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Immobilien & Wohnen Text: Vera Deleja-Hotko

Gemeindwohnung: Voraussetzungen und Vormerkschein

Welche Voraussetzungen für den Einzug in eine Gemeindewohnung benötigt werden, wie die Vergabe von statten geht, wo man sich anmelden muss, was mit dem Vormerkschein-System passiert ist und was eigentlich der Unterschied zu einer geförderten Wohnung ist, erfahren Sie hier.

Gemeindebau in der Weimarer Straße erbaut 1925-1929.
© wikimedia.org/ Funke | Gemeindwohnungen in der Weimarer Straße erbaut 1925-1929.

Neue Voraussetzungen bei der Vergabe

Der amtierende Wohnbau-Stadtrat, Michael Ludwig (SPÖ), präsentierte im Juni die neuen Voraussetzungen und Richtlinien für Gemeindewohnungen. Läuft alles nach Plan, sollen die neuen Beschlüsse zu einer Vereinfachung und Vereinheitlichung des Systems führen.

Der Vormerkschein wird durch das Wiener Wohn-Ticket abgelöst. Mit dem Wohn-Ticket wird nun zuerst geprüft, ob der Antragsteller/in überhaupt die Voraussetzungen für eine Gemeindewohnung erzielt und danach erst eine, den Anforderungen entsprechende, Wohnung zugeteilt. Das „first-come, first-served“-Prinzip ist somit außer Kraft gesetzt, das heißt der Zeitpunkt der Erstanmeldung ist für die Vergabe nicht entscheidend.

Einen Bonus erhalten vor allem „alteingesessene“ Wiener/innen. Jeder Antragsteller/in benötigt, für die Ausstellung eines Wiener Wohn-Tickets, den Nachweis, die letzten zwei Jahre in Wien den Hauptsitz gemeldet zu haben. Zuzüglich werden Personen, welche schon seit längerem Wien als ihren Lebensmittelpunkt sehen, bei der Reihung der Vergabe bevorzugt. Diese Vergabekriterien sind von jeglicher Staatsbürgerschaft unabhängig.
Die ersten eigenen 4-Wände für Jungwiener/innen ist eine ausgeweitete Initiative der Stadt Wien, welche es der jungen Generation Wiens ermöglicht, das Elternhaus zu verlassen und eine Wohnung für einen erschwinglichen Preis zu beziehen.

Wie bekommt man eine Gemeindewohnung?

Sobald alle Grundvoraussetzungen erfüllt sind und ein begründeter Wohnbedarf nachgewiesen werden kann, ist es möglich das Anmeldeverfahren  einzuleiten. Entweder sie melden sich bei der Wohnberatung Wien unter der Service-Hotline 01/24 111 und vereinbaren einen Beratungstermin oder Sie füllen das Online-Formular für Ihr Wiener Wohn-Ticket aus.

Wenn die unten angeführten Dokumente bei der Service-Stelle eingereicht wurden und sie ein Wiener Wohn-Ticket erhalten haben, werden Sie dazu eingeladen diverse Wohnungen zu besichtigen. Dafür vereinbaren Sie über die Wiener Wohnen Service Hotline (01/24 111) einen Termin. Nehmen Sie beim vereinbarten Termin alle Einreichdokumente, sowie den aktuellen Einkommensbescheid, mit. Keine Panik, auch wenn Ihnen die erste Wohnung nicht zusagt, bekommen Sie die Chance, eine weitere Wohnung zu besichtigen. Dieses Privileg ist den Jungwiener/innen nicht vergönnt, sie erhalten nur ein Wohnungsangebot.

Sobald die Schlüsselübergabe stattgefunden hat, steht dem Einzug in die neuen eigenen 4-Wände nichts mehr im Wege.  

Wie lange muss man auf eine Gemeindewohnung warten?

Die durchschnittliche Wartezeit für die Prüfung eines Antrages beträgt Zwei bis drei Tage. Nach einer positiven Rückmeldung sind Sie jedoch noch nicht für eine Gemeindewohnung zugeteilt. Es wird Ihnen lediglich mitgeteilt, ob Sie als Antragsteller in Frage kommen oder nicht.

Die finale Wartezeit bis zur Übermittlung der Daten über die final zugeteilte Wohnung hängt von den Wunschbezirken, Wohnraumanzahl und der Miete, die Sie sich leisten können, ab. Es wird empfohlen, mehrere Wunschbezirke anzugeben, um flexibler zu sein und somit die Wartezeit zu verkürzen.

Wer bekommt eine Gemeindewohnung?

Was sind die Voraussetzungen und wer hat Anrecht auf eine Gemeindewohnung?

