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Jürgen Weber
Ausstellungen Text: Jürgen Weber

​Ai Weiwei im 21er Haus des Belvedere

Wer die Ausstellung des international bekannten Künstlers Ai Weiwei noch nicht gesehen hat, hat nur mehr bis Sonntag, den 20.11. in Wien Zeit. Unter dem Titel "translocation - transformation" zeigt das 21er Haus des Belvedere Werke des chinesischen Künstlers Ai Weiwei. Im Mittelpunkt seines Oeuvres steht die kritische Auseinandersetzung mit Geschichte, Kultur und Politik seiner chinesischen Heimat. Monumentale Zodiac-Skulpturen und ein ganz spezieller Baum erwarten die Besucher im Garten des Belvedere und im 21er Haus.

Der chinesische Künstlerdissident Ai Weiwei bei der Arbeit.
© Belvedere | Der chinesische Künstlerdissident Ai Weiwei im Spiegel seiner Arbeit in Wien

Ai Weiwei "translocation - transformation"
Skulpturen im 21er Haus Belvedere

Wann: 14. Juli - 20.November 2016

Wo: Schloss Belvedere

Monumentale Zodiac-Ausstellung im Belvedere

Die monumentale Installation Circle of Animals/Zodiac Heads wird am großen Wasserreservoir an der Südseite des Belvedere aufgestellt. Mit den zwölf bronzenen Köpfen des Tierkreiszeichens (engl.: Zodiac) des chinesischen Horoskops will der Künstler aber auch auf die 1860 durch französische und britische Truppen erfolgte Zerstörung einer circa 1749 vor dem Sommerpalast Yuanming Yuan in Peking errichteten Brunnenanlage hinweisen und so auch die Auswirkungen des Kolonialismus auf sein Land bloßstellen. Die mutwillige Zerstörung und Plünderung des Sommerpalasts bedeutete damals nämlich eine schwere Demütigung des chinesischen Volkes.

Neuerschaffung des Zodiac-Zyklus durch Ai Weiwei

Damit wurde das Ende des zweiten Opiumkriegs, ein mit militärischer Gewalt erzwungener Opiumimport zur Durchsetzung der kolonialen Wirtschaftsinteressen, vor allem den Handel mit Tee, Porzellan und Seide, zugunsten der Kolonialherren besiegelt und das Kulturgut selbst in alle Winde zerstreut. China konnte zwar fünf der geraubten Tierköpfe erwerben und zwei weitere wurden aus der Sammlung von Yves Saint Laurent in einer Auktion angeboten. Alle anderen Köpfe des Tierkreiszeichens werden aber bis heute vermisst, was Ai Weiwei dazu veranlasste den 12-teiligen Zyklus neu zu erschaffen. Die Bronzen des Künstlers sind aber keine vollkommenen Kopien, sondern eigene künstlerische Interpretationen die vom 21. Jahrhundert beeinflusst sind. Die geköpften Häupter stecken übrigens auf Stangen werden  am Hauptbrunnen des Oberen Belvedere wie Kriegstrophäen zur Schau gestellt.

Kunst und Politik anhand eines Baums

Weiters wird Ai Weiwei im Skulpturenpark des 21er Hauses einen seiner Wurzeln beraubten, zerteilten und neu zusammengesetzten Baum aufstellen, ganz im Zeichen des Ausstellungstitels "translocation - transformation", der sich eigentlich weniger auf den Baum als auf Ai Weiweis bewegte Familiengeschichte bezieht. Mit dem Baum will der Künstler nämlich auf die Geschichte und Herkunft seiner Familie und seiner Ahnen hinweisen. Sein Vater Ai Qing, ein chinesischer Poet, wurde während der Kulturrevolution verfolgt und war schlimmen Repressalien ausgesetzt. Der Baum wurde nun ebenso schlecht behandelt wie er: zersägt, entwurzelt, disloziert und symbolisiert so das bewegende Schicksal von Ai Weiweis Vater genauso wie  sein eigenes und jedes anderen Dissidenten, der aus seiner Heimat vertrieben wurde. Kunst und Politik lassen sich für Ai Weiwei nicht trennen. 

Mehr Infos: www.21erhaus.at

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Biographie

Ai Weiwei (*1957) ist ein Konzeptkünstler, Bildhauer, Architekt und Kurator aus China, der sich in seinem Werk - mit gezielter Verwendung von Social Media - an der Kritik seiner Heimat beteiligt. Zahlreiche Einzelausstellungen, die innerhalb des vergangenen Jahrzehnts gezeigt wurden, u. a. im Haus der Kunst, München (2009), im Mori Art Museum, Tokio (2009), in der Turbine Hall der Tate Modern, London (2010), im Martin Gropius-Bau, Berlin (2014), und in der Royal Academy of Arts, London (2015) zeigen wie einflussreich der Künstler international schon geworden ist. Bücher zum Künstler und über sein Werk sind u.a. beim Taschen Verlag erschienen. 

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