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Jürgen Weber
Kunst und Künstler Text: Jürgen Weber

Biennale 2013

Bis 24. November 2013 können die Ausstellungen der diesjährigen Kunst-Biennale in den nationalen Padiglioni der „Gärten“ (Giardini) oder im internationalen „Arsenale“ noch besucht werden. Schon seit mehr als einem Jahrhundert (1895) zeigt „La Biennale di Venezia“, so der offizielle Name, die Avantgarde der zeitgenössischen Kunst auf einem inzwischen mehr als 100.000 Quadratmeter großen Gelände. Seither erfreuen sich auch die erst später hinzugekommen Biennalen für Kinematographie (seit 1932), Theater (1934), Architektur (1980), und seit neuestem auch für modernen Tanz (1999) großer Beliebtheit. Natürlich macht einen wesentlichen Anteil des Charmes der Biennale die Stadt Venedig aus, denn gerade während der Biennale werden viele Paläste am Canal Grande oder in anderen Sechsteln (ital.: Sestieri) der Lagunenstadt auch für Kunstinteressierte geöffnet, die ansonsten eisern verschlossen sind.

Ansicht des Hauptpavillon Biennale Venedig
© stadt-wien.at | La Biennale Gebäude in den Giardini

Die Biennale 2013 in Zahlen

Schon zwei Wochen vor dem letzten Tag der Biennale 2013 kann bereits gesagt werden, dass die Biennale 2013 die meistbesuchte aller Zeiten war. Die Biennale unter dem Vorsitz von Paolo Baratta und kuratiert von Massimiliano Gioni hatte 2013 mehr als 400.000 Besucher, mit einigen Hochtagen von bis zu 7.000 verkauften biglietti. Aber keine Angst, die  vielen BesucherInnen verteilen sich gut auf dem Areal der Biennale. In den „Giardini della Biennale“ stehen ca. 50.000 mq Ausstellungsfläche zur Verfügungn, die auch die einzelnen nationalen padiglioni aufgeteilt sind und sowohl outdoor als auch indoor genutzt werden. Das Arsenale, wo früher die Schiffe der Venezianer produziert wurden, bietet weitere 46.000 mq und natürlich gibt es noch die Sale d'Armi mit 6.526 mq und das Ca' Giustinian mit 4.900 mq sowie unzählige Paläste die Pforten während der Biennale geöffnet halten.

Dieses Jahr haben auf der della 55. Esposizione Internazionale d’Arte insgesamt 88 nationale TeilnehmerInnen die Biennale mitgestaltet, davon waren 28 in den Giardini, 24 im Arsenale, 36 im Stadtgebiet von Venedig. Aus Anlass der Biennale fanden insgesamt weitere 47 Veranstaltungen („Eventi Collaterali“) statt. Darunter auch ein besondere Aufführung der „Madama Butterfly“ in der Oper Venedigs, im La Fenice. Zehn Länder haben dieses Jahr zum ersten Mal an der Biennale teilgenommen: Angola, Bahamas, Regno del Bahrain, Repubblica della Costa d’Avorio, Repubblica del Kosovo, Kuwait, Maldive, Paraguay, Tuvalu e, und last but not least und wohl auch zum ersten Mal der „Heilige Stuhl“, la Santa Sede.

Die Biennale und Auriti‘s Enzyklopedäischer Palast

Die Idee zum diesjährigen Motto der Biennale, geht auf den italo-amerikanischen Künstler Marino Auriti zurück, der schon im Jahre 1955 die Idee eines utopischen „Palazzo Enciclopedico“ hatte, der als Museum das gesamte Wissen der Menschheit beherbergen sollte. Auriti hatte ein Gebäude mit 136 Stockwerken erträumt, das mehr als 700 Meter Höhe haben hätte müssen und somit das Gelände von 16 Wohnblocks in Washington okkupiert hätte. Natürlich wurde die Idee von Auriti nie realisiert, nicht einmal im „Land der unbegrenzten Möglichkeiten“, aber der künstlerische Leiter der Biennale 2013, Massimiliano Gioni, erzählte in einem Interview, dass gerade 60 Jahre nach Auriti, die Idee immer noch bestehe, eine Repräsentation der Menschheit in einem „Bild“ zu konstruieren. Und wo könnte dies besser gelingen als in Venedig, das einst die mediterrane Welt bis nach Konstantinopel beherrschte und heute wie keine andere Stadt im Zentrum der Weltöffentlichkeit steht, da sie jedes Jahr von mehrere Millionen Menschen besucht wird?

