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Hannah Arendt im Trialog

Informationen über das Stück Hannah Arendt im Trialog im 3raum-anatomietheater. Hannah Arendt (1906-1975) gilt als bedeutende Philosophin – sie selbst bevorzugte für ihre Tätigkeit die Bezeichnung „politische Theorie“.

Hannah Arendt

Hannah Arendt im Trialog

Am Anfang stand die Liebe. Dann folgte der Tod. Millionenfach.
Für Hannah ist die Erkenntnis „Das hätte nie geschehen dürfen“ der Ausgangspunkt für die Frage: „Wie konnte es geschehen“?

Im Gespräch, in der Kontroverse mit sich selbst macht sie sich auf die Suche nach dem Warum. Zum Emotionalen Ich und zum Intellektuellen Ich gesellt sich das Öffentliche Ich. Hier, im Inneren, in der stillen Mitte, geht die dreifache Hannah den Weg der Fragen.
Hier ist sie zu Hause, hier findet sie Ruhe.

Doch es ist nicht die Ruhe des Stillstands, auch wenn die Sehnsucht nach dem End-Gültigen groß ist: Sobald Bewegung endet, der Schwung verloren geht, beginnt das Sterben.

„Verstehen?!“ ist kein biographischer Hannah Arendt-Abend. Er nützt nur die realen, historischen Äußerungen Arendts, um den Fragen nach Leben, Liebe und dem Bösen nachzuspüren. Im Anatomiesaal der ehemaligen Veterinärmedizinischen Universität wird – mit theatralen und audio-visuellen Mitteln – diesmal der Mensch seziert, auf der Suche nach seiner Menschlichkeit.

Wer war Hannah Arendt?
Hannah Arendt (*1906, + 1975) gilt als bedeutende Philosophin – sie selbst lehnte diese Einordnung ab und bevorzugte für ihre Tätigkeit die Bezeichnung „politische Theorie“. Geboren in Hannover, aufgewachsen in Königsberg, floh sie 1933 vor Hitler nach Paris, später nach New York. Staatenlos bis 1951, wurde sie dann amerikanische Staatsbürgerin. In den USA war sie, neben ihrer theoretischen Forschung, als Journalistin und als Professorin an verschiedenen Universitäten tätig.

Weit über wissenschaftliche Kreise hinaus wurde sie mit ihrer Veröffentlichung über den Eichmann-Prozeß bekannt. Ursprünglich als Artikelserie für den „New Yorker“ geschrieben, entfachte das Buch „Eichmann in Jerusalem. A Report on the Banality of Evil“ (dt. 1964: Eichmann in Jerusalem: Ein Bericht von der Banalität des Bösen) eine erbitterte Kontroverse. Wie konnte eine Jüdin so gefühllos über die Leiden der Juden schreiben? Wie konnte sie in Eichmann, dem Monster, einen „gedankenlosen Bürokraten“ sehen, wo er doch sechs Millionen Juden auf dem Gewissen hatte?

Auch an einer anderen Begebenheit in ihrem Leben entzünden sich die Phantasien: als 18-jährige Studentin hat sie eine Liebesbeziehung mit ihrem Lehrer Martin Heidegger, dem großen Philosophen. Trotz seiner fragwürdigen Haltung Hitler und dem Nationalsozialismus gegenüber bleibt Arendt ihm bis zu ihrem Tod freundschaftlich verbunden: Wiederum wird ihr als Jüdin das von manchen übel genommen.

Hannah Arendt ist bis in die Diskussion der Gegenwart aufgrund ihres eigenständigen Denkens und der von ihr entwickelten Theorie zum Totalitarismus, ihrer Forderung nach pluralistischer Konfrontation im politischen Raum, ihrer Auseinandersetzung mit den Begriffen des Arbeitens, Herstellens und Handelns, des Denkens, Wollens und Urteilens, des Bösen und der Liebe von hoher Relevanz.

Zur Philosophie des Stücks
Ja / Nein-Antworten sind absolut und final. Sie befriedigen oder un-befriedigen unmittelbar und sofort. Sie bestätigen oder widersprechen. Und sie führen nirgendwohin.

Warum? Das ist die Frage aller Fragen, die Ja / Nein-Antworten verunmöglicht. Warum hält in Bewegung, treibt voran. Das Warum, das Wie, das Was führen uns weiter. Sie sind die Zauberworte, die dem Stehen bleiben, dem Verharren im Bequemen und Unhinterfragten entgegenwirken. Verstehen ist eine nicht endende Tätigkeit.

