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Energie Text: Stadt-Wien.at Redaktion

Unser effizientestes Kraftwerk ist die Energieberatung

Juni 2015: Im stadt-wien.at-Interview spricht Dr. Alois Ecker, Vorstandsdirektor der Energie Burgenland AG, über Wettbewerb, Service und Ökostrom sowie die neuen Smart Meter.

Interview mit Dr. Alois Ecker, Vorstandsdirektor der Energie Burgenland AG

stadt-wien.at: Beginnen wir mit Ihrer Person als Einstieg. Was waren die wichtigsten Stationen Ihres Weges?
Alois Ecker: Ich bin ausgebildeter Jurist. Nach dem Gerichtspraktikum übernahm ich bei der EVN die erste Funktion in der Energiewirtschaft. Die ersten paar Jahre war ich Assistent des Generaldirektors Gruber. In der Folge habe ich eine Zeit lang Revision gemacht. Dann war ich mehr als 12 Jahre Vorstand bei Kabelsignal, nunmehr Kabelplus. Mit Kabelplus habe ich meine ersten Burgenland-Kontakte gehabt. Vor etwa fünf Jahren habe ich das burgenländische Kabelnetz übernommen, konsolidiert, und bin nunmehr seit drei Jahren Vorstand der Energie Burgenland – damals noch BEWAG.

stadt-wien.at: Wodurch unterscheidet sich die Energie Burgenland von den anderen Stromanbietern?
Ecker: Der wichtigste Faktor, den ich sehe und bei uns im Unternehmen verantworte, ist der Bereich Vertrieb und Service. Wir bieten – und das ist ein großer Vorteil im Vergleich zu Marktbegleitern – wirklich Dienstleistungen an, haben den Schritt vom Energieversorger zum Dienstleister geschafft. Rückblickend hat sich die BEWAG vom reinen Energiehändler zum Erzeuger entwickelt, der um 25 Prozent mehr produziert als im Burgenland verbraucht werden kann. Diese Entwicklung geschah innerhalb von 10 Jahren. Ich sage mit Stolz: Unser effizientestes Kraftwerk ist die Energieberatung. Heute spricht man von Energieeffizienz, aber das ist im wesentlichen nur ein neues Vokabel.

stadt-wien.at: Sie haben zwei Schlagworte verwendet: Energieberatung und Service. Beginnen wir beim Service. Wo liegen da die Schwerpunkte?
Ecker: Wir wollen nicht Energie verkaufen, sondern wir wollen Dienste anbieten. Ein Beispiel: Unser sogenanntes „mehrKomfortpaket“. Dabei bieten wir den Kunden Finanzierung und Dienstleistungen an. Das heißt, der Kunde hat den Thermenservice dabei und braucht sich wirklich um nichts zu kümmern. Der Kunde will ja eigentlich kein Gas und keinen Strom. Er will es warm haben und er möchte Licht haben.

stadt-wien.at: Wechsel des Energieanbieters sind in Österreich noch nicht sehr populär. 80 Prozent bleiben bei dem bestehenden Energielieferanten. Welche Gründe gibt es für einen Kunden, zur Energie Burgenland zu wechseln?
Ecker: Es wird immer wieder gesagt, man muss den Wechsel stimulieren. Wir stehen im Vertrieb im Wettbewerb. Ich sehe da nicht wirklich Regulierungsbedarf. Regulierung sollte dort stattfinden, wo sie notwendig ist.  Ich habe manchmal die Befürchtung, dass wir da und dort eine Überregulierung vorfinden. Was das Kundenverhalten anlangt: Warum soll der Kunde wechseln, wenn er zufrieden ist? Immer wieder werden Äpfel mit Birnen verglichen. Wenn ein Kunde neben dem reinen Strom und Gas auch Dienstleitungen inkludiert hat, und noch dazu einen örtlichen Ansprechpartner hat, kostet das natürlich etwas. Aber das ist dem Kunden auch etwas wert.

stadt-wien.at: Setzt die Energie Burgenland auf Dienstleistung und Service, weil im Preissegment der Spielraum sehr gering ist?
Ecker: Das möchte ich so nicht stehen lassen. Wir orientieren uns auch in unserer Tarifpolitik an den Bedürfnissen der Kunden. Natürlich haben wir einen Online-Tarif. Wenn wir uns etwas ersparen – nämlich das Drucken und Verschicken von Rechnungen – dann soll der Kunde auch etwas davon haben. Das will aber nicht jeder. Es gibt Leute, die wollen das in Papierform haben. Unser Ziel ist es, den Kunden zufrieden zu stellen. Damit man das kann, muss man seinen Kunden auch kennen – und nicht nur seine Adresse.

