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Ausstellungen

climate changes everything 2 im Kunst Haus

Mit der Ausstellung „Climate Changes Everything 2“ wirft das Kunst Haus Wien, ein Museum der Wien Holding, erneut das Thema Klimakatastrophe in der Kunst auf. Schon im Sommer 2015 zeigte das Museum künstlerische Arbeiten, die sich mit den Folgen des Klimawandels kritisch auseinandersetzten. Gastkurator Raimar Stange wählte für die Folgeausstellung acht internationale Künstlerinnen und Künstler aus, die mit ihren Arbeiten Optionen des Handelns angesichts der fortschreitenden Klimakatastrophe zur Diskussion stellen. Sie fragen in ihren Videoarbeiten und Installationen nach einem alternativen Umgang mit der Natur und Umwelt, der den Mensch mit seinem sich in den Mittelpunkt stellenden Denken durch einen Biozentrismus ablöst. Mit Arbeiten von Peter Friedl, Bethan Huws, Antje Majewski und Paweł Freisler, Oliver Ressler, Stefanie von Schroeter, Rirkrit Tiravanija und Christine Würmell.

In einem Container wird Tiravanijas Film "Lung Neaw Visits his Neighbours" per Beamer an die Innenwand projeziert.
© Niko Havranek | Rikrit Tiravanijas Film "Lung Neaw Visits his Neighbours" wird in einem Container gezeigt.

climate changes everything 2

Wann: 11.2. - 30.6. 2016

Wo: Kunst Haus Wien
Untere Weißgerberstraße 13, 1030 Wien

Leben ist wichtiger als Kunst

Bethan Huws‘ außen am Ausstellungsraum installierte Textvitrine „Life is more important than art“, 2016, stellt die Frage nach dem Anthropozentrismus, indem sie die Profession der walisischen Künstlerin – eine, zu der angeblich nur der Mensch fähig ist – für zweitrangig erklärt, da das „Leben“ nun einmal wichtiger sei. Die unstbetriebskritische Sentenz variiert einen Satz des französischen Fluxus-Künstlers Robert Filliou (1926–1987), der 1983 treffend formulierte: „Art is what makes life more important than art.“ Hier wie da wird durch die jeweils vorausgesetzte Trennung von Kunst und Leben die Autonomie von Kunst behauptet und zugleich selbstkritisch in Frage gestellt. Peter Friedl zeigt in seiner Computeranimation „Home Tree Home“, 2002, Handlungsanweisungen, wie ein Baumhaus gebaut werden kann, ohne dass der Baum dabei verletzt wird. Baumhäuser stehen für einen romantischen, subjektivistischen Rückzug in die Natur, allerdings bedeutet ihre Errichtung oft Gefahr für den Baum. Im Stil sozialkritischer Kohlezeichnungen geht Peter Friedl mit einer Computeranimation, die in Zusammenarbeit mit dem Designbüro D+ erstellt wurde, der Frage nach, ob eine Verletzung des Baumes wirklich nötig ist. 

„Alle Kunstwerke dieser Ausstellung wollen – konträr zu den vielen sich selbst und den Kunstbetrieb bedienenden Positionen des Marktes – explizit etwas erreichen. Sie wollen, auf unterschiedlichen Ebenen, Bewusstsein und Gesellschaft verändern. Nahezu programmatisch für die Schau stelle ich die Behauptung von Bethan Huws „Life is more important than art“ voran. Die Künstlerin wählt das Paradox, sich als Künstlerin zurückzunehmen aber mit Hilfe von Kunst für ein übergeordnetes lebenswertes Leben zu plädieren“

-  Gastkurator Raimar Stange

Rirkrit Tiravanija stellt in seinem Video „Lung Neaw visits his neighbours“, 2011, den einfachen Alltag eines thailändischen Mannes vor, der weit weg vom Trubel Bangkoks auf dem Land lebt, dort auf die Jagd geht und auf den Feldern erntet, was er zum Leben braucht. Er spielt mit Kindern, trifft Mönche, verbringt Zeit mit seinen Nachbarn. Tiravanija fragt: „What more can one want when one is already living in Paradise?“ Ein bescheidenes Leben, „down to earth“, das mit weniger Konsum, weniger Energieverbrauch und signifikant weniger Umweltverschmutzung glücklich wird, steht in diesem 149 Minuten langen Film zur Disposition.

VideoVideo
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Biodiversität, Öko-Aktivismus, Zivilisationsmüll

Antje Majewski und Paweł Freisler stellen den Apfel ins Zentrum ihrer künstlerischen Reflexion zur Biodiversität, etwa in ihrer gemeinsamen Ausstellung „Der Apfel. Eine Einführung (immer und 2 immer und immer wieder)“ im Museum Abteiberg Mönchengladbach 2015. Eine gemeinsam mit verschiedenen städtischen Gruppen organisierte kollektive Pflanzaktion im öffentlichen Raum Mönchengladbachs verlagerte damals das künstlerische Geschehen gezielt raus aus dem hehren White Cube. In „Climate Changes Everything 2“ sind eine filmische Dokumentation dieser Aktion sowie zwei aus der Ausstellung hervorgegangene Editionen zu sehen. Auch Christine Würmells Installation „was bleibt und wächst“, 2016, die speziell für diese Ausstellung konzipiert wurde, reflektiert die Rolle, die das Kunstsystem selbst im Kontext der Klimakatastrophe spielt. Der Energieverbrauch, der während der Ausstellungsdauer im  Ausstellungsraum anfällt, wird gemessen und dabei der Anteil von „gutem“ Biostrom festgestellt. Immer, wenn dieser Anteil eine Quantität erreicht, die von einer Grünpflanze gebunden werden kann, wird eine solche Pflanze in der Ausstellung platziert.

Oliver Ressler thematisiert in seinem 18 Minuten dauernden Film „Leave in the ground“, 2013, die globalen Folgen der Klimakatastrophe und ruft zum Kampf gegen diese Entwicklung auf. Ausgangspunkt ist die anvisierte Ölförderung im Meer rund um die norwegische Inselgruppe der Lofoten. Es handelt sich hier um eines der weltweit größten Lebensareale von Fischen und Meerestieren. Die Konsequenzen der beabsichtigten Tiefseebohrungen und der Ölförderung auf diese Populationen sind unabsehbar. In der Vergangenheit hat sich jedoch gezeigt, dass ihr Überleben hochgradig gefährdet ist – politischer Aktivismus, aber auch künstlerischer Artivismus sind hier dringend gefragt.

Der Beitrag von Stefanie von Schroeter schließlich ist, wie schon bei „Climate Changes Everything 1“,  das Motiv der Einladungskarte. Das Foto „goods in process 1“, 2014, zeigt vier Hocker aus Kunststoff, die ineinander gestapelt brennend im Schnee stehen. Das so poetische wie widerspruchsvolle Bild eröffnet einen Assoziationsraum, der von „Kunst als Ware“ über „Zivilisationsmüll“ bis hin zu „zerstörerische Hitze im Winter“ reicht. Wohlgemerkt: Der Dezember 2015 war mit deutlichem Abstand der weltweit wärmste Dezember seit dem Messungsbeginn 1880.

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