1. Stadt Wien
  2. Kunst & Kultur
  3. Museum
  4. Jüdisches Museum
Mehr Kunst & Kultur
Artikel teilen
Kommentieren
Jüdisches Museum Text: Anja Haidenschuster

Ausstellung: Kauft bei Juden! Geschichte einer Wiener Geschäftskultur

Von 17. Mai bis 19. November 2017 ist die Ausstellung "Kauft bei Juden! Geschichte einer Wiener Geschäftskultur" im Jüdischen Museum Wien zu sehen. Die Ausstellung veranschaulicht welche Bedeutung Jüdinnen und Juden an der wirtschaftlichen und kulturellen Entwicklung Österreichs hatten und haben.

Austellung in Museum
© Wulz |

In Anwesenheit vieler Gäste wurde die Ausstellung „Kauft bei Juden! Geschichte einer Wiener Geschäftskultur“ im Jüdischen Museum Wien von Bundespräsident Dr. Alexander van der Bellen eröffnet.

Ausstellung: Kauft bei Juden! Geschichte einer Wiener Geschäftskultur

Wann: 17. Mai bis 19. November 2017

Wo: Jüdisches Museum Wien (Infos zur Adresse und Anfahrt finden Sie im Adressblock!)

Ausstellung über den vergessenen Teil der jüdischen Wiener Kulturgeschichte

Die Ausstellung widmet sich einem beinahe verschwundenen und vergessenen Teil der jüdischen Wiener Kulturgeschichte. Im Zentrum der Ausstellung stehen die Entwicklungs-, Erfolgs-, Migrations- und Familiengeschichten der Gründer und Besitzer dieser Betriebe sowie ihr maßgebliches Engagement für den Weg Wiens in die Moderne. Der Ausstellungstitel ist ein Appell gegen das Vergessen, ein Aufruf zur Erinnerung an diese bedeutenden Unternehmen und deren Akteurinnen und Akteure hinter den Geschäftsfassaden. 

» Die bekanntesten Wiener Museen auf einen Blick!

Wiener Stadtgeschichte im Jüdischen Museum Wien erleben

Die Entstehung von Kaufhäusern in Wien war Teil einer gesamteuropäischen Entwicklung des 19. Jahrhunderts. Dass viele der Gründer aus jüdischen Familien stammten, ist heute ebenso wenig bekannt, wie die einstige Existenz des Textilviertels im ersten Wiener Gemeindebezirk. 

Prominente Häuser wie Gerngross, Zwieback, Neumann, Jacob Rothberger, Braun & Co., Goldman & Salatsch, Jungmann & Neffe, Knize, prägten die mondänen Einkaufsmeilen Wiens auf der Kärntner Straße und der Mariahilfer Straße.

Die Ausstellung ruft aber auch die sogenannten Vorstadtwarenhäuser Dichter und Wodicka ins Gedächtnis der Stadt zurück. Mit ihren Betrieben leisteten diese Familien einen maßgeblichen Beitrag zur Wiener Stadtentwicklung und beeinflussten das wirtschaftliche, topografische, soziale und kulturelle Stadtbild bis in die Gegenwart. Durch die Zäsur der Schoa verschwand diese von Wiener Jüdinnen und Juden geprägte Geschäftskultur fast völlig.

Erfolgsgeschichten von Vertriebenen lassen sich im Ausland nachzeichnen – wie etwa jene des Kostümbildners und Grafikers Ernst Deutsch-Dryden oder des Architekten, Stadtplaners und Erfinders der Shopping Mall, Victor Gruen. Viele Unternehmen konnten aber an die Erfolge der Zeit vor 1938 nicht mehr anknüpfen.

Jedenfalls beschlossen die meisten nach 1945 nicht mehr nach Wien zurückzukehren. An die bedeutenden Kaufhäuser sowie an die zahlreichen von Jüdinnen und Juden betriebenen Einzelhandelsbetriebe erinnern heute im Wiener Stadt- und Geschäftsbild nur noch die Namen mancher Nachfolgeunternehmen und in seltenen Fällen Teile der Bausubstanz.

Diesem „Verschwinden“ gegenübergestellt ist die Entwicklung des Textilviertels nach 1945. Bedingt durch Migration und Zuwanderung lassen sich hier individuelle Geschichten von Unternehmen wie Schöps, dem Tuchhaus Silesia, Wachtel & Co, Haritex, Zalcotex u.v.m. erzählen, die auch vom Wiederaufbau der Wiener jüdischen Gemeinde nach 1945 zeugen. 

