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Jürgen Weber
Ausstellungen Text: Jürgen Weber

Chapeau! Eine Sozialgeschichte zur Kopfbedeckung

9. Juni - 30. Oktober 2016: „Da fliegt mir doch der ...Hut weg!“ Kurz vor seiner Schließung wegen Renovierung dreht das Wien Museum noch einmal mit einer Reihe interessanter Ausstellungen so richtig auf. Ein Großteil der Exponate, die in dieser - ausschließlich den Kopfbedeckungen gewidmeten - Ausstellung gezeigt werden, stammt aus der europaweit bedeutenden Modesammlung des Wien Museums. Hut ab, das hätte man nicht gedacht!

Die Sozialgeschichte des Hutes zeigt nicht nur männliche Kopfbedeckungen.
© Wien Museum | Chapeau - die Ausstellung. Gezeigt werden Hüte in Freizeit und Politik

Ausstellung: Chapeau!  Eine Sozialgeschichte des bedeckten Kopfes
9. Juni - 30. Oktober 2016 im Wien Museum


Ausstellung aus dem Fundus des Wien Museums

Ursprünglich waren Kopfbedeckungen ja den Adeligen und später den Bürgern vorbehalten, aber die französische Revolution brauchte so manche Neuerungen mit sich. So trugen etwa die Sansculotten – die radikale Massenbewegung der Jakobiner – eine sogenannte phrygische Mütze, die heute allemal noch als Strumpf durchgehen würde, wäre sie nicht von einer schmucken Kokarde der Republik geschmückt.

Natürlich spielte neben der politischen Symbolik auch immer die praktische Funktion eine Rolle. Eine Kopfbedeckung schützte nicht nur vor Wind und Wetter, sondern auch vor niedrigem Vogelflug und dessen etwaigen Auswürfen. Der Revolutionshut war 1848 eher ein Kalabreserhut und grenzte sich damit vom reaktionären (bürgerlichen) Zylinder ab.

Der Hut als politisches Kampfmittel

Aber auch die Sozialdemokraten schützten ihre Gehirnzellen mittels Arbeitermützen, denn bei so einer Sommerdemonstration am Ring konnte einem ganz schön der Hut brennen – hätte man einen getragen. Selbst der austrofaschistische Ständestaat hatte seine eigenen Hüte. Aber auch Bauarbeiter tragen Schutzhelme, die während der Raves der 90er Jahre sogar ins Alltagsleben integriert wurden: es hätte einem beim Tanzen bis in die Morgenstunden ja womöglich der Himmel auf den Kopf fallen können.

Kopfbedeckungen in der Moderne

Das 20. Jahrhundert spaltete Konservative und Liberale, die politische Linke von der Rechten. Burschenschafter trugen einen Mortarboard, eine Mütze mit Couleur, oder einfach Kappen, die gerne als Deckel verschmäht werden. Die marxistischen Studenten wiederum bevorzugten ein Barett, das auch ihr Vorbild Che Guevara gerne trug, aber eigentlich von den Basken stammte und im 15. Jahrhundert vor allem von Bürgertum und Bauernstand getragen wurde. Aber ein Barett macht noch keine Baskenmütze und eine Baskenmütze keinen Picasso. Oder doch?

Später wiederum sollten auch die Vermummungsverbote bei Demonstrationen sowie die Kopftuchdebatte zeigen, dass die Bedeckung und Verhüllung des Kopfes noch immer Thema des politischen Links-Rechts-Diskurses sind, obwohl es sich eigentlich ja nur um Symbole handelt, Platzhalter also, die vielleicht ein allzu schütteres Haupthaar kaschieren helfen oder einfach nur warm halten.

Hut und Urbanität

Die Sozialgeschichte des bedeckten Kopfes wird in dieser Ausstellung des Wien Museums am Karlsplatz ausgiebig nachgegangen und erklärt. Sie zeigt Kopfbedeckungen und ihre TrägerInnen sowie deren Verankerung in der Wiener Stadtgesellschaft vom 19. Jahrhundert bis heute. Der Großteil der Exponate stammt aus der europaweit bedeutenden Modesammlung des Wien Museums.

Die Ausstellung wurde von Andrea Hönigmann-Polly (Wien Museum), Regina Karner (Wien Museum) und Barbara Staudinger kuratiert.

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