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Kunst der Zwischenkriegszeit

Leopold Museum: Österreichische Kunst der Zwischenkriegszeit - eine umfassende Schau anhand von rund 150 Exponaten der Malerei, Grafik, Photografie und Skulptur aus den Jahren 1918 bis 1938.

Leopold Museum - Österreichische Kunst der Zwischenkriegszeit

Zwischen den Kriegen - österreichische Malerei, Photografie, Grafik und Skulpturen (1918 - 1938)

Haben die großen Künstlerpersönlichkeiten wie Gustav Klimt, Egon Schiele und Oskar Kokoschka erst und endlich mit den 50er und 60er Jahren die ihnen gebührende Anerkennung gefunden, so blieb dies der nachfolgenden Künstlergeneration bislang verwehrt. Nun widmet das Museum Leopold der österreichischen Kunst der Zwischenkriegszeit eine umfassende Schau, zu deren Zusammenstellung der Direktor des Museums Doktor Rudolf Leopold sowohl Werke aus der musealen, wie der eigenen privaten Sammlung, Leihgebern und vor allem aus dem Besitz der österreichischen Nationalbibliothek auswählte. Anhand von rund 150 Exponaten aus den Sparten der Malerei, Grafik, Photografie und Skulptur wird erstmalig ein grundlegender Einblick in das vielfältige Wirken der Künstler in Österreich in den Jahren 1918 bis 1938 geboten.
Das künstlerische Schaffen dieser Zeit ist von seinem historischen Hintergrund tief geprägt. Aus der Katastrophe des ersten Weltkriegs, mit dem Zusammenbruch der Monarchie der Habsburger, ging aus dem einstigen Konglomerat des Vielvölkerstaates ein Kleinstaat hervor, der von politischen, wirtschaftlichen und sozialen Krisen zerrissen wurde. Das künstlerische und intellektuelle Potential reagierte darauf mit einer zunehmend introspektiven Haltung, die zwar nicht unbeeinflusst von der internationalen Moderne blieb, doch in der Suche nach ihrer Authentizität und der ihr eigenen Innerlichkeit den eigentlichen Antrieb hatte und so eine sehr ernsthafte, spezifische Charakteristik entwickelte. Diese hatte auch auf die Kunst in Österreich nach 1945 tiefen Einfluss und bleibt damit auch für deren Verständnis von großer Bedeutung.

In dieser extrem verunsicherten Zeit orientierte sich die Kunst am Fassbaren, das heißt dem Gegenständlichen. Aufgabe der Kunst war es, den Wahrheitsgehalt zu offenbaren, der den Gegenständen und der Natur innewohnt. Mensch und Natur waren als die Einheit der Schöpfung begriffen, Kunst als deren Fortsetzung. Kraft ihrer Innerlichkeit sollte die Malerei wahre innere Werte vermitteln. Diese Problemstellung ließ einen weiten Bogen von Ausdrucksmöglichkeiten zu, der vom Expressionismus über die Neue Sachlichkeit bis hin zum Konstruktivismus reichte.
Unter dem Einfluss der internationalen Avantgarde entwickelten vor allem Erika Giovanna Klien, My Ullmann und Elisabeth Karlinsky die Form des Wiener Kinetismus, indem sie Futuristisches, Kubistisches und Konstruktivistisches zur Idee einer universalen Rhytmisierung formulierte. Intensive Bemühungen gab es auch um die Erneuerung des religiösen Bildes, wie von den Künstlern des sogenannten Neulandbundes betrieben, zu denen 1930 noch Max Weiler stieß. Unter den verschiedenen stilistischen Bestrebungen behielt die des expressiven Kolorisums eine Dominanz. In bewusster Distanz zur internationalen Moderne fanden die prägenden Künstlerpersönlichkeiten wie Herbert Boeckl oder Anton Kolig zu einer künstlerischen Formensprache, die bei Verfestigung der Bildstruktur und einem immer konstruktiveren Bildaufbau, der Farbe eine eindeutig vorrangige Rolle einräumten. Der Mensch in seinem Verhältnis zu Natur und Kultur, die Spannung zwischen diesen beiden Polen menschlicher Existenz waren der focus des künstlerischen Anliegens. Böckl verarbeitete Einflüsse Kandinskys wie Cezannes zu Bildnissen, Stilleben und Landschaften in eindrucksvollen Farbakkorden. Anton Kolig, Mitglied der Künstlergruppe Nötscher Kreis, schuf symbolgeladene Malereien und Allegorien voller Pathos, Kompositionen mit zunehmender Dynamik. Der männliche Akt war als Audrucks- und Bedeutungsträger sein zentrales Anliegen. In breiten, virtuos gesetzten Pinselzügen entstanden Gemälde mit lebhafter Oberfläche, in explodierenden Farbklängen und dennoch plastisch.
Die Sehnsucht nach Sicherheit und Wahrheit, nach der inneren Wahrheit der Dinge, drückt sich genauso konkret, wenn auch auf ganz andere Weise, in den Stilleben und „Seelenlandschaften“ der Künstler des magischen Realismus aus, der auch mit dem Schlagwort der Neuen Sachlichkeit bezeichnet wird. Rudolf Wacker schuf naturalistische Bilder und Stilleben von höchster Qualität, Franz Sedlaceks phantastische Zeichnungen, die Wiener Schule des Phantastischen Realismus vorwegnehmend.
Neben den verschiedenen stilistischen Strömungen behaupteten sich auch einzelne Künstlerindividualitäten, die, wie zum Beispiel die Emigranten Oskar Kokoschka in Dresden oder Wilhelm Thöny in New York, wenn auch eine retrospektive künstlerische Haltung einnahmen, so doch Großartiges und Neues schufen.
Mit der Ausstellung Zwischen den Kriegen, Österreichische Künstler 1918 – 1938 hat Dr. Rudolf Leopold, der für die Wahl der Exponate verantwortlich zeichnet, die Kunst dieser historisch und kulturhistorisch extrem bewegten Zeit auch in ihrer internationalen Stellung klar definiert. Ob er seine Intention, den „schlechten Ruf“ der Malerei der Zwischenkriegszeit zu korrigieren und ihre Bedeutung im Bewusstsein der Öffentlichkeit zu heben, auch erreichen kann, wird der Publikumszustrom zeigen.

Autor: Mag. Margareta Sandhofer

Abbildungen:
©Erika Giovanna Klien
Brücke, 1926
Bleistift, schwarze Kreide, Kohle und Aquarell auf Papier, 48,5 x 64,5 cm
Sammlung Despina und Bernhard Leitner

©Anton Kolig
Sitzender Jüngling (Am Morgen), 1919
Öl auf Leinwand, 152 x 93,1 cm

Leopold Museum, Wien
Copyright Cornelius Kolig, Vorderberg

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