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Kokoschka

Oskar Kokoschka im Unteren Belvedere. Unter dem Titel OSKAR KOKOSCHKA, TRÄUMENDER KNABE – ENFANT TERRIBLE ist bis 12. Mai 2008 dem Frühwerk Kokoschkas eine Ausstellung gewidmet.

Kokoschka

Oskar Kokoschka im Unteren Belvedere

Im Unteren Belvedere wird unter dem Titel OSKAR KOKOSCHKA, TRÄUMENDER KNABE – ENFANT TERRIBLE bis 12. Mai dem Frühwerk Kokoschkas eine Ausstellung gewidmet. Eine Schau in Linz wird chronologisch anschließen, das Spätwerk wird in der Albertina zu besichtigen sein.

 

Oskar Kokoschka steht im klassischen Dreigestirn der Wiener Moderne gleichwertig neben Gustav Klimt und Egon Schiele, für die internationale Relevanz der modernen Kunst aus Österreich ist seine Person von entscheidender Bedeutung.

Frühe Aufmerksamkeit und Anerkennung am Kunstmarkt prägt die ersten Schaffensphasen des jungen Kokoschka wie die gleichzeitige verständnislose Stigmatisierung zum Enfant terrible, die ihn nachfolgend zum Entarteten Künstler stempelt.

Das Schaffen Oskar Kokoschkas wurzelt in der Wiener Kunstgewerbeschule, der heutigen Universität für Angewandte Kunst, die er 1904 bis 1909 besucht und wo er später auch selbst unterrichtet. In der damaligen Eliteschule Europas trafen Lehrer und Schüler aus allen Ländern der Monarchie aufeinander, mit dem ihnen eigenen Kulturempfinden und Formenrepertoir. Aus diesem Kontext heraus, in der Blütezeit des Jugendstils, gefördert von Josef Hoffmann, Adolf Loos und Paul Cassirer, unter der dominanten Künstlerpersönlichkeit Gustav Klimt als Mentor, entwickelt Kokoschka seine spezifische Formqualität. Vom secessionistischen Kunstgewerbe ausgehend, unter den vielgesichtigen Einflüssen der Kunst Gaugins, Rodins, aber auch Romakos, van Goghs und Munchs, entsteht eine eigenwillige Form europäischen Frühexpressionismus. Das zunächst sehr graphische Werk Kokoschkas wird in der Ausstellung mit Arbeiten derjenigen Künstler konfrontiert, die auf diesen künstlerischen Werdegang einwirkten, wie etwa Zeichnungen und Skulpturen von Auguste Rodin. Es werden Aquarelle und Aktzeichnungen von Kokoschka aus seiner Zeit als Schüler gezeigt, die in kürzester Zeit, innerhalb von nur wenigen Minuten, entstanden sind. Schon an diesen frühen Studien wird die hohe Sensibilität des Künstlers deutlich, die mit unmittelbarer Expression zu Papier gebracht ist, so seine Kunst auszeichnet und gerade darin mit jenem ästhetischem Kalkül seiner Zeitgenossen, wie Klimt und Schiele, kontrastiert.

1908 nimmt Kokoschka an der Wiener Kunstschau, 1909 an der Internationalen Kunstschau in Wien teil. Trotz heftigster Kritik verkauft er 1908 alle ausgestellten Werke am ersten Tag.

Erst nach seinem Abgang von der Schule wandelt sich sein Stil vom Graphischen ins Malerische. Zunächst wirken seine Gemälde noch gezeichnet, die Farbe ist schnell auf die Leinwand aufgetragen, mit Fingern und Tüchern verwischt und verrieben, mit Nägeln Konturen eingekratzt. Vor allem von Adolf Loos zur Malerei motiviert und von Alma Mahler zum Ehrgeiz gedrängt, erfährt Kokoschka eine erfolgreiche Karriere und wird neben Picasso zum teuersten und bekanntesten Maler in Europa.

Mit der jungen Witwe des Komponisten und Dirigenten Gustav Mahler verbindet ihn von 1912 für etwa vier Jahre eine leidenschaftliche Beziehung. Den von Alma Mahler herbeigeführten Abbruch sucht der Maler zu verarbeiten indem er 1918 nach genauesten Angaben einen Fetisch von der Geliebten anfertigen lässt. Entsprechend dem Fortschreiten dieses Alma-Abbildes schickt Kokoschka an die Puppenmacherin mehrere Detailzeichnungen zur Orientierung, unter anderem eine aus dem Gedächtnis gemalte Ölskizze mit den Originalmaßen. Dieser stehende weibliche Akt ist in der aktuellen Ausstellung neben einer Rekonstruktion der ursprünglichen Puppe präsentiert. Der Versuch Kokoschkas, mit der toten Materie die unerreichbare Geliebte zum Leben zu erwecken, scheitert. Weder können seine erotischen Anforderungen erfüllt werden, noch die malerischen und zeichnerischen Metamorphosen, die er nach der Puppe schafft, eine Verlebendigung Almas erreichen. 1919 zerstört Kokoschka seinen Puppen-Fetisch.

Der Titel der Ausstellung KOKOSCHKA, TRÄUMENDER KNABE – ENFANT TERRIBLE im Unteren Belvedere thematisiert Anfang und Ende der Ausstellung. Während seiner Studienzeit schafft Oskar Kokoschka im Auftrag für das Märchenbuch Die träumenden Knaben Farblithographien (Abb.1), als anerkannter, aber extrem kritisierter Künstler fertigt er jene Gemälde von dramatischen Farbharmonien, deren Qualität barock wie expressiv anmutet (Abb. 2). Zugleich will der Kurator Alfred Weidinger die Herausforderungen an Kokoschka aufzeigen, die als leitender Faden durch die Ausstellung führen. Kokoschkas Kunst ist stets ein hoch sensibles Reagieren auf seine Umwelt, sei es auf Werke der Kunstgeschichte oder auf die Ablehnung von Frauen - eine Geschichte von Herausforderungen, und eine solche Herausforderung an das Publikum soll auch diese Präsentation des Frühwerks Oskar Kokoschkas sein.

 

Autor: Mag. Margareta Sandhofer

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