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Akademie der bildenden Künste

Die Gemäldegalerie der Akademie der bildenden Künste Wien zeigt bis 9.3.08 die Ausstellung Traum vom Süden - Niderländer malen Italien.

Akademie der bildenden Künste Wien

Ausstellung Traum vom Süden

9. November 2007 - 9. März 2008

Während die kalte Jahreszeit uns fröstelnd ins Innere ziehen lässt, entführt die aktuelle Winterausstellung der Gemäldegalerie der Akademie der bildenden Künste den kunstsinnigen Besucher in das sonnige und warme Italien. Unter dem Titel „Traum vom Süden, Die Niederländer malen Italien“ hat die Direktorin der Sammlung,
Renate Trnek anhand von 110 niederländischen Meisterwerken eine Schau zusammengestellt, die uns den Blick auf Italien, und vor allem auf Rom, aus der Sicht der nordischen Künstler vom 16. Jahrhundert bis zum ausgehenden 18. Jahrhundert nachvollziehen lässt. Dazu wurde der eigene reiche Bestand an „italianisanten“ Landschaften und Genreszenen mit Gemälden aus der Fürstlich Liechtensteinschen Sammlung und großen, wie kleinen Museen Europas ergänzt.

Die Ausstellung ist sowohl chronologisch als auch motivisch in acht Themenkreise geordnet. Sie setzt mit der Entdeckung der Antike durch die jungen Romfahrer im 16. Jahrhundert an, die von Bildungshunger nach der Kultur der römischen Antike selbst, aber auch nach der modernen künstlerischen italienischen Neuformulierung derselben, angetrieben, das immer noch spätgotische Ambiente der Niederlande verließen um selbst die antiken Monumente des Forum Romanum zu erkunden und in Zeichnungen wie Gemälden festzuhalten. Ebenso wurden die neuen Errungenschaften der italienischen Kollegen studiert, das Körperideal des Michelangelo, die humanistische Bilderwelt des Andrea Mantegna, das harmonische Menschenbild und die ausgewogenen Kompositionen des Raffael. 1534 stiegen die Maler Maerten van Heemskerck, Herman Postma und Lambert Sustris in die unterirdische Welt des gewaltigen Palastkomplexes Kaiser Neros hinab, wo sie sich auch an Ort und Stelle mit ihren Namen in einem Graffitto verewigten. In ihren Bildern hielten sie die am Forum Romanum von der Natur zurückeroberte Größe der römischen Klassik fest. Heemskerck, fasziniert von der Synthese von imperialer Architektur und Natur, entwickelte nach seiner Rückkehr in die Niederlande den Typus der „Ruinenlandschaft“, Postmas Bild „TEMPUS EDAX RERUM“ (Oh, du gefräßige Zeit) ist gemalte Antikenbegeisterung, wie sie auch in die Heimat zurück überliefert wird.

Im 17. Jahrhundert wurde das antiquarische Interesse von der künstlerischen Entdeckung der optischen Reize, wie sie das südliche Sonnenlicht erzeugt, sprichwörtlich in den Schatten gestellt. Künstler aus dem Norden ließen sich permanent in der römischen Kunstszene nieder und führten zum Teil florierende Werkstätten. Der französische Landschaftsmaler Claude Lorrain und einige Holländer, wie Paul Bril oder Jan Both, suchten die Effekte des hellen, klaren Lichts auf alle Formen und Farben wiederzugeben. Mit Claude Lorrain, der den Wirkungen des Lichts und der Veränderung seiner Intensität und Farbe je nach Sonnenstand, nachspürte und erstmals vor der Natur – nicht wie zuvor im Atelier – Gemälde schuf, ist ein frühzeitiger Auftritt der Pleinairmalerei gegeben, wie sie viele Künstlergenerationen später, nach zwei Jahrhunderten, propagiert werden sollte. Das Malen mit dem Licht wurde zum folgenschweren künstlerischen Durchbruch, der im Norden bei den ansässigen Künstlern in der sogenannten „hellen“ Manier Nachahmung fand, ohne dass diese den Süden jemals bereist hätten. Die in die Heimat transportierten Eindrücke wurden zur Grundlage von phantasievoll gestalteten Italienbildern - die vielen gemalten italianisanten Landschaften vermitteln Italienstimmung, keine Italienrealität. Es ist der Stimmungsgehalt, ein Sehnsuchtsmotiv, nach der Heiterkeit des utopischen Landes Arkadien, das Phänomen, dem die Ausstellung gewidmet ist und das den Besucher seiner kalten Umwelt entreißen und in der Betrachtung außergewöhnlicher schöner Bilder Vergnügen am reinen Schauen bereiten soll.

Ausstellungsdauer
Traum vom Süden-
Die Niederländer malen Italien

Gemäldegalerie der Akademie der bildenden Künste Wien

9. November 2007 - 9. März 2008


Autor: Mag. Margareta Sandhofer


Abbildung:
Herman Posthumus (Postma),
(um 1514 – um 1566) TEMPUS EDAX RERUM (Oh, du gefräßige Zeit!) Fantastische Landschaft mit römischen Ruinen, 1536

©Sammlungen des Fürsten von und zu Liechtenstein, Wien und Vaduz

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