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Ruth Kainberger
Ausstellungen Text: Ruth Kainberger

Galerierundgang Schleifmühlgasse 2012 - Patrick Baumüller in der Galerie Michaela Stock

Galerie Michaela Stock und NEXT DOOR in der Schleifmühlgasse 18, 1040 Wien lädt zur gemeinsamen Eröffnung mit den Galerien Christine König, Kerstin Engholm, Andreas Huber, Georg Kargl, Renner Prinz und Gabriele Senn.Michaela Stock lädt explizit zur Vernissage GRAN NADA von Patrick Baumüller am Donnerstag, den 20. September 2012, ab 18 Uhr in die Galerie ein. Fast zeitgleich eröffnet die PARKFAIR ART NOAH u.a. mit Michael Nitsche, Lukas Troberg am Mittwoch, den 19. September um 20 Uhr. KUNST ALS BALANCEAKT!

Der Galerierundgang in der Schleifmühlgasse hat sich mitlerweile zu einem Kunstereignis der feinen Art entwickelt. die Galerien Christine König, Kerstin Engholm, Andreas Huber, Georg Kargl, Renner Prinz, Gabriele Senn und Michaela Stock präsentieren Schönes, Aufwühlendes und wie Patrick Baumüller das große Nichts.

EINLADUNG zur Vernissage  GRAN NADA von Patrick Baumüller am Donnerstag, den 20. September 2012, ab 18 Uhr in die Galerie Michaela Stock

 


Fast zeitgleich eröffnet die PARKFAIR ART NOAH u.a. mit Michael Nitsche/ Lukas Troberg am Mittwoch, den 19. September um 20 Uhr.
 
KUNST ALS BALANCEAKT
Hochkonzentriert blickt der Mann im gepflegten Nadelstreif und weißem Hemd in die Höhe, denn was er tut, erfordert seine gesamte Aufmerksamkeit. Sieben Rackets wirbelt er in seiner Jonglage durch die Luft. Wurfhöhe, Flugzeit und Wurffrequenz der Objekte – all das lässt sich mathematisch genau berechnen – nur ein kleiner Moment der Unachtsamkeit genügt und schon verschieben sich die Konstanten, geraten die Dinge außer Kontrolle.


Dass Patrick Baumüller für das fotografische Selbstporträt, das eines von drei Versatzstücken seiner aktuellen Ausstellung in der Galerie Michaela Stock bildet, in die Rolle des Jongleurs schlüpft, ist gleichermaßen bezeichnend für sein Selbstverständnis als Künstler wie charakteristisch für die Beschaffenheit der meisten seiner Arbeiten. Mit dem Jongleur teilt der bildende Künstler den Außenseiterstatus in der Gesellschaft. So lässt sich die Kunst des Jonglierens zwar in den verschiedensten Kulturen jahrtausende zurückverfolgen, doch nicht immer genossen die Artisten Ansehen. Oft wurden sie als Taugenichtse abgestempelt, der Sinn ihrer Tätigkeit in Zweifel gezogen. Auch die freie, ohne Auftrag handelnde, bildende Kunst gerät immer wieder unter Rechtfertigungsdruck. Erfolgreich Kunst zu machen bedeutet einen Jonglageakt zwischen gesellschaftlicher Anpassung und Unabhängigkeit zu vollziehen. Als Künstler überleben zu wollen, erfordert oft finanzielles Jongliergeschick. Wie es aussieht hat der Artist Patrick Baumüller in seinem Selbstporträt alles gut im Griff. In Wirklichkeit aber scheint er kein Problem damit zu haben, den Schläger auch mal fallen zu lassen. Denn das allzu Perfekte interessiert ihn nicht, wird dem Betrachter nur suggeriert, um ihn heranzulocken an die Objekte, die sich sogleich jeglicher Vereinnahmung entziehen. Zu gerne würde man die einzelnen Teile der als „Bento“ betitelten Installation anfassen. Die weichen Formen in satten Farben, anziehend präsentiert auf scheinbar frei im Raum schwebenden Glasplatten, bestechen durch ihre enorm haptische Qualität. Doch was sich so kompakt präsentiert ist nicht von Dauer, würde Berührungen nicht standhalten, sondern zu Farbstaub zerfallen. Baumüller vollzieht in dieser Arbeit einen Balanceakt zwischen Anziehung und Verweigerung. Diese Polarität kennzeichnet auch sein drittes Objekt in dieser Ausstellung, ein vergoldetes Abflussrohr, dass die Spuren seiner Veredelung deutlich zu erkennen gibt, indem die Banalität des Ausgangsmaterials offensichtlich bleibt. „All that glisters is not gold” (es ist nicht alles Gold was glänzt), hörte man schon den Prinzen von Marokko in Shakespeares „Kaufmann von Venedig“ sagen. Baumüller, viele seiner früheren Werk-/ und Ausstellungstitel lassen es erahnen, hat viel übrig für Redewendungen wie diese. „Fix is Nix“ nannte er zum Beispiel sein für ein Bankgebäude konzipiertes Treppen-Geländer, dessen Handlauf sich formal auf die Index-Kurve des Dow Jones zur Zeit des Börsencrashs Ende der 1930er Jahre bezieht.
 
„Gran Nada“ nennt Baumüller nun diese Ausstellung, ein Titel den man wortwörtlich als „Das große Nichts“ übersetzen könnte. Ein vergoldetes Abflussrohr, Kleinplastiken, die bei Berührung in sich zusammenfallen und ein Künstler, der so tut als beherrschte er die Kunst des Jonglierens (denn tatsächlich verdankt sich Baumüllers akrobatische Virtuosität der digitalen Montage)… all das ist Illusion, ist Zaubertrick, ist Fake, summa summarum ein ausgeklügeltes Spiel mit Schein und Sein.


Manisha Jothady


 Galerie Michaela Stock & NEXT DOOR
galerie michaela stock
Schleifmühlgasse 18
1040 Wien

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