stadt-wien.at: Thema Ökostrom: Wie ist hier Energie Burgenland aufgestellt? Es gibt im Burgenland ja Windparks. Sind Sie Ökostrom-Produzent?
Ecker: Wir sind reiner Ökostrom-Produzent. Wir haben derzeit Windparks mit einer Leistung von 500 Megawatt in Betrieb. Bei uns gibt es keinen Graustrom. Wir sehen das nicht nur als Marketingmaßnahme sondern auch als Verantwortung gegenüber dem Land, den Bürgern und der Zukunft. Auch der Gasbereich ist in Hinblick auf den Umweltschutz sehr wichtig: für Raumwärme, aber auch für Mobilität. Wir sind stolz darauf, dass wir mehr als ein Drittel unseres Fuhrparks mit Gas betreiben. Da gibt es keinen Feinstaub und nur die Hälfte an CO2. Ich glaube aber auch, dass die Elektromobilität eine große Zukunft haben wird. Es gilt, diese Entwicklung zu forcieren. Mir geht das manchmal alles viel zu langsam. Aber ich glaube, das kommt jetzt in die Gänge. Fast alle Landesenergieversorger haben sich zu einem Bundesverband für Elektromobilität zusammengeschlossen. Da gibt es junge, sehr engagierte Leute, die sich des Themas gemeinsam annehmen. Da merkt man einen Spirit, eine Begeisterung. Das ist wichtig, wenn man neue Dinge angeht.

stadt-wien.at: Bleiben wir noch beim Thema Haushalt, Gas und Heizung. Gibt es von der Energie Burgenland Unterstützung, wenn sich jemand entschließt, von seinen alten auf neue Geräte umzusteigen?
Ecker: Wir haben erst vor kurzem eine Aktion lanciert. Unsere Kunden profitieren beim Umstieg von einer alten Gastherme oder eines Gaskessels auf ein neues Brennwertgerät mit bis zu 1.200 Euro. Wir bieten unseren Kunden auch Fernwärme an. Im Moment verdichten wir gerade in Eisenstadt. Da gibt es eine gute Nachfrage. Da sieht man auch, dass das Thema Verantwortung gegenüber der Umwelt bei den Leuten angekommen ist.

stadt-wien.at: Thema Smart Meter. Wie sehen Sie hier die Zukunft?
Ecker:
Wir haben eine gesetzliche Regelung, bei der wir die EU-Vorgaben noch einmal überholen. Wir sind schon relativ weit, werden heuer noch mit einem Rollout beginnen.

stadt-wien.at: Wo liegen hier für den Konsumenten die Vorteile? Die Smart Meter sind ja in puncto Datenschutz sehr umstritten.
Ecker:
Datenschutz muss man sehr ernst nehmen. Die elektronischen Zähler sind eine Basis für die sogenannten Smart Grids. Die sind für uns in Wirklichkeit nichts Neues mehr – früher hat man Rundsteuerempfänger dazu gesagt, das waren die Nachtspeicherheizungen. Das wurde noch nicht elektronisch abgewickelt, aber auch dabei hatte der Kunde einen Vorteil. Die Nachtspeicherheizung hatte ja nichts mit der Nacht zu tun, sondern hat dem Kunden den Strom zu Zeiten von Überschuss billiger zur Verfügung gestellt. Mit den elektronischen Einrichtungen gibt es hier flexiblere Möglichkeiten. Funktioniert hat es mit den alten Rundsteueranlagen genauso.

stadt-wien.at: Bleiben wir beim Thema billigerer Strom. Welche Angebote gibt es in diesem Bereich für Gewerbe und Industrie?
Ecker:
Da richten wir uns ganz nach den Bedürfnissen der Kunden. Ein Industriekunde braucht wahrscheinlich keine Heizwertberechnung, der braucht eher eine Blindstromkompensation.

stadt-wien.at: Welchen Stellenwert hat das Internet in der Energiebranche?
Ecker:
Wir bieten natürlich unseren Kunden auch Online-Tarife an. Der Kunde meldet sich über das Portal an und kann mit seiner Kennung seine Daten und seine Rechnungen abrufen. Ich glaube, das ist ein Generationen-Thema, vor allem für Leute, die noch jünger sind als ich.

stadt-wien.at: Aber der Trend geht altersmäßig auch sehr stark nach oben.
Ecker:
Ich beziehe meine Rechnungen – Strom, Gas, auch Mobilfunk – per Internet. Man findet die Rechnungen leichter wieder, braucht sie nicht abzulegen. Im Mailprogramm kann man sich hierzu leicht eine Regel einstellen. Und wenn man sie wegwerfen will, muss man den Papierkorb nicht ausleeren, denn der leert sich von selbst, wenn man den PC herunterfährt.

stadt-wien.at: Was wünschen Sie sich für Ihre Branche in den nächsten paar Jahren?
Ecker:
Ich wünsche mir Rechtsschutz, Vertrauensschutz und Planungssicherheit. Sie dürfen eines nicht vergessen: In der Energiewirtschaft plant man nicht auf zwei, drei Jahre. Wir haben Vorlaufzeiten – wenn man zum Beispiel an Wasserkraftwerke denkt – von 10, 15 oder 20 Jahren. Wir müssen einen sehr langen Atem haben. Das schnelle Geld ist in der Energiewirtschaft sicher noch nie zu machen gewesen.

stadt-wien.at: Danke für das Gespräch.

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