1. Stadt Wien
  2. Kunst & Kultur
Mehr Kunst & Kultur
Artikel teilen
Kommentieren
Kunst & Kultur

Gerhard Richter

Gerhard Richter ist von 30. Jänner bis 3. Mai 2009 in der Albertina erstmals seit zwanzig Jahren eine gebührende Retrospektive in Österreich gewidmet. Mit über 150 Werken, darunter 63 Gemälde, wird ein umfassender Einblick in sein malerisches und erstmalig auch zeichnerisches Oeuvre seit 1962 gegeben.

Gerhard Richter

Gerhard Richter ist von 30. Jänner bis 3. Mai 2009 in der Albertina erstmals seit zwanzig Jahren eine gebührende Retrospektive in Österreich gewidmet. Mit über 150 Werken, darunter 63 Gemälde, wird ein umfassender Einblick in sein malerisches und erstmalig auch zeichnerisches Oeuvre seit 1962 gegeben.

 

 

Der 1932 in Dresden geborene Künstler war in Sachsen zum Schriften-, Werbe- und Bühnenmaler ausgebildet worden und studierte in Folge an der Dresdner Kunstakademie bevor er 1961 aus der DDR nach Westdeutschland floh. An der Düsseldorfer Kunstakademie setzte er bis 1964 sein Studium fort. Als Entgegnung auf den sog. „Sozialistischen Realismus“ kreierte er in den 60er Jahren gemeinsam mit Sigmar Polke und Konrad Lueg die Malerei des „Kapitalistischen Realismus“, die zugleich mit feiner und sensibler Spitze ironische Kritik an der westlichen Konsumgesellschaft übt.

Auch wenn Gerhard Richter am Medium der klassischen Malerei festhielt und zum Beispiel bewusst mit den gewählten Genres von Seestücken, Landschaften, Vanitas- und Blumenstillleben, eine historische Maltradition fortsetzt, so entzieht er sich doch einer präzisen Kategorisierung da er gegenständliche Stilphasen mit abstrakten Werkgruppen unterbricht, und damit jede Zuordnung zu einer bestimmten Stilrichtung unmöglich macht. Selbst sein abstraktes Oeuvre oszilliert zwischen Minimalismus und Expressionismus. Zwischen dem immer wiederkehrenden Schaffen von photorealistischen Serien entstehen „Vermalungen“, großflächige Gemälde mit übereinander gelagerten vielfarbigen Farb-Schlingen, dann genauso monochrome graue Bilder, deren bestechende Wirkung auf ihrer diffizilen Struktur beruht, und fast gleichzeitig opulente, farbenfrohe Bilder mit riesigen Pinselzügen, deren großer Gestus auf den ersten Blick expressiv und spontan anmutet.

Der Zeichnung und dem Aquarell widmete sich Gerhard Richter erst in seinen reiferen Jahren. Zum einen deshalb, weil er sich vorwiegend als Maler sieht, der sich mittels der Farbe ausdrückt, zum anderen stand er lange der scheinbaren Intimität und Privatheit der Zeichnung, wie der historischen kunstgewerblichen Virtuosität des Aquarells, skeptisch gegenüber. In der aktuellen Ausstellung werden nun erstmals Richters Arbeiten auf Papier in einem weiten Überblick präsentiert. Ausgehend von der leuchtenden Buntheit der Primärfarben sind die unterschiedlichen Pigmente in Schichten übereinander gelegt, zu Schleiern ausgebreitet und zu Tiefen verdichtet. Richter bedient sich dazu in additivem Verfahren verschiedener Techniken, wie Kreide, Pastell und Aquarell, die, sonst traditionell streng voneinander getrennt, sich gegenseitig überlagern. Anders als in seinen Gemälden dominiert in diesem Medium deutlich die ungegenständliche Malerei, Struktur und Farbe sind dabei die grundlegenden künstlerischen Anliegen.

Die Retrospektive führt sehr schön die vielen Facetten des Künstlers vor Augen. Für die realistischen Arbeiten diente als Motivreservoir und Inspirationsquelle der von Richter seit 1962 angelegte „Atlas“, eine Sammlung von Photographien aus Massenmedien, sowie aus dem privaten Umfeld. Die Motive sind durchwegs dem Alltag entnommen, ihre Banalität durch ebenfalls im Bild dargestellten Fotorand oder Textfragment keinesweg negiert und mit Genauigkeit wiedergegeben. Gerhard Richter wendet oft eine verwischende Technik und gleichzeitige Reduktion der Farbigkeit mit oder zu Grautönen an und erreicht damit eine Distanzierung des Gemalten – das Dargestellte wird seiner originären Trivialität enthoben, es erfährt jene spezifische Überhöhung, die die photorealistische Kunst Gerhard Richters auszeichnet.

In der Albertina ist eine beeindruckende und umfassende Auswahl von Werken der unterschiedlichen Ausdrucksmöglichkeiten Richters zusammengestellt, die auch aus privaten Sammlungen und dem Besitz der Künstlers selbst stammen: realistische Arbeiten, manchmal von feinem oder sprödem Humor, dann wieder lyrisch und stimmungsvoll, werden neben den zeitgleich entstandenen abstrakten Gemälden präsentiert, die wieder voller Energie und Farbenkraft erstrahlen oder von tiefer Stille getragen sein können.

Durch dieses Wechselspiel an Stilmodi gestaltet sich der Einblick in das Schaffen Gerhard Richters und vor allem auch der Ausstellungsbesuch als durchwegs spannend und voller Überraschungen. Das Verbindende zwischen den einzelnen Werkgruppen ist vielleicht die Präzision und das Kalkül, das auch die Großzügigkeit der abstrakten Gemälde als „geplante Spontaneität“ bestimmt, wie Richter selbst betont. Seine Bilder sind nicht nur handwerklich perfekt ausgeführt, auch die Idee, Form, Inhalt und Komposition sind souverän zum Ausdruck gebracht - immer von hoher Ästhetik, immer auratisch. Das viel zu oft zitierte und strapazierte "Ende der Malerei" wird zumindest am Werk Gerhard Richters nicht bestätigt, sein Schaffen ist auch heute modern, aktuell und inspirierend.

Autor: Mag. Margareta Sandhofer

Gerhard Richter

Ausstellung in der Albertina

30.01. - 03.05.2009

täglich geöffnet 10 - 18 Uhr, Mittwoch 10 - 21 Uhr

Führungen:

Samstag, Sonntag und an Feiertagen um 15.30 Uhr, Mittwoch um 18.30 Uhr, jeweils 1 Stunde

Video
Beteiligen Sie sich am Beitrag, wir freuen uns:

Kommentar hinzufügen
CAPTCHA-Bild zum Spam-Schutz
Wenn Sie das Wort nicht lesen können, bitte hier klicken.
weitere Meinungen
Keine Kommentare
  1. Stadt Wien
  2. Kunst & Kultur