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Jüdisches Museum

Brauner eröffnet RINGSTRASSE. Ein jüdischer Boulevard

Im Beisein zahlreicher Ehrengäste aus Politik, Wirtschaft und Kultur eröffnete Finanz- und Wirtschaftsstadträtin Vizebürgermeisterin Renate Brauner am Dienstagabend die Ausstellung „RINGSTRASSE. Ein jüdischer Boulevard“ im Jüdischen Museum Wien, einem Unternehmen der Wien Holding, anlässlich des 150-Jahr-Jubiläums der Errichtung von Wiens Prachtstraße.

© Harry Krisch | v.l.n.r.: Museumsdirektorin Danielle Spera, Vizebgm. Renate Brauner, Wien Holding GF Peter Hanke, Kuratorin Gabriele Kohlbauer-Fritz

"Die Errichtung der Wiener Ringstraße gilt als Meilenstein in der Wiener Stadtgeschichte und markiert den Aufbruch Wiens in die Moderne. Die Ringstraße heute ist in vielerlei Hinsicht einzigartig: als Prachtboulevard und historische Sehenswürdigkeit genauso, wie als wichtiger und starker Faktor für Tourismus, Kultur und Wirtschaft. Doch die Ringstraße ist heute noch viel mehr: Sie ist ein Ort, an dem das Leben pulsiert, mit zahlreichen Großevents vom Vienna City Marathon bis hin zum Wiener Eistraum und dem Life Ball am Rathausplatz. Damals wie heute schätzen und lieben die Wienerinnen und Wiener ihre Prachtstraße. Genau deshalb ist es aber besonders wichtig, dass es Ausstellungen wie diese gibt, die den Blick auch auf die wechselvolle und tragische Geschichte jener jüdischen Familien lenken, die viele der Palais erbaut haben und im Nationalsozialismus verfolgt, vertrieben und ermordet wurden", so Vizebürgermeisterin Renate Brauner bei der Eröffnung der Ausstelllung.

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Ausstellung blickt hinter die Fassaden der Prachtbauten

Museumsdirektorin Danielle Spera verwies auf die Geschichten hinter den Gebäuden und betonte, dass viele der Palais noch die Namen ihrer Erbauer tragen, die Familien aber durch den Nationalsozialismus enteignet und vertrieben worden seien. „Wir sehen es daher auch als Aufgabe dieser Ausstellung, die Geschichten hinter den Fassaden der prachtvollen Palais wieder in das kollektive Wiener Bewusstsein zu rücken“, so Spera.

Wien Holding Direktor Peter Hanke, zu dessen Konzern das Jüdische Museum gehört, und Generaldirektor-Stellvertreter Georg Kraft-Kinz vom Hauptsponsor Raiffeisenlandesbank NÖ-Wien zeigten sich in ihren Grußbotschaften beeindruckt von der Vielschichtigkeit der von Gabriele Kohlbauer Fritz unter Assistenz von Sabine Bergler kuratierten Ausstellung.

Für den stimmungsvollen musikalischen Rahmen der Eröffnung sorgte Kammersängerin Angelika Kirchschlager, die von der jungen Pianistin Charlotte Baumgartner begleitet Lieder von Gustav Mahler, Alma Mahler-Werfel und Erich Wolfgang Korngold sang und von den Ehrengästen – darunter Altkanzler Franz Vranitzky, Deutschlands Botschafter Detlev Rünger, der Wiener SPÖ-Klubobmann Rudolf Schicker und die Direktorin der Österreichischen Nationalbibliothek Johanna Rachinger – begeistert akklamiert wurde.

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Wien wird zur modernen europäischen Metropole

Als nach der Schleifung der Wiener Stadtmauern rund um die Wiener Innenstadt ein Prachtboulevard entstand, wurde dieser zur ersten Adresse des Adels und des Großbürgertums. Wien sollte zu einer Metropole und der Ring ein sichtbares Symbol des Kaiserreiches werden – auch wenn die Monarchie bereits dem Untergang geweiht war. Unter den Bauherren der prächtigen Palais entlang der Ringstraße waren zahlreiche jüdische Unternehmer und Bankiers, die zum wirtschaftlichen Aufschwung der Gründerzeitjahre beitrugen, als Kunstsammler und Mäzene in Erscheinung traten und dem Kaiser zur Hilfe kamen. Der Aufstieg einer kleiner jüdischen Elite im Wirtschaftsboom der Gründerjahre steht ebenso im Fokus der Ausstellung wie beispielsweise die Entstehung der Psychoanalyse hinter den Fassaden der Palais. Das Jüdische Museum Wien stellt die wichtigsten Protagonisten der Ringstraßenära sowie deren Familiengeschichten und Schicksale vor und beleuchtet die Stiftertätigkeit der jüdischen Großbürger. Der neu errichtete Boulevard galt für viele als Zeichen der gesellschaftlichen Akzeptanz und zahlreiche Palais wurden zu wichtigen Orten des Austausches für Intellektuelle, Wissenschaftler und Künstler in den so genannten Salons. Kunst, Kultur, Wissenschaft und somit die gesamte Gesellschaft wurden auf diese Weise gefördert.

