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Ausstellungen

Ausstellung Biedermeier im Liechtenstein Museum

Informationen über die Biedermeier-Ausstellung im Liechtenstein Museum Wien.

Biedermeier-Ausstellung
Liechtensteinmuseum, Biedermeier

Ausstellung Biedermeier

Von 1815 bis zur Gegenwart

Fürst Johann II. trug wesentlich dazu bei, Napoleon in der Schlacht bei Aspern seine erste Niederlage beizubringen. Nicht zuletzt war diesem Zusammentreffen die Unabhängigkeit des Staates Liechtenstein auch nach den Napoleonischen Kriegen zu verdanken. Nach der Neuordnung durch den Wiener Kongress verabschiedete man sich auch im Haus Liechtenstein von der grossen Politik, man widmete sich dem Leben auf seinen eigenen Gütern und eroberte in vielen Reisen die Schönheit der Heimat und der grossen weiten Welt. Fürsten reisten mit Malern, die die gemeinsamen Eindrücke festhielten. In den bisher ungehobenen und zum Teil nicht gezeigten Schätzen der Sammlung begegnet uns ein Kosmos, wie ihn uns Adalbert Stifter in seinen grossen Erzählungen und Romanen mit Worten bildhaft vor Augen geführt hat. Im Zusammenhang mit dieser Ausstellung, die sich vor allem der Schlichtheit und dem "Purismus" des österreichischen Biedermeier widmet, werden wesentliche Neuankäufe der letzten Zeit gezeigt, die noch nie zuvor in Wien präsentiert wurden.

Werke von Waldmüller oder Fendi sind ebenso erstmals im Gartenpalais Liechtenstein zu sehen wie die berühmte Porzellansammlung Bloch-Bauer, die nach ihrer Restituierung an die Eigentümer in Kanada von den Fürstlichen Sammlungen in ihren wesentlichen Teilen erworben werden konnte. Diese Manufaktur Sorgenthal, die ohne jeden Bruch vom Klassizismus ins Biedermeier überführt, setzt mit ihrem „Design“, ihrer Farbigkeit und dem Witz des Dekors Akzente, die die Moderne des frühen 20. Jahrhunderts und deren Purismus beeindruckten.


Eine ebenfalls aus dem Besitz der Familie Bloch-Bauer erworbene Schatulle würde auch heute noch jedem Überlebenskit zur Ehre gereichen. Alles, was Bieder-Mann oder -Frau benötigten, ist darin enthalten: vom Manikürzeug über ein Set von Nähnadeln bis zu den feinsten englischen Aquarellfarben birgt das kostbare Holzgehäuse mit polierten Stahleinlagen einfach alles, was dem Reisenden der Zeit offensichtlich unentbehrlich gewesen ist und beleuchtet somit eine wesentliche Facette dieser Zeit.

Einen Schwerpunkt der Ausstellung setzen Aquarelle, die die stille und beschauliche Seite des Biedermeier beleuchten. Man ging hinaus in die Landschaft und skizzierte dort die grossen Monumente, wie auch die bescheidene Welt der kleinen Dinge, auf die man erstmals intensiv seinen Blick lenkte. Waldmüller reiste nach Sizilien, um dort im Freien zu malen und das Licht des Südens einzufangen. Immer wieder liess man die Stammburg der Familie, die Ruine Liechtenstein, die man kurz davor wieder zurück erwerben konnte, als stolzes Monument seiner eigenen Geschichte und als Sinnbild des Überlebenswillens in schlechten Zeiten, von den besten Künstlern der Zeit festhalten.

Es ist ausserordentlich und erstaunlich, dass die Sammlungen des Fürsten von und zu Liechtenstein das Bild des Biedermeier und dieser Epoche in all ihren Facetten aus eigenen Beständen in allerhöchster Qualität dokumentieren können. Keine Sammlung der Welt besitzt einen derart grossen wie auch hochwertigen Bestand, der vom monumentalen Gemälde bis zur bescheidenen Bildnisminiatur oder Skizze, vom Möbel bis zum Porzellan das gesamte Spektrum dessen, was die Kultur dieser Epoche hervorgebracht hat, dem Publikum so dicht aus dem eigenen Sammlungsbestand vor Augen führen kann.


Hintergrund dieser Sammlung waren die grosse Bedeutung und der Reichtum, den die Familie auch nach der Blütezeit des Barock weiter bewahrte. Die Familie war in dieser Zeit wieder einer der grössten Bauherrn, das Spektrum reichte von der Modernisierung des Majoratshauses in der Herrengasse durch den Architekten und Erfinder Joseph Hardtmuth (1758–1816) bis zur epochalen Modernisierung des Palais in der Bankgasse unter der Federführung von Peter Hubert Desvignes (1804–1883), das am Ende der Epoche – sowohl technisch als auch ästhetisch – sicherlich zur absoluten Avantgarde zählte.

Dazwischen spannte sich der grosse Bogen von Bauführungen in den niederösterreichischen und mährischen Besitzungen, vom kleinen Lustgebäude im grössten Landschaftsgarten Mitteleuropas zwischen Feldsberg und Eisgrub bis zur Modernisierung der monumentalen Schlösser: Eisgrub wurde in dieser Epoche zweimal grundlegend erneuert.

