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Passivhaus: Haus ohne Heizung

Das Passivhaus schafft es, mit Hilfe einer flächendeckenden Wärmedämmung und einem ausgeklügeltem Lüftungssystem ohne Heizung auszukommen. Und das nicht nur im sonnigen Süden, sondern auch mitten im Alpingebiet. Die höheren Baukosten werden durch sehr geringe Energiekosten in der Regel kompensiert.

Passivhaus in modernen Architektenstil mit Holz und Glas vor blauem Himmel
© Michael Lorenzet/pixelio.de | Ein Passivhaus versorgt umweltschonend mit Energie ohne das architektonische Ansprüche dabei zu kurz kommen müssen.

Was ist ein Passivhaus?

Die Kriterien für ein Passivhaus sind klar definiert. Ein Haus ist dann ein Passivhaus, wenn ihr Heizwärmebedarf nicht über 10 kWh/m² im Jahr übersteigt. Damit sind sie im Durchschnitt um bis zu 25 Mal sparsamer als ein konventionelles Haus; und um bis zu vier Mal sparsamer als ein Niedrigenergiehaus.

Dabei spielt es keine Rolle, ob ein Haus nun als Massivbau oder als Fertigteilhaus realisiert wird. Auch beim Einsatz der Materialien (Holz, Lehm, Beton, Glas, Stahl, etc.) ist man nicht eingeschränkt. Das einzige, das zählt: Die Außenhülle des Gebäudes möglichst gut abzudichten, so dass kaum Wärme entweichen kann.

Mensch, Licht und Computer als Heizkörper

Dadurch, dass das Haus so gut abgedichtet ist, ist es möglich, die Räume durch die eigene Körperwärme, die warmen Abluft des Computers aufzuwärmen. Dazu kommt noch die Abwärme der Lichtquellen. Das reicht um auf eine Heizung zu verzichten. Und zwar ganzjährig.

Ausgeklügeltes Lüftungssystem

Ein Lüftungssystem ist in der Regel notwendig, um das Haus mit ausreichend Frischluft zu versorgen. Dabei wird auch hier alles der Maxime "Möglichst-keine-warme-Luft-nach draußen" untergeordnet. So wird die Wärme aus der Abluft gefiltert und der Frischluft hinzugefügt.

Dies erfordert allerdings disziplinierte Nutzer. An ein schnelles Stoßlüften oder Fensterkippen ist problematisch.

Wohnqualität von optimaler Bauausführung abhängig

In der Ausführung braucht es das richtige know-how, eine kleiner Fehler kann die Wohnqualität bereits drastisch senken.

Auf folgende Details muss besonders geachtet werden:

  • Eigene Zuluft für alle Aufenthaltsräume
  • Thermostat an einer Stelle montieren, die vor direkter Sonneinstrahlung geschützt ist
  • Perfekter Zusammenbau der Einzelbauteile, um Wärmebrücken zu vermeiden

Teure Anschaffung, sparsamer Energieverbrauch

Ein Haus in Passivhausqualität zu bauen, ist nicht billig. Die erhöhten technologischen Anforderungen schlagen sich in den Kosten nieder. Im Durchschnitt ist ein Passivhaus um 8% teurer als ein konventionelles Haus. Das machen die niedrigen Energiekosten allerdings bald wett. Alles in Allem ist mit ungefähr 2000 €/m² Wohnnutzfläche zu rechnen, ausgeführt durch einen Generalunternehmer.

In Anbetracht steigender Energiekosten wird das Einsparungspotential von Jahr zu Jahr größer. Ein durchschnittlicher Dreipersonenhaushalt gibt heute 2400 € im Jahr für Energiekosten im Haus (Strom,Warmwasser, Haushaltsgeräte) aus. Bei einem Einsparungspotential von 75% ergibt das in Zahlen zumindest 1000€ an eingesparten Kosten (exkl. Haushaltsgeräte), Tendenz steigend.

In Wien (und anderen Bundesländern) wird mittlerweile die Höhe der Wohnbauförderung an den ökologischen Standard des Hauses gekoppelt, so dass es für ein Passivhaus mehr Unterstützung gibt. Die Stadt Wien hat mit dem Projekt Eurogate die größte Passivhaussiedlung Europas auf den Weg gebracht. Die große Nachfrage zeigt, dass die Passivhaustechnologie auch in der Stadt zunehmend angenommen wird.

Schiestlhaus: Passivhaus auf 2.154 Meter Höhe

Ein Haus ohne Heizung zu bauen klingt nach einem Haus im warmen Süden, wo selbst zu kalten Jahreszeiten die Temperatur kaum die 0° Grad-Grenze unterschreiten. Aber auf 2.154 Metern, mitten im alpinen österreichischen Alpingebiet? Das Schiestlhaus versteht sich als Demonstrationsprojekt in Sachen Passivhausstandard unter widrigsten klimatischen Verhältnissen. Das Schiestlhaus wurde bereits 2004 fertiggestellt und gilt als Vorreiter für Schutzhäuser im Passivhausstandard.

Passivhaus am Dobratsch

Mittlerweile gibt es bereits Nachahmungstäter. Das Passivhaus am Dobratsch in Kärnten ist ebenfalls im Passivhausstandard realisiert. Der Bau kostete 2 Millionen Euro, umfasst 40 Schlafplätze und einen Seminarraum für bis zu 30 Personen, der auch Hochzeitsfeiern zur Verfügung steht. 

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