1. Stadt Wien
  2. Kunst & Kultur
Mehr Kunst & Kultur
Artikel teilen
Kommentieren
Kunst & Kultur

Mittelalterlicherkunst Warschau

Informationen über die Ausstellung von Meisterwerken Mittelalterlicher Kunst aus dem Nationalmuseum Warschau in der Orangerie des Schloss Belvedere.

Belvedere, Orangerie, Mittelalterkunst, Cruzifixus dolorosus (sog. Mystikerkruzifix)
Belvedere Orangerie, Cruzifixus dolorosus (sog. Mystikerkruzifix) Breslau

Mittelalterkunst Warschau

In der ebenfalls neu adaptierten Orangerie des Schlosses Belvedere sind bis 16. September 2007 Meisterwerke mittelalterlicher Kunst aus dem Nationalmuseum Warschau zu sehen. Für dieser Ausstellung, wurde nach dem Konzept des Art Centre Basel, einer unabhängigen Organisation, eine Auswahl von 27 hervorragenden Werken getroffen, anhand welcher die Entwicklung der polnischen Kunst vom 13. bis ins 16. Jahrhundert nachvollzogen werden kann. Die ausgesuchten Stücke behandeln nicht nur unterschiedlichste Themen, sie geben auch eine repräsentative Sicht auf die unterschiedlichen Herrscher in Polen, die verschiedene stilistische Einflüsse aus anderen Regionen Europas auf die polnische Kunst bewirkten.

Zu den Hauptwerken der Ausstellung zählt der Crucifixus Dolorosus aus Breslau von 1350/60. Der sogenannte Mystikerkruzifix beeindruckt durch seine übersteigerte Ausdruckskraft. Der Leib des Gemarterten ist mit Geiselwunden übersät, aus welchen plastisch aufgetragene Blutstropfen rinnen. Diese Marterspuren sind in einer fast stereotypen Regelmäßigkeit über den Körper gesetzt, sodass sie wie ein gliederndes Dekor zur Wirkung kommen. Dieses Wiederholen und Gleichmass der Blutspuren kann als Einsatz künstlerischer Mittel gewertet werden, das einen Moment der Abstraktion bedingt und eine Ambivalenz zu dem eindringlichem Leid und Schmerz schafft, sodass dessen Verismus eine mystischen Überhöhung erfährt.

Eine andere Besonderheit stellt das Diptychon der Familie Winterfeld von 1430/35 dar. Es handelt sich um die seltene Form eines zweiflügeligen Altars, dessen linker beweglicher Flügel beidseitig mit Szenen aus der Passion Christi geschmückt ist, während der rechte unbewegliche die heilige Maria Magdalena als Büßerin zeigt, die nach der Legenda Aurea sieben Mal am Tag von Engeln emporgetragen wurde, um den Lobgesängen der Engeln zu lauschen.

Der Besucher braucht wohl Ruhe und Besonnenheit um die Objekte der Ausstellung zu erfassen, doch kleine Bildlegenden unterstützen jeweils den Zugang zu den einzelnen Exponaten, und nicht zuletzt verspricht auch deren hohe künstlerische Qualität einen zwar anspruchsvollen, aber auch sicher genussvollen Museumsbesuch.

 

Bild: Marx Reichlich und Werkstatt: Hl. Mauritius
Salzburg, Anfang 16. Jh., Malerei auf Fichtenholz
Vom ehem. Marienaltar aus Stift St. Peter in Salzburg

 

Text: Mag. Margareta Sandhofer
Fotoquelle: Belvedere

Video
Beteiligen Sie sich am Beitrag, wir freuen uns:

Kommentar hinzufügen
CAPTCHA-Bild zum Spam-Schutz
Wenn Sie das Wort nicht lesen können, bitte hier klicken.
weitere Meinungen
Keine Kommentare
  1. Stadt Wien
  2. Kunst & Kultur