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Museum Text: Melanie Gerges

Bestattungsmuseum: Die „scheene Leich“ im Wandel der Zeit

Die Wiener Tradition der „scheenen Leich“ reicht bis in die Zeit der Habsburger zurück und steht für prachtvolle Beisetzungen. Wie sich die Vorstellung einer solchen verändert hat, zeigt das Bestattungsmuseum am Wiener Zentralfriedhof mit Ausstellungsstücken wie Särgen, Totengräberutensilien und einer digitalen Trauerlieder-Hitparade.

Das Bestattungsmuseum in Wien
© B&F Wien/Manfred Scheuch | Das Bestattungsmuseum am Wiener Zentralfriedhof

Bestattungsmuseum Wien
Simmeringer Hauptstraße 234, 1110 Wien

Öffnungszeiten:
Montag bis Freitag 9:00-16:30
Von 1. März bis 2. November auch Samstag 10:00-17:30

Bestattungsmuseum mit düsterer Atmosphäre auf Grabniveau

Direkt unter der Aufbahrungshalle zwei am Wiener Zentralfriedhof zeigt das Bestattungsmuseum mehr als 250 Originalobjekte, die die Geschichte der Beerdigungsrituale verdeutlichen. Für die passende düstere Atmosphäre sorgt dabei die Beleuchtung: nur die Ausstellungsstücke und Vitrinen werden erleuchtet, ansonsten ist es in den Räumen auf Grabniveau dunkel. Gegründet wurde das Museum bereits 1967 von dem damaligen Abteilungsleiter der Gemeinde Wien-städtische Leichenbestattung Hans Novak. Fast zwanzig Jahre lang sammelte er dafür Urnen, Uniformen und Kreuze aus den Archiven der Bestattung und den Friedhöfen Wiens. 2014 wurde das Museum von der ehemaligen Zentrale der Bestattung Wien in Wieden auf den Zentralfriedhof verlegt. Heute gilt es als erstes und ältestes Bestattungsmuseum der Welt.

Tipps: Bei der langen Nacht der Museen können Interessierte im modernen Sarg Probeliegen. Nach dem Museumsbesuch können Besucher auch eine Runde durch den Zentralfriedhof machen und hier letzte Ruhestätten bekannter Persönlichkeiten wie etwa Falco sehen.

Wiederverwendbare Särge und Bestattungs-Rituale

In den Ausstellungsräumen wird die Entwicklung der Bestattung in Wien vom Ende des 18.Jahrhunderts bis heute thematisiert. So zeigt etwa der Nachbau eines Klappsargs aus dem 18.Jahrhundert, dass prunkvolle Beisetzungen früher nur dem Adel vorbehalten waren. Bürger hingegen wurden nackt in Säcke eingenäht. Die Särge, in denen sie zum Grab getragen wurden, hatten einen Klappmechanismus und wurden nach der Beisetzung wiederverwendet.

Einen brauen Klappsarg aus Holz
© B&F Wien/Manfred Scheuch | Klappsärge wie dieser wurden im 18.Jahrhundert verwendet

Wie sehr sich die Begräbnis-Rituale seither verändert haben, wird neben den zahlreichen Sargmodellen, Partezetteln und Trauerroben auch durch die Audiostation verdeutlicht. Denn hier können Besucher die beliebtesten Trauerlieder nachhören, wie etwa „Ave Maria“ oder „Time to say goodbye“. Die Dauerausstellung gibt außerdem Einblicke in die Arbeit der Bestatter und Totengräber. So erinnert der Rettungswecker an die Angst vieler, lebendig begraben zu werden. Deshalb wurde um 1828 jeder Leiche in der Aufbahrungshalle eine Schnur um die Hand gebunden, die mit einer Glocke in der Wohnung des Totengräbers verbunden war. Eine Bewegung des vermeintlich Toten löste so den Wecker aus.

Auch das Herzstichmesser erinnert an diese Furcht. Bis ins 20.Jahrhundert veranlassten Menschen, dass nach ihrem Tod ein Herzstich durchgeführt wurde, um sicherzustellen, dass die Betroffenen auch wirklich tot waren. Bekannte österreichische Persönlichkeiten wie die Schriftsteller Arthur Schnitzler und Johann Nestroy bestanden aus Angst davor, lebendig begraben zu werden, auf diese Prozedur.

Sonderausstellung zu mexikanischem „Dia de los muertos“

Bis Ende März 2018 zeigt ein prunkvoll dekorierter mexikanischer Totenaltar im Rahmen der Sonderausstellung „Dia de los muertos und a scheene Leich“ eine andere Gedenktradition. Denn in Mexiko wird der Totenentag mit einem bunt geschmückten Totenaltar, Blumen, Bildern der Verstorbenen und lächelnden Totenschädeln gefeiert. Dieser Altar soll die Toten an diesem Tag zurück ins Reich der Lebenden locken. Wie auch in der Dauerausstellung wird hier die Verbindung zu den Begräbnissen in Wien gezogen.

Galgenhumor im Museumsshop

Dass das Bestattungsmuseum den Tod nicht zu ernst nimmt, zeigt sich im Shop. Hier finden Besucher etwa einen Leichenwagen aus Lego-Steinen, der dem Original-Leichenwagen der Bestattung Wien aus den 1960er Jahren nachempfunden wurde.  Auch ein USB-Stick in Sarg-Form kann hier gekauft werden. Für Aufsehen sorgen auch die Zigarettenhüllen mit der Aufschrift „Rauchen sichert Arbeitsplätze“.

Wer auf Mystery und Spuk steht, sollte übrigens auch dem Friedhof der Namenlosen einen Besuch abstatten.

Video

Eintritt, Preise und Parken

Eintrittspreise:
Vollpreis: 6 Euro
Ermäßigt: 5 Euro (Personen über 60 Jahre, Wien-Karten-Inhaber, Menschen mit Behinderung, Lehrlinge, Präsenz- und Zivildiener, Studierende bis zum 27.Lebensjahr, Gruppen ab 10 Personen)
Freier Eintritt für Kinder und Jugendliche bis zum 19.Lebensjahr

Audioguide: 6 Euro

Anfahrt:
Erreichbar mit den Straßenbahnlinien 71 und 6 (Station Zentralfriedhof 2.Tor)

Parken:
Es gibt einen Parkplatz bei Tor 2, dieser ist vormittags jedoch eine Kurzparkzone.

Führungen:
Nach Voranmeldung für Gruppen zwischen 10 und 15 Personen möglich. Kosten: 4 Euro pro Person.

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