Der Prozess des Verstehens benötigt Distanz. Distanz wiederum steht der unmittelbaren Betroffenheit und dem Mitgefühl entgegen. Das Lachen im Moment der Erkenntnis befreit uns aus dem katatonischen Zustand, der hypnotischen Stare, die uns zu willfährigen Autoritätshörigen macht. Das Lachen geißelt die Sitten, meint Bergson, es bewirkt, dass wir sofort zu scheinen versuchen, was wir sein sollten. Wer jedoch Pathos verlangt, wird vom Lachen narzisstisch gekränkt.

Hannah Arendt im Kontext ihrer Rezeption und ihrer Faszination, im Kontext der Vorstellung und der Nachstellung, mit der einerseits sie selbst, andererseits wir als Rezipienten, Adressaten und Interessenten konfrontiert sind, ist Katalysator und Kristallisationspunkt dieses performativen Labors. Auf der Suche nach dem Verstehen werden mittels Kontradiktion und Divergenz jene Partikel ausgefällt und zu komplexen Objekten von oszillierender Ambiguität kombiniert, die erst in ihrer Zusammenschau eine Annäherung an die konzeptionelle Luminanz der Entität Hannah Arendt möglich scheinen lassen.

BIOGRAFIEN:

KAROLA NIEDERHUBER (Hannah 1)

wurde 1976 in Oberösterreich geboren.

Sie absolvierte die PASV und debütierte 1998 an den Berliner Kammerspielen in der Rolle der Constanze in Peter Shaffers Amadeus. Seither ist sie im gesamten deutschsprachigen Raum als Schauspielerin und Sängerin tätig.

Ihr letztes Engagement hatte sie am Goetheplatztheater in Bremen und in Wien war sie zuletzt am Schauspielhaus in einer Inszenierung von Barrie Kosky von Hoffmanns Erzählungen als Niclausse zu sehen

TANIA GOLDEN (Hannah 2):

geboren in Sydney, Australien,
lebt und arbeitet in Wien.

Ausbildungen zur Schauspielerin, Sängerin und Kulturmanagerin erfolgten in
Wien, Köln und Los Angeles.

Seit 20 Jahren Bühnenerfahrung als Schauspielerin und Sängerin
in freien Produktionen (u.a. Habsburg Recycling, Hubsi Kramars Showinisten, Österreichisches Theater, Schauspiegel), Mittelbühnen (u.a. Ensembletheater, Drachengasse, Schauspielhaus Wien )
und an großen Häusern (u.a. Theater in der Josefstadt (10 Jahre Ensemblemitglied), Landestheater Salzburg (Festspiele), Vereinigte Bühnen Wien („Mozart!“)).

Arbeit als Regisseurin: „Woodstock Projection“ 2001 Rabenhof, „ Lilja, liebe mich!“ 2003 Schneiderei Schauspielhaus, „Lilly und der Zeitgeist“ 2004 Weinviertler Festival und WUK, Co-Regie bei den Shakespeare-Festspielen auf der Rosenburg 2005 + 2006.

Zahlreiche Konzertauftritte als Pop-, Funk-, Soul- und Jazzsängerin mit verschiedenen Bands.
Neues Bandprojekt: „Instant Soulution“

Zuletzt war sie am Bremer Theater als Schauspielerin engagiert.

FLORIAN CAROVE ( Hannah 3 ):

wurde in Wien geboren. Schauspielstudium am Konservatorium der Stadt Wien.
Als Mowgli gab er im Alter von achtzehn Jahren am Stadtheater Klagenfurt sein Bühnendebut.

Es folgten Arbeiten am Theater der Jugend. Anschließend ging Carove für drei Jahre ans Theater Phönix Linz, wo er u. a. Rollen wie den Romeo, den Pozzo in Warten auf Godot oder den Kreon in Ödipus verkörperte. Neben Gertrud Roll spielte er in Wien den Hamlet in der viel besprochenen Inszenierung Gertrud. Der Schrei. unter der Regie von Johanna Tomek.
Anschließend führte es Florian Carove ans Schauspielhaus Wien, wo er unter der Regie von Barrie Kosky u. a. den Kafka im Verlorenen Atem interpretierte.

Gastspiele am Berliner Ensemble, Theater Festival Melbourne.

In der Spielzeit 2006 war Florian Carove als Gwendolen in Oscar Wildes Bunbury am Theater in der Josefstadt unter der Regie von Hans Hollmann zu sehen. Er erhielt dafür eine Nestroy-Nominierung als bester Nachwuchsschauspieler.

Im Sommer 2007 wird der auch in Frankreich lebende Schauspieler in dem Kinofilm Yoon von Christian Frosch und am Theaterfestival Edinburgh als Seneca in der Krönung der Poppea unter der Regie von Barrie Kosky zu sehen sein.