 

KRIEG UND FRIEDEN

Das Wiener Biedermeier wird von zwei politisch-historischen Eckpfeilern zeitlich umrissen. 1815 fand der Wiener Kongress statt, der neben seiner diplomatischen Friedensfindungsmission zur politischen Neuordnung Europas nach den Napoleonischen Kriegen für die Entwicklungen auf künstlerischem Gebiet von grösster Bedeutung gewesen ist. Wien stand damals im Zentrum des Interesses von Europa, viele Maler wie beispielsweise Sir Thomas Lawrence (1769–1830) kamen damals, von den Aufträgen des europäischen Hochadels angelockt, nach Wien und beeinflussten hier die Kunstszene nachhaltig. Häufig liessen sich nach Wien angereiste Diplomaten hier porträtieren, vielfach nahm man aber auch Bilder von Wien, Aquarelle, Stiche und kleine Landschaften mit nach Hause, das Wiener Porzellan erfreute sich allergrösster Beliebtheit.

In grossen Historienbildern versuchte man die Erinnerung an diese Epoche des patriotischen Widerstands gegen Napoleon in Erinnerung zu behalten. Die Schlacht von Aspern wurde für alle beteiligten Familien, so auch für das Haus Liechtenstein, von Johann Peter Krafft (1780–1856) und auch von Johann Nepomuk Höchle (1790–1835) festgehalten. Ein Gemälde von Anton Jenik (tätig im 1. Drittel des 19. Jahrhunderts) stellt Fürst Johann I. von Liechtenstein in einer fiktiven, nie gebauten, vor der Ruine von Johannisstein in der in Hinterbrühl angesiedelten Ahnenhalle in den Kreis seiner Ahnen und Familie.

 

DIE KLEINE WELT ZUHAUSE

 

Nach der Überwindung von Krieg, Besetzung und den damit verbundenen wirtschaftlichen Restriktionen konzentrierte man sich auf das Leben in den eigenen vier Wänden und entdeckte die Schönheit der Umgebungen von Wien mit dem Wienerwald und der Landschaften der österreichischen Voralpen, im besonderen des Salzkammerguts. Ein neues Naturbewusstsein keimte in den Bildenden Künsten, in der Literatur und der Musik auf.

In der Genremalerei entdeckte man die Reize des Alltags. Das Leben der Bauern und Handwerker wurde – ganz in der Tradition des holländischen Genrebildes – zum wichtigen Bildthema. Während Maler wie Ferdinand Georg Waldmüller dieses oft gar nicht so glückliche Leben im Licht ihrer Bilder zu Monumenten des einfachen Lebens verklärten, stellten andere wie Peter Fendi oder vor allem August von Pettenkofen (1822–1889) schon am Ende der Epoche die Armseligkeit dieses Alltags in all seiner Tristesse dar. Ungeschönt und realistisch schildern sie Leid, Sorge und Armut.

 

DAS MENSCHENBILD DES BIEDERMEIER

Ausgehend von der Tradition des Spätbarock und Klassizismus erfreute sich im Biedermeier – entsprechend den immer kleiner zugeschnittenen Behausungen – in der Porträtmalerei vor allem die Porträtminiatur grosser Beliebtheit, um die Liebsten festzuhalten. Unter dem Einfluss des englischen Porträts – George Romney (1734–1802) und Sir Thomas Lawrence sind hier zu nennen – wurde allmählich die Steifheit, die in Wien die Porträtmalerei des Klassizismus dominiert hatte, überwunden.

Die Biedermeierporträts der Fürstlichen Sammlungen spiegeln das typische Bild der Gesellschaft des Vormärz wider. Die Mitglieder des Kaiserhauses sind hier ebenso präsent wie die Fürstenfamilie. Entzückende Kinderbildnisse der Prinzessinnen und Prinzen schildern die kindlich unbefangene Natürlichkeit ihrer unbeschwerten Kindheit und Jugend. Wie ein Hausfotograf bildeten die Maler Peter Fendi und Friedrich von Amerling das Heranwachsen der jungen Mitglieder des Fürstenhauses ab. Von diesen Zeugnissen kindlicher Unschuld reicht der Bogen bis zum repräsentativen Herrscherporträt Fürst Alois II. von und zu Liechtenstein im grossen Ornat, mit seinem unvergleichlich reichen Rahmen geschaffen für einen der Räume im neu adaptierten Majoratshaus in der Bankgasse.

Die Porträtgalerie ist aber auch ein Abbild der bürgerlichen Gesellschaft der Zeit, Architekten, Mediziner wie auch die Künstler selbst zählen zu den Porträtierten. Das jüngst angekaufte Bildnis des Felix Schadow, gemalt von Friedrich Wilhelm Schadow (1788–1862), seinem Stiefbruder, ist eine der Ikonen der Biedermeiermalerei in Deutschland.