Grundvoraussetzungen für die Antragsteller/innen:

  • Vollendung des 17. Lebensjahres
  • folgende Einkommensgrenzen dürfen nicht überschritten werden:

Haushaltsgröße

Netto-Einkommen/Monat (14-mal)

Netto-Einkommen jährlich

1 Person

€ 3.140,71

€ 43.970,00

2 Personen

€ 4.680,71

€ 65.530,00

3 Personen

€ 5.297,14

€ 74.160,00

4 Personen

€ 5.912,85

€ 82.780,00

für jede weitere Person

plus € 345,00

plus € 4.830,00

  • geklärte Familienverhältnisse: Verheiratete oder Personen mit eingetragener Partnerschaft können nur gemeinsam mit ihrer/ihrem Partner/in eine Wohnung beantragen
  • seit mind. 2 Jahren in Wien (an der aktuellen Einreichadresse) hauptgemeldet sein (Ausnahme: Kinder, die seit der Geburt in dieser Wohnung gemeldet sind)
  • im Besitz einer österreichischen, schweizerischen oder EU-Staatsbürgerschaft oder dem Reisepass eines EWR-Landes (Norwegen, Liechtenstein, Island); anerkannter Flüchtling; als Drittstaatenangehörige/r  einen Aufenthaltstitel (Daueraufenthalt EU, Daueraufenthalt- Familienangehöriger) für eine unbefristete Niederlassung vorzuweisen
Michael Ludwig hält Schild auf dem Wiener Wohn Ticket steht
© PID/ Gökmen | Wohnbaustadtrat Michael Ludwig präsentiert den Nachfolger zum Vormerkschein, das Wiener Wohn Ticket.

Weitere zu erfüllende Wohnbedarfsgründe für eine Gemeindewohnung sind:

  • derzeitige Wohnung ist überbelegt
    • ein Wohnraum ist überbelegt, wenn:
      • 2 Personen in 1 Wohnraum leben
      • 3 Personen in 2 Wohnräumen leben
      • 5 Personen in 3 Wohnräumen leben
      • 7 Personen in 4 Wohnräumen leben
      • die derzeitige Wohnung unter 15 m² groß ist
    • als Wohnraum werden Räume ab 8 m² mit einem Fenster bezeichnet
  • aus krankheits- oder altersbedingten Gründen wird eine neue Wohnung benötigt
    • das bedeutet:
      • nicht mehr in der Lage zu sein, über mehrere Stufen die Wohnung begehbar zu erreichen
      • die bisherige Wohnung war eine Substandard-Wohnung, also ohne WC und Bad
    • vorzuweisende Bestätigungen:
      • fachärztliches Attest oder fachärztliche Bestätigung die nicht älter ist als 3 Monate
      • ausgenommen sind Personen:
        • älter als 65 Jahre
        • mit einer Pflegestufe 3 oder höher laut Bundespflegegeldgesetz
        • mit offenkundigen dauerhaften gesundheitlichen Beeinträchtigungen
  • unter 30 Jahre und bisher noch keine eigene Wohnung gehabt (Jungwiener/in)
    • man ist Jungwiener/in wenn, man:
      • älter als 30 Jahre
      • seit 10 Jahren im elterlichen Haushalt lebend ist
      • nicht Hauptmieter/in oder Eigentümer/in einer Wohnung ist
  • lebt mit Partner/in in einem getrennten Haushalt
    • Der Zuzug des Partners und eine damit verbundene Haushaltszusammenführung ist nicht möglich, da die bestehende Wohnung zu klein ist und dadurch eine Überbelegung entstehen würde.
  • private Dienstwohnung muss unverschuldet aufgegeben werden
    • „unverschuldet“ bedeutet:
      • gesetzliches Pensionsalter erreicht und bisher in der Dienstwohnung gelebt
      • bisheriger Dienst kann aufgrund von Arbeitsunfähigkeit nicht mehr ausgeübt werden
        • Arbeitsunfähigkeit muss vom Arbeits- und Sozialgericht anerkannt werden
  • eine oder mehrere Personen im Haushalte ist/sind Rollstuhlfahrer/in
    • Es wird ein fachärztliches Attest oder eine fachärztliche Bestätigung benötigt, um einen Antrag auf Erleichterungen für Rollstuhlfahrer/innen bei der Wohnberatung Wien zu stellen.