Politische und soziale Gegensätze verschärfen sich

Die Aufbruchsstimmung der Gründerzeit konnte jedoch eine zunehmende politische Radikalisierung und die wachsenden sozialen Probleme der breiten Masse nicht aufhalten. Die k.u.k. Residenzhauptstadt Wien war in dieser Zeit magischer Anziehungspunkt für Zuwanderer aus allen Teilen der Monarchie, die sich hier neue Lebenschancen erhofften. Unter ihnen waren auch sehr viele Jüdinnen und Juden, die der Diskriminierung und wirtschaftlichen Perspektivlosigkeit des Schtetls entkommen wollten. Dies verschärfte die sozialen Gegensätze: Besonders das Kleinbürgertum war als klassischer Modernisierungsverlierer empfänglich für den wachsenden politisch geschürten Antisemitismus, der sich gleichermaßen der Stereotype des „armen, zerlumpten Ostjuden“, des „sozialistischen, jüdischen Aufwieglers“ oder des „kapitalistischen Wiener Börsejuden“ bediente. Diese massiven ökonomischen und gesellschaftlichen Veränderungen im Wien des ausgehenden 19. Jahrhunderts und damit die Kehrseiten der glanzvollen Ringstraßenfassaden sind ebenso ein zentraler Aspekt der Ausstellung wie die politischen Folgen im 20. Jahrhundert.

Nationalsozialistische Verfolgung

1938, nach der Annexion Österreichs durch das nationalsozialistische Deutschland, waren die Nachkommen jener jüdischen Familien, die entscheidend zum wirtschaftlichen Aufschwung der so genannten Gründerzeit beigetragen hatten, gezwungen, zu emigrieren oder sie wurden in Konzentrationslager deportiert. Die prächtigen Palais tragen noch ihre Namen – Todesco, Schey, Königswarter, Goldschmidt, Ephrussi, Lieben oder Auspitz – aber die Familien sind nicht mehr an Österreich gebunden. Weder wurden sie nach dem Zweiten Weltkrieg eingeladen, zurückzukehren, noch erhielten sie jene Werte zurück, die sie unter Zwang hatten zurücklassen müssen. Es dauerte bis in die Gegenwart, dass die Geschichten hinter den Fassaden der prachtvollen Palais wieder in das kollektive Wiener Bewusstsein rückten, stellvertretend sei hier die Familie Ephrussi genannt, deren Bedeutung für Wien durch das Buch „Der Hase mit den Bernsteinaugen“ wieder bekannt wurde.

Die Ringstraßenära – ein Teil der Geschichte des Jüdischen Museums

Auch das heutige Jüdische Museum ist mit der Ringstraße in mehrfacher Weise verbunden:

Das erste Jüdische Museum befand sich in unmittelbarer Nähe des Rings und unter dessen Gründern, Stiftern und Spendern waren viele Ringstraßen-Familien. 1938 wurde das Museum geschlossen, die Sammlungen beschlagnahmt und für eine antisemitische Ausstellung im Naturhistorischen Museum missbraucht. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Idee für die Wiedergründung in einem Ringstraßenpalais geboren – in einer Wohnung am Schottenring richtete der Geschäftsmann und Judaika-Sammler Max Berger, der als einziger Überlebender der Schoa in seiner Familie nach 1945 über Polen nach Wien kam, in den 1970er Jahren ein kleines Privatmuseum ein. Seine Sammlung bildete das Herzstück des Jüdischen Museums Wien, das 1988 auf Initiative des Wiener Bürgermeister Helmut Zilk gegründet wurde und ist bis heute zentraler Bestandteil der Ausstellung im Palais Eskeles.

Zur Ausstellung, die zahlreiche spannende Aspekte von Geschichte und Gegenwart der Ringstraße aufgreift und die Glanz- und Schattenseiten der Ringstraßenära thematisiert, erscheint ein zweisprachiger Katalog im Amalthea Verlag (ISBN-Nr. 978-3-85002-915-5) zum Preis von EUR 29,95, der ab sofort im Bookshop des Museums und im Buchhandel erhältlich ist.

Die von Gabriele Kohlbauer Fritz unter Assistenz vom Sabine Bergler kuratierte Ausstellung „RINGSTRASSE. Ein jüdischer Boulevard“, ist von 25. März bis 4. Oktober 2015 im Jüdischen Museum Wien, einem Museum der Wien Holding, zu sehen. Das Museum in 1010 Wien, Dorotheergasse 11 ist von Sonntag bis Freitag von 10 bis 18 Uhr geöffnet. Am Samstag ist das Museum geschlossen.

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