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Im Gespräch Text: Fritz Lindengrün

Nissan Elektroauto

Der Nissan Leaf ist das weltweit meistverkaufte Elektroauto. Der Geschäftsführer von Nissan Österreich, Nic Thomas, hat uns im Interview erklärt was Nissan anderen Hersteller voraus hat und wie die Zukunft des Fahrens aussieht.

Nissan Österreich Geschäftsführer Nic Thomas mit Ladestation Stromtankstelle
© stadt-wien.at | Nic Thomas - Geschäftsführer von Nissan Österreich - ist sichtlich stolz auf das E-Mobilitätsprojekt seines Unternehmens. Selbst ein überzeugter Nissan Leaf Fahrer, lädt er das Elektroauto täglich an der Ladestation bei seinem Büro auf.

Intelligente Fahrsysteme für die Zukunft

stadt-wien.at: Herr Thomas, Sie sind ursprünglich aus Großbritannien, jetzt Geschäftsführer von Nissan Österreich. Könnten Sie uns vielleicht durch die wichtigsten Stationen Ihrer Karriere führen?

Ja, ich habe bei einem anderen großen Autohersteller in Großbritannien begonnen, aber eigentlich in ganz Europa gearbeitet. Angefangen habe ich damit in Budapest. Dort war ich für den direkten Vertrieb verantwortlich -  also für viele unabhängige Händler, in vielen kleineren Ländern Zentral- und Osteuropas. Dann habe ich bei Ford im Hauptsitz Köln gearbeitet, als Marketingchef für Großbritannien und Produktionsleiter eines Ford Joint Ventures in Russland. Schließlich heuerte ich 2011 bei Nissan an, in unserem Hauptsitz in der Schweiz. Dort war ich bis vor kurzem als Regionaldirektor für Russland, Großbritannien und Mitteleuropa zuständig. Ich bin glücklich meine Erfahrung jetzt in Österreich einsetzen und erweitern zu können. Zum ersten Mal bin ich Head of Market für Nissan. Das ist eine großartige Gelegenheit für mich, in einem tollen Land.

stadt-wien.at: Nachhaltigkeit wird ein immer wichtigeres Thema. Wie sehen Sie die Zukunft des Individualverkehrs angesichts dieser Entwicklung?

Das ist sicher eine Angelegenheit, die uns alle in der Autoindustrie beschäftigt. Wir müssen Autos von einfachen Personenkraftwagen zu originellen Transportlösungen für wachsende Städte und deren Bevölkerung weiterentwickeln. Deshalb arbeitet Nissan zum Beispiel verstärkt an autonomen Fahrzeugen (Anm. Red.: selbststeuernd). Wir haben bereits angekündigt mit dem Jahr 2020 solche Fahrzeuge auf den Markt zu bringen. Das hört sich vielleicht nach Science-Fiction an, aber viele dieser Technologien sind bereits in den Autos, die wir heute produzieren. Wir haben bereits Geschwindigkeitsregelanlagen. Wir haben selbstparkende Autos. Wir haben Spurhalteassistenten, die einem sagen, wenn man die Spur auf einer Autobahn verlässt. Man kann diese Technologien relativ einfach etwa zu einem Stauassistenten kombinieren – also ein Auto, das sich im Prinzip selbst durch einen Stau manövriert. Das reduziert das Unfallrisiko enorm. Wenn man sich die Staus auf Autobahnen ansieht, werden diese meistens durch abrupte Bremsungen verursacht. Dabei stoßen Autos zusammen und blockieren die Autobahn. Dasselbe passiert in Städten. Wenn Autos solche Situationen vorhersagen und kontrollieren könnten, würde das den Verkehr um einiges flüssiger gestalten. Die Auswirkungen kleinerer Kollisionen würden sich drastisch reduzieren. Weniger Staus bedeuten auch weniger Emissionen. Nissan ist hier an vorderster Front, was autonome Fahrtechnologien anbelangt.  In den nächsten Jahren werden wir diese Autos vorstellen.

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Elektroautos für das echte Leben

stadt-wien.at: Unser Thema heute ist E-Mobilität. Wie sehen Sie die Zukunft von Nissan in diesem Bereich?

Nissan ist der Marktführer in diesem Bereich. Wir haben das meistverkaufte Elektroauto der Welt – der Nissan Leaf wurde etwa 135.000mal weltweit verkauft. Das ist weit mehr als jedes andere E-Car. Wir verkaufen Elektromobilitätslösungen, die an die echte Welt angepasst sind und das seit 2011. Wir haben also bereits sehr viel Erfahrung in diesem Feld. Unsere Kunden sind über 1 Milliarde Kilometer mit E-Cars gefahren. Auch das ist weit mehr als jeder andere Hersteller vorweisen kann. Während andere gerade erst beginnen, ihre ersten Produkte auf den Markt zu bringen und jetzt lernen wie das Fahren in der echten Welt ist, arbeiten wir bereits an unserer zweiten und dritten Generation von Elektrofahrzeugen.

stadt-wien.at: Was ist Ihr Vorteil? Die Batterie? Die Fahrtechnologie?