 

DIE HEIMISCHE LANDSCHAFT

 

Zum ersten Mal entdeckten die Maler des Biedermeier den Reiz der Landschaften ihrer Heimat. Sie fuhren in den Prater und in die Lobau, hinaus in den Wienerwald, das Alpenvorland, aber auch bis in hochalpine Bereiche. Etwas später interessierten sie auch die Puszta der ungarischen Tiefebene und die Landschaften bis tief in den Balkan an die Grenzen des Reichs. Die Gegenden um Baden und Mödling, wo auch die von der Familie Liechtenstein wieder zurückgekaufte Stammburg lag, boten vielfältige Motive.

Ferdinand Georg Waldmüller forderte das Hinausgehen in die Natur am vehementesten und geriet damit in Konflikt mit den konservativen Kreisen der Wiener Akademie. Mitglieder des Kaiserhauses und viele Adelige suchten die Nähe zu den Landschaftsmalern und liessen sich von ihnen auf ihren Reisen begleiten. Fürst Alois II. unternahm viele seiner Reisen mit Joseph Höger, von dem die Fürstlichen Sammlungen auch die Blätter mit den Ansichten aus dem Salzkammergut verwahren, von denen ein Teil in dieser Ausstellung gezeigt wird.

 

IM LICHTE ARKADIENS – DIE ITALIENSEHNSUCHT DES BIEDERMEIER

Nach der Beruhigung der politischen Situation in Europa reisten viele Maler wieder nach Italien, um dort das Licht des Südens einzufangen. Josef Rebell (1787–1828) wurde als einer der ersten, die sich für längere Zeit in Italien aufhielten, zum Anlaufpunkt. Das Erlebnis des Vesuvausbruchs von 1822 scheint ihn, betrachtet man seine "Schilderung" des Ereignisses, tief bewegt zu haben. Jakob (1789–1872) und Rudolf von Alt (1812–1905) kehrten wie Thomas Ender immer mit einem reichen Fundus von Skizzen aus dem Süden zurück, nach denen oftmals erst in Wien ausgeführte Aquarelle oder Ölbilder entstanden; in Wien fanden sie einen florierenden Markt für diese Veduten vor. Auch Ferdinand Georg Waldmüller bereiste mehrmals Sizilien, er fing in seinen kleinen direkt vor Ort entstandenen Ölskizzen von Taormina und Agrigent die Wärme und das strahlende Licht der Insel ein.

 

FORM UND FARBE

Biedermeier war nicht gleichzusetzen mit "bieder". Das traditionelle Bild dieser Epoche, geprägt von zarten Streifchen und kleinteiligen Streublumenmustern, wird dem tatsächlichen Schaffen auf allen künstlerischen Gebieten nicht gerecht. Klare, kontrastreiche Farben und grossflächige Muster wurden immer beliebter und dominierten sehr schnell viele Produkte, von den Tapeten über die Möbel und Textilien bis zum Porzellan. Möbel bedienten sich einfachster Formen, die Kostbarkeit lag in der Auswahl der Hölzer und dem einzigartigen Finish. Sie waren leicht und beweglich, raffiniert konnten sie sich an unterschiedlichste Bedürfnisse und Anwendungen anpassen.

Die Familie Liechtenstein gestaltete das zuerst angemietete und danach gekaufte Palais Rasumofsky in diesem Geschmack zu ihrem vorübergehenden Wohnsitz um, während das Majoratshaus in der Bankgasse ab 1837 seine mehr als nur avantgardistische Neorokokoausstattung erhielt. Das Aussehen und die Farbigkeit auch dieser Räume sind uns durch die fast fotorealistischen Aquarelle Rudolf von Alts, die im Auftrag der Familie entstanden sind, überliefert.

Porzellan erfreute sich sowohl als Kunst- und Sammelobjekt wie auch als Gebrauchsgegenstand grosser Beliebtheit. Die streng klassizistischen Dekore wurden kontinuierlich von den weicheren Formen des Biedermeier abgelöst. Die Ansichten der Veduten- und Bildtassen, auf denen auch die neuesten Bauwerke des Biedermeiers abgebildet waren, zählen zum Schönsten, das diese Zeit schuf und waren ein beliebtes Luxus-Geschenk, das man aus Wien mitbrachte. Conrad von Sorgenthal (1735–1805) gelang es mit dieser Strategie, die marode Wiener Porzellanmanufaktur innerhalb kurzer Zeit wieder in ein florierendes Unternehmen umzuwandeln, seine Nachfolger konnten das Unternehmen erfolgreich weiterführen.

 

Text + Bilder: Liechtenstein Museum

Bild 1:
Friedrich von Amerling (1803–1887)
Porträt der Prinzessin Marie Franziska von Liechtenstein (1834–1909) im Alter von zwei Jahren, 1836

Bild 2:
Peter Fendi (1796–1842)
Das vorsichtige Stubenmädchen, 1834

Bild 3:
Francesco Hayez (1791–1882)
Il Consiglio alla Vendetta, 1851

Bild 4:
Wiener Porzellan-Manufaktur – Conrad von Sorgenthal
Henkeltasse mit Untertasse in Form einer Schnecke und einer Venusmuschel, 1826

Bild 5:
Wiener Meister
Schreib-, Mal- und Nähkassette

 

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