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Österreich auf der Biennale

Österreich war auf der diesjährigen Biennale mit dem Künstler Mathias Poledna (geboren 1965 in Wien) auf der Biennale vertreten. Poledna‘s Beitrag „Imitation of Life“ ist ein dreiminütiger, farbiger, auf 35-mm gedrehter Trickfilm, der durch mehr als 5.000 handgezeichnete Skizzen, Layouts, Zeichnungen, aquarellierten Hintergründen und Tuschezeichnungen auf Folie entstanden ist. Poledna arbeitete mit namhaften KünstlerInnen aus den Animationsabteilungen von Filmstudios in Los Angeles, insbesondere Disney. Einige dieser Zeichnungen sind auch im österreichischen Pavillon (1910, Josef Hoffmann) in den Giardini zu sehen. Eine weitere Österreicherin wurde auf der Biennale 2013 geehrt. Maria Lassnig (geboren in Kappel am Krappfeld) erhielt für ihr Lebenswerk einen Goldenen Löwen.

Im Pavillion von Großbritannien

Im nationalen padiglione Großbritanniens in den Giardini gestaltete der Künstler Jeremy Deller „English Magic“ eine neue Ausstellung für die 55. Biennale von Venedig. Ein Kunstwerk mit dem Titel „We Sit Starving Amidst our Gold, Installation View 2013, Photo by Cristiano Corte“ (siehe Foto) zeigt etwa den Sozialisten Morris, wie er die 115 Meter lange Yacht „Luna“ des Oligarchen Roman Abramovic im Meer versenkt. Aber natürlich wurde das britische Königreich auch durch Künstler aus Wales und Schottland auf der Biennale vertreteten. Deller reflektiert vor allem über die britische Gesellschaft an sich, ihre Mitglieder, Ikonen, Mythen, Folklore, aber auch ihre kulturelle und politische Geschichte. Die Musik zu „English Magic“ stammt von dem Melodians Steel Orchestra aus South.

Aserbaidschan im Palazzo Lezze

Die aserbaidschanischen Künstler: Rashad Alakbarov, Sanan Aleskerov, Chingiz Babayev, Butunay Hagverdiyev, Fakhriyya Mammadova, Farid Rasulov haben im Palazzo Lezze beim Campo S. Stefano im Sestiere San Marco ihren Beitrag ganz unter das Motto „Ornamentation“ gestellt. Das Ornament wird als lineare Charakteristik der Idee der Unendlichkeit des Lebens interpretiert und damit als typisch für Aserbaidschan repräsentiert. Felsenmalereien (Petroglyphs) wurden am  Gobustan entdeckt und damit belegt, dass Dekoration immer schon ein wichtiger Teil einer Kultur war. Die beliebtesten dargestellten prähistorischen Motive zeigen Szenen der Jagd, Lebensstil, Tanz, das Jenseits, Tiere und Darstellung von Obst oder Gemüse, wie unsere Bilder es auch zeigen.

Russland

Russland zeigt in seinem Padiglione, der denselben Archikten hatte wie Lenins Mausoleum in Moskau, ein Projekt des Künstlers Vadim Zakharov, das er “Danaë” nennt.  Das Thema seiner Installation dreht sich um die antike Legende eines Stelldicheins von Zeus mit Danaë, das auch ein Gemälde von Rembrandt, das zwischen 1647 gemalt wurde und heute in der Eremitage in Petersburg zu sehen ist, wo es eine Säureattacke eines Verrückten überstehen musste. Vadim Zakharov versucht nun zwei Perspektiven in seine Ausstellung zu bringen, eine von oben und eine von unten und zudem gibt es auch eine ausschließlich männliche und weibliche Perspektive. Das Kunstwerk von Zakharvo erlaubt philosophische, sexuelle, psychologische und kulturelle Interpretation des sog. Goldregens (Zeus), der sich über Danaë ergießt. Die “Performance in Five Acts” ist auch interaktiv und Zakharov Werk erlaubt einen neuen Zugang zu Mythen, der der modernen Gesellschaft abhanden gekommen zu sein scheint.

Alle 2 Jahre wieder

Der nationale Goldene Löwe ging 2013 an Angola (Leone d’oro per la migliore Partecipazione nazionale), das dieses Jahr das erste Mal überhaupt an einer Biennale teilgenommen hatte. Der Goldene Löwe für den besten Künstler erhielt Tino Sehgal aus Großbritannien (Leone d’oro per il miglior artista della mostra). Wer die Kunst-Biennale 2013 versäumt hat, wird bis 2015 warten müssen, denn diese findet nur alle zwei Jahre statt, wie der Name schon sagt. (Bi: zwei, anno: Jahr).

Die nächste Biennale ist nämlich wieder der Architektur gewidmet und wird zwischen dem 7. Juni und dem 23. November 2014 stattfinden.


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