Gemeindewohnung Anmeldung

Wie geht die Anmeldung von statten, was muss ausgefüllt werden
Um voranzuschreiten, beim Beratungstermin oder bei der Online-Anmeldung, benötigen Sie folgende Dokumente:

  • einen amtlichen Lichtbildausweis (Führerschein, Pass, Personalausweis etc.)
  • den Staatbürgerschaftsnachweis
  • die E-Card (=Sozialversicherungskarte)
  • die Geburtsurkunde
  • die amtliche Meldebestätigung
  • ggf. die Heirats-/Partnerschaftsurkunde
  • bei verwitweten Personen: die Sterbeurkunde
  • bei Schwangerschaft: Mutter-Kind-Pass
  • aktueller Einkommensnachweis
  • ggf. ein Flüchtlingsnachweis und/oder ein Nachweis zur Arbeitsbewilligung
  • mitziehende Personen aus Nicht-EU-Ländern (Drittstaaten) benötigen einen gültigen Nachweis über den legalen Aufenthalt in Österreich
  • ggf. gerichtliche Dokumente wie Pflegschaftsnachweise, rechtskräftige Scheidungsurteile bzw. –vergleiche, rechtskräftiger Obsorgenachweis, etc.

Wichtig: Ein Nachweis über das derzeitige Rechtsverhältnis der bisherigen Wohnung (Hauptmietvertrag, Untermietvertrag, Nutzungsvertrag) ist zwingend notwendig (Ausnahme: aktuelle Hauptmieter einer Gemeindewohnung)

Es können Wunschbezirke bei der Einreichung angegeben werden. Es ist jedoch möglich, dass sich die Wartezeit dadurch erheblich erhöhen könnte.

Eine Wunschgröße für die Gemeindewohnung kann jedoch nicht berücksichtigt werden. Die Raumanzahl hängt von der Anzahl der mitziehenden Personen ab. Durch diese Einschränkung soll soziale Gerechtigkeit bei der Vergabe garantiert werden.

Die Einreichung für eine Gemeindewohnung ist selbstverständlich kostenlos. Eine Maklerprovision existiert bei Gemeindewohnungen nicht.

Gemeindewohnung Vormerkschein

Das System mit dem Vormerkschein wurde eingestellt.
Für die Direktvergaben und den Wohnungstausch von Gemeindewohnungen steht der jedoch Wohnungsanzeiger weiterhin zur Verfügung. Auch bestehende Vormerkscheine bleiben uneingeschränkt gültig.

Gemeindebau statt gefördertem Wohnbau

Unter Gemeindebau versteht man Wohnanlangen, welche von der Stadt bzw. Gemeinde in Auftrag gegeben, realisiert, finanziert und schlussendlich in ihrer Verwaltung eingegliedert wird. Jegliche Verantwortung für die Gemeindewohnungen trägt in diesem Falle die Stadt Wien.
Der Unterschied zu einem geförderten Wohnbau liegt darin, dass der geförderte Wohnbau von privaten Immobilienbesitzern finanziert und verwaltet wird. Es muss sich dabei nicht zwingend um einen Neubau handeln. Der geförderte Wohnbau setzt sich aus 3 Säulen zusammen: der Neuerrichtung von Wohnraum, der Sanierung von bestehenden Altbauten und der direkten finanziellen Unterstützung von Menschen mit niedrigem Einkommen.
Der geförderte Wohnbau und die Gemeindewohnungen unterscheiden sich somit, bis dato, nur im Besitzer und der Hausverwaltung. Die Stadt Wien möchte mit ihrem neuen Vergabeplan, den Wiener/innen die Gemeindewohnungen schmackhafter machen.

Smart Wohnungen von der Gemeinde

Unter Smart Wohnungen versteht man ein neues Projekt der Stadt Wien zur Verbesserung der Wohnqualität ihrer Bürger/innen. Kompakte Grundrissen sollen dabei helfen die rasant steigenden Wohnkosten einzudämmen. Der Preis pro m2 Fläche einer „Smart“-Wohnung wurde bei 7,50€ festgelegt. Dieses Wohnungsangebot richtet sich primär an Jungfamilien, Paare, Alleinerzieher/innen sowie Singles. Um selbst Teil des „smarten“ Wohnbau-Projektes es zu werden, müssen die Grundvoraussetzungen für das Wiener Wohn-Ticket, sowie ein begründeter Wohnbedarf (siehe weiter oben), nachgewiesen werden.

Aktuelle „Smart“-Wohnbauprojekte:

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weitere Meinungen

Eine alleinstehende Person mit über 3000 Euro Monatsgehalt bekäme eine günstige Gemeindewohnung, weil sie es z.B. bisher bevorzugt hat daheim zu wohnen. Eine Person, wie z.B. eine alleinerziehende Mutter, mit einem Bruchteil dieses Gehaltes, hat keinen Anspruch weil sie nicht mehr bei den Eltern wohnt. Wiener Wohnen vergibt Wohnungen unter diesen und anderen Voraussetzungen, gut. Nur was hat das Wort 'sozial' auf der Seite verloren? Hauptsache man beschwert sich über die scheinbar unzumutbare Leseschwäche unserer Kinder... Wirklich unzumutbar finde ich diese (und andere) rein populistische Wortzierden mit denen man gleich das ganze Volk für dumm erklärt.

, 21.08.2016 um 22:16
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