NICOLE DELLE KARTH (Idee, Buch und Regie):

lebt und arbeitet in Wien

Bisherige Arbeiten (Auswahl):

2006 Viel Lärm um Nichts / Rosenburg
Vorbereitung der Produktion Verstehen?! Hannah Arendt im Trialog / 3raum anatomietheater
2005 Der Widerspenstigen Zähmung / Rosenburg und
Stadttheater Baden
Vorbereitung der Produktion Viel Lärm um Nichts / Rosenburg
2004 Cechov: Drei Schwestern. Ein radikales Kammerspiel /
Bar&Co - Theater Drachengasse
2002/03 Produktionsleitung Karussell / WUK
2001 VolxTheaterKarawane / Europatour
2000 chor der nachbeter mit basso obstinato / Wiener Innenstadt und diverse Theaterfoyers
1999 Small Talk / Oblomov-Bar
1998 Kennwort "Rote Rose" (für Kärntner Spätlese)
August:IN Wien (für Inst. f. Kommunikationspädagogik)
‘Nacht, Mutter / Burgtheater Gmünd und Kärnten-Tournee
Die geliebte Stimme / Hotel Orient

CATERINA CZEPEK (Kostüm)

Studium Theaterwissenschaft / Italienisch
Sprachen in Schrift und Wort: Englisch / Italienisch / Französisch
Studium Kostümbild / Schnittentwurf und Technik (Venedig)

Assistenz bei Frida PARMEGGIANI (Auszug):
Black Rider (Hamburg)
Parsifal (Hamburg/Houston)
Assistenz Renato ANDRETTA:
L'impresario delle Smirne (Venedig)
Assistenz Uli FESSLER (Auszug):
Universum (Wien)
Zwei unter einem Dach (Wien)
Liebe, Lüge, Leidenschaft (Wien)
Assistenz Babsi LANGBEIN:
Auf der anderen Seite der Brücke (Wien)
Assistenz H. MELINC:
Liebe, Lüge, Leidenschaft (Wien)

Mitarbeit Kostüm Nationaloper Prag OSUD Regie: R. WILSON,
Kostüm: J. REYNAUD Wiederaufnahme OSUD Teatro Real Madrid
Kostümbild Film:
Bockerer IV, Regie: Prof. F. Antel 2003
Die Hutterer - Märtyrer des Glaubens, Spielfilmdokumentation 2003
Mozart: Wunder und Genie, Spielfilmdokumentation 2004 Japan

MAREN GREINKE (Raum)

Ausbildung, berufliche Tätigkeiten
1996 – 2001 Studium der Theaterausstattung/ Theatermalerei, HfBK Dresden
2004 - 2006 Studium der Bühnengestaltung bei Prof. Wonder, Akademie der Künste Wien

Bühnenbilder, Projekte
01. 2001 Inszenierung der Diplomarbeit „Fan Man“, Projekttheater, Dresden
06. 2001 Installation zum „Volksempfang“, Bayrische Theaterakademie, München

01. 2003 Bühnenbild für „Die verlassenen Musen“, Europäisches Theaterinstitut, Berlin
05. 2003 Bühnenbild für „Fremdenzimmer“, Theaterdiscounter, Berlin

01. 2004 Gruppenausstellung/Symposium „Identität“, Blitzgalerie, Dresden
08. 2004 Bühnenbildassistenz und Grafik für „Hexenjagd“, Freilufttheater Chur

01. 2006 Bühnenbild für „Überlebensgroß Herr Krott“, Max-Rheinhardt-Seminar Wien
03. 2006 Zusammenarbeit mit dem Theater Tanto für „Underground“, Wien
10. 2006 Bühnenbildassistenz am Burgtheater Wien („Ende und Anfang“)
11. 2006 Teilnahme an der Kuratorenausstellung, Akademie der Künste Wien

01. 2007 Bühnenbild für „Du und der Vergnügungspark“, Spieltriebe Burgtheater Wien


Es spielen:
Karola NIEDERHUBER,
Tania GOLDEN
Florian CAROVE

Idee, Buch und Regie:
Nicole DELLE KARTH

Raum: Maren GREINKE
Kostüm: Caterina CZEPEK

PREMIERE: 17. April 2007
Weitere Vorstellungen:
18. April – 5. Mai 2007
(Di. – So., 19.30 Uhr; Montag spielfrei)

3raum-anatomietheater
A-1030 Wien; Beatrixgasse 11

Eintritt: € 18,-- / € 12,--
Frühbucherpreis bis 31.3.2007: € 10,--
Vorverkauf: DIETHEATER KASSE, 1., Karlsplatz 5

Tel: 01 / 587 05 04

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