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Georges Braque

Das Bank Austria Kunstforum würdigt George Braque mit einer großen Retrospektive. Bis 1. März 2009 werden 80 Ölbilder und die wichtigsten Druckgraphiken jenes Malers gezeigt, der Anfang des 20. Jahrhunderts den Kubismus mitbegründete und damit eine künstlerische Revolution einleitete.

Georges Braque

Das Bank Austria Kunstforum würdigt Georges Braque mit einer großen Retrospektive. Bis 1. März 2009 werden 80 Ölbilder und die wichtigsten Druckgraphiken jenes Malers gezeigt, der in enger Zusammenarbeit mit Pablo Picasso Anfang des 20. Jahrhunderts den Kubismus begründete und damit eine künstlerische Revolution einleitete.

Neben der Berühmtheit Picassos blieb Georges Braque bislang unterschätzt. Obwohl er schon zeit seines Lebens mit spektakulären Ausstellungen und sein Tod 1963 in Paris mit einem Staatsakt geehrt worden ist, liegt die letzte Braque-Retrospektive nunmehr zwanzig Jahre zurück. In Österreich ist seinem Werk erstmals jetzt eine umfassende Schau gewidmet.

Georges Braque wird 1882 nordwestlich von Paris als Sohn eines Dekorationsmalers geboren.1900 kommt der junge Maler nach Paris und malt zunächst unter dem Einfluss der Kunst von Renoir, Monet und Cezanne im impressionistischen Stil. 1906 schafft Braque eine Reihe fauvistischer Landschaftsbilder, mit der für diese Stilrichtung charakteristischen intensiven Farbgebung, kraftvollen Linienführung und vereinfachten, aber dramatischen Oberflächengestaltung. Doch bald kreiert Braque absolut Neues. In seiner ersten Einzelausstellung 1908 werden in der Galerie Kahnweiler Gemälde mit Ansichten präsentiert, deren Darstellung von stark reduzierten Konturen geprägt sind, sodass sie von einem Kritiker mit der Formulierung „cubes“ rezensiert werden - eine Äußerung, die zur späteren Bezeichnung des anbrechenden Stils als Kubismus führt.

Ab 1909 vertieft sich die Bekanntschaft mit Picasso zu einer intensiven Zusammenarbeit, die bei inniger Freundschaft doch von einem stark kompetativen Verhältnis getragen wird. In einem dynamischen Kräfteverhältnis entsteht der analytische Kubismus, heute zur wichtigsten künstlerischen Wende, zur Revolution der bildenden Künste des 20. Jahrhunderts nominiert. Die enge Bindung von Picasso und Braque, ihr tägliches Zusammenkommen, Vergleichen und Beurteilen des neu Geschaffenen, und Resümieren über das kubistische Konzept führt zu einer einzigartigen künstlerischen Symbiose und letztendlich Ununterscheidbarkeit der Werke.

Die dargestellten Gegenstände werden simultan von verschiedenen Standpunkten aus wiedergegeben und dadurch fragmentiert, die Zentralperspektive in mehrere Blickwinkel zersplittert, die Sinnebene des Bildes wird vieldeutig. Die stark reduzierte Farbigkeit ist auf Grau- und Brauntöne eingeschränkt und damit das künstlerische Anliegen unterstützt, den Raum sichtbar und spürbar werden zu lassen - dieser erfährt eine greifbare Qualität.

Braque und Picasso treiben die stilistische Entwicklung des Kubismus stetig und kraftvoll voran und kommen dessen sicherem Endpunkt sehr nahe, die Konsequenz hätte in der reinen Abstraktion resultiert. Stattdessen schrecken sie vor diesem letzten Schritt zurück und schlagen den umgekehrten Weg ein. Ab 1912 heben sie die Lesbarkeit der Bilder indem sie die Gegenstände deutlicher machen und Teile von Tapeten oder Textilien einarbeiten, die eine Struktur oder Textur beschreibend oder stellvertretend präsentieren.

 

Mit der Einberufung von Braque 1914 findet die singuläre kreative Zusammenarbeit der beiden Künstler ein jähes Ende. Nach dem ersten Weltkrieg gehen Picasso und Braque getrennte künstlerische Wege. Picasso entwickelt immer neue Stilrichtungen, während Braque stiller, aber konsequent sein schöpferisches Anliegen weiter verfolgt. Er widmet sich wieder dem realen Gegenstand, schafft große Formate von kräftiger Farbigkeit, deren Flächen in ruhigem Gleichgewicht zueinander stehen. In den 20-er und 30-er Jahren entstehen Landschaften und vor allem Stillleben von klassizistischer Ruhe, das Motiv des Vogels unterstreicht eine metaphorische Komponente. In der Serie der späten Atelier-Bilder werden die Gegensätze von Figürlichem und Abstraktem in einer visionären Harmonie aufgehoben. Eine eigentümliche Charakteristik zeichnet die reife Malerei Braques aus, in dem Spiel von Formen und Farben veranschaulicht der Künstler eine größtmögliche Verdichtung von Materie und Raum und entfaltet eine Qualität von taktiler Sinnlichkeit.

Obwohl in der Entwicklung des Kubismus wesentliche Impulse von Braque ausgegangen waren, galt Georges Braque bisher als Mitläufer neben dem Revolutionär Picasso - ein historisches, aber die wirkliche Größe Braques missachtendes Fehlurteil, das Ingried Brugger, Direktorin des Bank Austria Kunstforums, korrigieren will. Ihr Anliegen, das gängige Bild von Georges Braques zu erweitern und zu verfeinern, und die Öffentlichkeit auf den hohen Wert seines Werks aufmerksam zu machen, ist in dieser Ausstellung eindrucksvoll und überzeugend realisiert.

Autor: Margareta Sandhofer

Georges Braques

Ausstellung im Bank Austra Kunstforum

1010 Wien, Freyung 8

Dauer: 14. November 2008 bis 1. März 2009

Öffnungszeiten: Täglich 10 – 19 Uhr, Freitag 10 – 21 Uhr

 

Eintritt:

Erwachsene 9.- Euro

Ermäßigt 7,50 Euro

Art Start Card (17 bis 27 Jahre) 6.- Euro

Familienkarte 20.- Euro

Gruppen (ab 10 Personen) 7,50 Euro

Kinder bis 6 Jahre frei

Personal Art Assistant, öff. Führung 3,50 Euro

 

Service, Buchung und Info: (+43 1) 537 33-26

Website: www.bankaustria-kunstforum.at

 

 

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