weil er sein Heimatland nie verlassen hat und dennoch mit der Kultur Europas so vertraut war. Das Wort „Fernweh“ bezieht sich also sowohl auf seine Phantasie und sein Talent, aber auch sein besonderes Interesse gerade für Österreich und für Wien.

Rahmenprogramm Kunsthistorisches Museum

Im Rahmenprogramm wird am Kunsthistorischen Museum unter anderem der Nobelpreisträger Orhan Pamuk, Cornells preisgekrönte Biographin Deborah
Solomon
und die leitende Kunstkritikerin der New York Times Roberta Smith über Leben und Schaffen von Cornell sprechen. In Kooperation mit dem Österreichischen Filmmuseum werden gleich an zwei Tagen Filme von Cornell gezeigt:

Mi 11.11., 20.30 Uhr
Joseph Cornell 1: Zeitreisen
Einführung: Naoko Kaltschmidt

Do 12.11., 20.30 Uhr
Joseph Cornell 2: Attraktionen
Einführung: Jasper Sharp & Alexander Horwath

Tickets:
Reservierung unter T +43 1 533 70 54

Kuratoren und Leihgeber

Jasper Sharp (Kunsthistorisches Museum, Wien) und Sarah Lea (Royal Academy, London) kuratierten in Zusammenarbeit mit Lynda Roscoe Hartigan als wissenschaftlicher Beraterin diese Ausstellung. Leihgaben dazu stammen aus namhaften internationalen Sammlungen wie etwa dem Whitney Museum of American Art, New York; die Tate Modern, London; die Menil Collection, Houston, Texas; das Moderna Museet, Stockholm; das Solomon R. Guggenheim Museum, New York; das Museo Nacional Centro de Arte Reina Sofia, Madrid; das Hirshhorn Museum and Sculpture Garden, Washington, DC; das Philadelphia Museum of Art; das Smithsonian American Art Museum, Washington, D.C.; das Yokohama Museum of Art; das Modern Art Museum, Fort Worth, Texas; das Des Moines Art Center, Iowa; das Städtische Museum Moderner Kunst in Osaka und das Peabody Essex Museum, Massachusetts. Weitere Leihgaben stammen aus wichtigen Privatsammlungen in den USA, Großbritannien, Belgien, den Niederlanden, der Schweiz und Japan.

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