» Mehr Ausstellungen in Wien finden Sie hier!

Video
Beteiligen Sie sich am Beitrag, wir freuen uns:

Vielfältige Objekte erzählen diese Geschichten nicht nur aus der Perspektive der Betreiber, sondern berichten von Architektur und Inszenierung, den Designern, der Klientel sowie VerkäuferInnen, SchneiderInnen und SchaufensterdekorateurInnen, aber auch von Anfeindungen, Antisemitismus, Verlust, Flucht und Zerstörung. Die Ausstellung umfasst eine weit gefächerte Auswahl von Objekten – über Artikel, die dort verkauft wurden, Kleidungsstücke, Werbegrafik, Fotografien von Geschäften und ihren Besitzerfamilien, deren private Gegenstände, Büsten und Gemälde, Einrichtungsgegenstände aus den Geschäften bis hin zu Verpackungsmaterial aus den diversen Kaufhäusern.

Drei Erzählstränge begleiten die Besucherinnen und Besucher auf ihrer Reise durch die Geschichte dieser Wiener Geschäftskultur. Von klassischen Kauf- und Warenhäusern über Einzelhandelsbetriebe, beispielsweise den jüdischen k.u.k. Hoflieferanten, bis hin zu den kleinen Geschäftslokalen des Textilviertels spannt die Ausstellung einen breiten Bogen vom ausgehenden 18. Jahrhundert bis in die Gegenwart.

Das Jüdische Museum Wien hat die junge Wiener Künstlerin Kathi Hofer eingeladen, Motive der Ausstellung aufzugreifen und so mittels einer künstlerischen Intervention einen anderen Blick auf das Ausgestellte zu ermöglichen. Als Inspiration für den zweiteiligen Epilog – in Form einer „Stilkritik“ im Ausstellungskatalog und als Installation im Museum – diente ein ausgestelltes historisches Objekt. 

» Alles aus dem Bereich Kunst & Kultur

Textilmetropole Wien

Fast alle Unternehmen die vorgestellt werden, handelten primär mit Textilien. Diese Schwerpunktsetzung ergibt sich durch die Tatsache, dass die meisten großen Wiener Kauf- und Warenhäuser als Textilhändler begonnen haben und erst im Laufe der Jahrzehnte ihr Sortiment erweiterten.

Topographisch konzentriert sich die Ausstellung, mit Ausnahme der sogenannten Vorstadtwarenhäuser, auf zwei Ballungsräume des Konsums, die zwar auch heute noch dieselbe Funktion innerhalb der Stadt einnehmen, jedoch mit völlig verändertem Antlitz: zum einen der erste Wiener Gemeindebezirk mit seinen einstigen großen Kauf- und

Warenhäusern im Bereich der Kärntner Straße sowie unzähligen kleinen Geschäften rund um den Rudolfsplatz und den Salzgries; zum anderen die Mariahilfer Straße als imposanter Einkaufsboulevard zwischen Innerer Stadt und dem Westbahnhof.

Ziel dieser Ausstellung ist es, diese Wiener Geschäftskultur durch ein Sichtbarmachen bzw. Wiederbewusstmachen in das Gedächtnis der Stadt zurück zu holen. So wird den bedeutenden Leistungen von Jüdinnen und Juden für Wien, derer sich diese Stadt erst in den letzten zwei Jahrzehnten Schritt für Schritt wieder erinnert, ein weiteres Kapitel hinzugefügt.

Um das Flair der Kaufhäuser der Jahrhundertwende ins Museum zu holen, wird im Zuge der Ausstellung im Bereich des Museumscafés Eskeles, eine Vintage-Vitrine in Kooperation mit dem Wiener Label Normalzeit (normalzeit.at) aufgestellt. Dieses Miniatur-Kaufhaus lädt BesucherInnen ein Wiener Produkte mit historischen Bezügen kennenzulernen. 

» Sie sind ein Liebhaber von Vintage? Vielleicht wäre einer dieser Märkte für Sie interessant! 


Ein guter Tipp dabei? Teile es mit deinen Freunden.

Kommentar hinzufügen
weitere Meinungen
Keine Kommentare
  1. Stadt Wien
  2. Kunst & Kultur