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Hofstätter Projekte

Anton Hofstätter hat vor gut einem Jahr die Sammlung sowie den Kunsthandel Reinhold Hofstätter übernommen. Während er den Kunsthandel mit seinem generalistischen Ansatz in den Grundzügen unverändert sehen will, so hat Anton Hofstätter das allererste Geschäft seines Vaters (1953 in der Dorotheergasse eröffnet) in den Ausstellungsraum „HOFSTÄTTER PROJEKTE“, umgewidmet. Unter der Leitung von Sophie Tappeiner will Anton Hofstätter nun diesen Raum dem Dialog zwischen Kunstwerken der bestehenden Sammlung mit zeitgenössischen Positionen widmen. Im Rahmen von fünf bis sechs Ausstellungen pro Jahr werden Künstler eingeladen auf die Sammlung Bezug zu nehmen und ihren Inhalt dadurch neu zu interpretieren.

Roter Neon-Schriftzug: "No single object is innocent."
© Bene Croy | Die Neonarbeiten von Maurizio Nannucci zierten schon die Fassade des Alten Museums in Berlin.

Projektraum

Hofstätter Projekte

Dorotheergasse 14
1010 Wien
office@hofstaetter-projekte.com
www.hofstaetter-projekte.com

Für das künstlerische Programm im ersten Jahr zeichnet Kurator Edelbert Köb verantwortlich. „Das Programm stellt die in der westlichen Welt seit Beginn des 19. Jahrhunderts mit der Entwicklung des Museumswesens stattgefundene Fragmentierung der Kunst in Sparten und Medien, in Kunst und Kunsthandwerk, in europäische und außereuropäische Kulturen, sowie in alte und moderne beziehungsweise zeitgenössische Kunst zur Diskussion“, erklärt Köb.

Die Eröffnungsausstellung von „HOFSTÄTTER PROJEKTE“ bestreitet Maurizio Nannucci. Köb weiter: „Nannuccis bekannteste und wohl populärste Neonarbeit ,All art has been contemporary’ versinnbildlicht die speziellen Intentionen des Ausstellungsprogramms. Verweist doch der Text dieses Lichtwerks sowohl auf Kunst als ein kultur- und zeitenübergreifendes, universelles Phänomen, als auch auf die Unschärfe und zeitliche Bedingtheit des Kunstbegriffs an sich.“
Weitere Projekte des ersten Jahresprogramms sind Einzelausstellungen von Klaus Mosettig, Tobias Rehberger und Constantin Luser sowie eine Themenausstellung über die Subjektivität künstlerischer Objektfotografie.

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Ausstellung

Das Thema von Hofstätter Projekte — von Maurizio Nannucci selbst in einer Neonarbeit auf der Fassade des Alten Museums Berlin auf den Punkt gebracht — lautet ALL ART HAS BEEN CONTEMPORARY. Wie alle nachfolgend eingeladenen Künstler hat auch Nannucci für seine Interpretation des weit gefassten Themas grundsätzlich Carte Blanche erhalten.

Erwartungsgemäß bilden wieder Leuchtschriften das Rückgrat der Intervention des Künstlers in den neuen Projekträumen. Ein meist zu wenig beachteter Aspekt, der von ihm mit dieser Werkkonstante verfolgten Doppelstrategie, ist der Einsatz von Text und Licht rein als Material, als plastischer Werkstoff, um vorgefundenen Raum zu definieren, zu interpretieren und zu kontrollieren. Sieben rhythmisch gesetzte, die Raumkanten horizontal und vertikal betonende farbige Schriftzüge präzisieren und gliedern das Raumkontinuum, die Farbwechsel der Neons und die daraus resultierenden Farbüberstrahlungen schaffen zusätzlich wechselnde Farbklimata und regen  so unsere sinnliche Wahrnehmung an. Eine weitere Steigerung erfährt das komplexe formale Spiel Nannuccis durch die Einbeziehung der Durchblicke zwischen den beiden Etagen des Projektraums — von oben nach unten und vice versa. 

