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Gustav Klimt

Bis 2. 2007 Oktober wird im Oberen Belvedere in einer Gegenüberstellung mit der zeitgenössischen Wiener Malerei der künstlerische Werdegang des jungen Gustav Klimt gezeigt.

Gustav Klimt und die Künstler-Compagnie

Der andere Klimt – Sonderausstellung im  Belvedere

Gustav Klimt (1862 – 1918) zählt zweifelsohne zu den international bedeutendsten Künstlern Österreichs. Dennoch wurde bislang seinem Frühwerk kaum Beachtung geschenkt. Diesem wird nun durch die Initiative von Anges Husslein-Arco, der Direktorin der Österreichischen Galerie im Belvedere, die im Besitz des Klimtarchivs und der weltweit grössten Klimtsammlung ist, ein Ende gesetzt. Nach dem Erstellen eines neuen Werkverzeichnisses, das im Herbst erscheinen wird, wird nun bis 2. Oktober unter der Leitung von Alfred Weidinger in den Prunkräumen des Oberen Belvedere in einer Gegenüberstellung mit der zeitgenössischen Wiener Malerei der künstlerische Werdegang des jungen Klimt gezeigt, dessen Genie sich aus der Tradition des Historismus heraus kristallisiert.

Malerei und Inszenierung wurden von der Persönlichkeit des Malerfürsten Hans Makart beherrscht, die rege Bautätigkeit am und um die Wiener Ringstrasse von den Architekten Gottfried Semper, Carl von Hasenauer, Theophil von Hansen und den Theater-Architekten Fellner und Helmer. Private wie öffentliche Monumentalbauten verlangten nach adäquater Ausstattung, und dieser Nachfrage wurde die 1881 gegründete Künstler-Compagnie gerecht. Noch während seiner Studienzeit an der Kunstgewerbeschule schloss sich Gustav Klimt mit seinem Bruder Ernst und Franz Matsch zu diesem Malerkollektiv zusammen, dessen Ziel es war, schnell, preiswert und unkompliziert gesamte Interieurs repräsentativ auszuschmücken. Aus einer losen Ateliergemeinschaft wurde ein Unternehmen gemacht, das sich durch seine effiziente Arbeitsweise rasch etablierte. Unter anderem wurde die Künstler-Compagnie mit der Ausstattung der prunkvollen Treppenhäuser des Burgtheaters und des Kunsthistorischen Museums betraut. Aufträge im Ausland, für Theater in Österreich-Ungarn und am Balkan, für das rumänische Königsschloss Pelesch, und schliesslich für die Hermesvilla der Kaiserin Elisabeth in Lainz bei Wien folgten.

Die Intensität der Zusammenarbeit bedingte aber nicht nur den Erfolg der Künstlervereinigung, sondern auch die Schwierigkeit der Händescheidung der einzelnen mitwirkenden Maler bisher. Eben durch die jüngste Forschungstätigkeit an der Thematik des jungen Gustav Klimt gelingt heute eine sichere Identifizierung der einzelnen Künstlerpersönlichkeiten innerhalb dieses Trios. In der aktuellen Ausstellung wird sowohl diese Problematik, wie auch das Auswirken unterschiedlicher historischer Stile am frühen Werk Gustav Klimts nachvollziehbar. Deutlich erkennbar werden dessen Wurzeln im Bereich des Kunstgewerbes und des Dekors, das die Kunst Klimts bis in seine Reife entscheidend prägt. Eine intensive Auseinandersetzung mit dem französischen Impressionismus, dem belgischen Symbolismus, aber auch mit Werken der Renaissance und des Barock zeigt sich an den einzelnen Exponaten.
Im ersten Raum der Ausstellung wird der Besucher mit Gemälden des in Wien tonangebenden Hans Makart in das künstlerische Ambiente des Historismus eingeführt. Im zweiten offenbart sich bereits die besondere Qualität der frühen Werke Gustav Klimts innerhalb seiner akademischen Umgebung von Lehrern und Kollegen. Der dritte Saal ist der Aufgabenstellung der dekorativen Ausstattung von Innenräumen gewidmet. Entwürfe in Öl und auf Papier, die die Künstler-Compagnie für ihre grossen Aufträge fertigte, zeigen Brillanz und Verve Klimts in der spontanen Strich- und Pinselführung der Skizzen. Daneben ist am wunderbaren Gemälde mit der Allegorie der „Fabel“, das Klimt 1883 als Reproduktionsvorlage schuf, die Bezugnahme auf Werke Tizians unübersehbar. Im letzten Raum werden Gemälde der einzelnen Mitglieder der Künstler-Compagnie vorgestellt und die stilistischen Brüche in ihren Werken nach der Auflösung der Compagnie 1892 deutlich demonstriert. Der stilistische Wandel im Schaffen Klimts, der sich bis zu den Jahren der Reife und der Secession vollzieht, kündigt sich bereits an. Mit dem bekannten Porträt der Sonja Knips aus dem Jahr 1898 schliesst die Ausstellung diesen Prozess der Entfaltung der spezifischen Kunst des jungen Gustav Klimt.

Die ausgewählten Exponate stammen vorwiegend aus den eigenen Beständen der Österreichischen Galerie. Agnes Huslein-Arco bleibt auch mit dieser schönen und erkenntnisreichen Ausstellung ihrem prinzipiellen Vorhaben treu: Nicht nur die im Depot verborgenen Schätze ans Licht und in die Öffentlichkeit zu holen, sondern diese auch mit ästhetischem wie wissenschaftlich hohem Anspruch zu präsentieren. Ihr nächstes Vorhaben in diesem Sinne wird die mittelalterliche Studiensammlung sein, die am 5.Juli im Prunkstall des Unteren Belvedere geöffnet wird, eine Bereicherung des aktuellen musealen Angebots, auf die man sich schon freuen darf.

Autor: Mag. Margareta Sandhofer

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