Inhalt und Form sind für Nannucci absolut gleichwertig. Text, Textform und deren Positionierung in situ entstehen und klären sich in permanenten und offenen Prozessen gegenseitiger Durchdringung. Seine Farb- und Empfindungsräume sind immer auch Assoziations- und Denkräume. Schriftzeichen, Wörter und Sätze sind die Bedeutungsträger. So wie die fluoreszierenden Röhren farbiges Licht ausstrahlen, so verteilen die Sätze Bedeutung. Bei Nannucci sind es mehr Anstöße und Hinweise als Erklärungen, Aussagen die nie behaupten, sondern höchstens Widerspruchfreies konstatieren wie ALL ART HAS BEEN CONTEMPORARY oder Fragen stellen wie WHAT ARE WE TALKING ABOUT WHEN WE ARE TALKING ABOUT ART. So handeln die Sätze des Künstlers und Poeten auch vornehmlich vom Unausgesprochenen beziehungsweise vom Unaussprechlichen, sind nur thematische Annäherungen. Dementsprechend offen sind auch die sieben Sätze für „Hofstätter Projekte“ geworden aber, genau gelesen, kreisen sie um das Kernthema des Projektraums. WHEN THE FLOW OF TIME OPENS NEW ZONES OF IMAGINATION spielt auf die Zeitbedingtheit und/oder die Überzeitlichkeit von Kunst an, die sich im prekären Status, den prekären Kategorien und wechselnden Bedeutungen künstlerischer Artefakte manifestiert: NO SINGULAR OBJECT IS INNOCENT.

Die großen Leerflächen zwischen den Textbändern müssen bei Nannucci als „Lichtungen im Wald der Zeichen, als Moment der Stille im Lärm der Welt verstanden werden“ (Pier Luigi Tazzi). Die Textbänder für diese Ausstellung sind vergleichsweise schlicht, in nur einem Schrifttypus und einer Größe gehalten. Da sich der Künstler dazu entschieden hat, Objekte aus dem Kunsthandel Reinhold Hofstätter sowie der gleichnamigen Sammlung einzubeziehen, hat er eine Reihe an Arbeiten geschaffen, die eng mit dem programmatischen Konzept des Projektraums verknüpft sind. Mit Lustern, Sesseln (Robert Fix, Josef Hoffmann, Adolf Loos, Joseph Maria Olbrich, Otto Wagner, ...), Tischen und Büchern (Friedrich Achleitner, Adolf Loos, Ernst Jandl, Gerhard Rühm, Ludwig Wittgenstein, Margarethe Schütte-Lihotzky, Franz West) bildet er Grundformen der Schrift wie Linie, Rechteck, Kreis und setzt damit dem Bedeutungsnebel der Wörter und der Offenheit der Sätze die Bestimmtheit geometrischer Zeichen gegenüber.

„Similarities & Differences“ verleiht Maurizio Nannuccis konzeptuellem Ansatz in verdichteter Form Ausdruck. An dieser Stelle wird sein Bezug zu Wittgenstein abermals virulent, sind doch die Ensembles perfekte Demonstrationsobjekte zu dessen Begriff der „Familienähnlichkeit“: „Aber wir sind geneigt zu denken, dass die allgemeine Vorstellung von einem Blatt (Luster, Stuhl, Tisch) so etwas wie ein visuelles Vorstellungsbild ist, jedoch eines, das nur das enthält, das allen Blättern (Lustern, Stühlen, Tischen) gemeinsam ist.“

Seit den sechziger Jahren pflegt Maurizio Nannucci tiefgreifende persönliche Beziehungen mit einigen Protagonisten der zeitgenössischen Wiener Kunstszene. Die Ausstellung für Hofstätter Projekte versteht er auch ein wenig als Referenz an seine Wiener Freunde im Geiste. Dementsprechend war er sehr erfreut, in den unergründlichen Depots des eher für seine Schätze aus Gotik und Barock bekannten Kunsthandels Hofstätter auch jene modernistischen Objekte zu finden, die es ihm ermöglichten, seine Idee für Wien zu realisieren. 

Maurizio Nannuccis Arbeiten sind international ausgestellt worden, unter anderen in folgenden österreichischen Institutionen: Neue Galerie Graz, Galerie im Taxispalais Innsburck, Rupertinum / Museum der Moderne Salzburg, Secession Wien. Maurizio Nannucci hat mehrmals an der Documenta Kassel sowie der Venedig Biennale teilgenommen.


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