Es ist die Kombination von all diesen Dingen in ein Fahrzeug für das echte Leben. Eben weil wir diese lange Erfahrung haben, weil so viele Kunden unsere Autos jeden Tag fahren, sind wir anderen einen Schritt voraus. Andere Hersteller, die ihre Fahrzeuge erst auf den Markt bringen, müssen jetzt noch viel lernen. Sie müssen lernen was tatsächlich passiert, wenn ein Kunde mit diesen Fahrzeugen lebt. Wir haben diese Erfahrung schon gemacht und setzen sie jetzt um. Heuer werden wir unseren Nissan e-NV200 vorstellen - unser erstes elektrisches Nutzfahrzeug. Das ist keines dieser Dinger, die eine Batterie drin haben und einmal um die Ecke fahren können. Das ist ein Fahrzeug für das echte Leben. Ein LKW den man im tatsächlichen Alltag benutzen kann. Taxi-Firmen, Lieferdienste und Kleinunternehmen zeigen bereits ein sehr großes Interesse. Sie sehen die enormen Vorteile, die ein Elektrofahrzeug haben kann. Weil wir so viel Erfahrung haben können wir so etwas auf den Markt bringen. Außerdem sind wir natürlich auch Vorreiter in der Entwicklung neuer Batterien und Fahrtechnologien für die Zukunft.

stadt-wien.at: Wie sieht es mit der Miete für Batterien aus? Was ist die Idee dahinter?

Aus unserer Erfahrung wissen wir, dass manche Kunden unsicher sind, was das Besitzen der Batterie anbelangt. Das ist schließlich ein sehr teurer Teil des Fahrzeugs und manche Leute sind besorgt über die Haltbarkeit. Um ihnen diese Unsicherheit zu nehmen, haben wir folgende Option eröffnet. Kunden können das Auto kaufen und besitzen, aber auf die Batterie bieten wir ein Leasing an. Noch einfacher so lange Sie ein Nissan Fahrzeug besitzen, werden wir Sie mit einer Batterie ausstatten, die wir garantieren. Das aller einfachste ist es aber, dass ganze Fahrzeug zu leasen – entweder von einem unserer Partner, unserem eigenen Finanzierungssystem oder der Raiffeisen Bank. Auch eine ganz interessante Sache ist, dass wir Kunden die sich für E-Cars interessieren in Kontakt mit Kunden bringen, die schon eines besitzen und ihre Erfahrungen teilen wollen. Es bin also nicht ich, der dem Kunden sagt er soll sich keine Sorgen machen, sondern ein echter Nissan Leaf Fahrer. Ich bin allerdings auch selbst ein Nissan Leaf Fahrer. Ich fahre ihn jeden Tag, ich liebe es. Es hat mich ehrlich überrascht, als ich das erste Mal hinterm Steuer gesessen bin. Ich erwartete ein sehr „konservatives“ Fahrgefühl, weil es eben ein Elektroauto ist. Tatsächlich ist es ein unglaublicher Spaß den Nissan Leaf zu fahren. Man bekommt sofortige Beschleunigung, ein tolles Auto. Ich lebe im 18. Bezirk ich kann nicht vor dem Haus parken oder daheim aufladen. Dafür habe ich eine Ladestation bei meinem Büro. Das gewährt mir mehr als genug Reichweite um überall hinzukommen, wo ich hin muss. So etwas möchten wir natürlich auch unseren Kunden bieten. Wo immer wir eine Partnerschaft mit Unternehmen eingehen, bieten wir den Nissan Leaf nicht nur als Firmenwagen, sondern auch für die Angestellten – zu vergünstigten Leasingraten – an. Wir arbeiten dann mit dem Unternehmen zusammen um eine Ladeinfrastruktur auf dem Firmengelände einzurichten.

stadt-wien.at: Wie sehen Sie die Preisentwicklung für Elektroautos in der nahen Zukunft?

Momentan sind die Preise relativ stabil. Wenn Sie sich die Förderungen ansehen und diese mit den Leasingpaketen und Vergünstigungen kombinieren, die wir zurzeit anbieten, liegt der Gesamtpreis für ein Elektroauto, ziemlich nahe an dem eines konventionellen PKWs. Hinzu kommt, dass Sie viel Geld bei den Kosten für das Besitzen und Betreiben des Fahrzeugs sparen. Das Tanken beziehungsweise Laden ist wesentlich günstiger und das auch wenn Sie für den Strom selbst zahlen. Bei mir übernimmt das der Arbeitgeber, der Betrieb kostet mich somit praktisch überhaupt nichts. Ich bin mir sicher, dass andere ähnliche Erfahrungen gemacht haben. Außerdem gehen wir demnächst eine Partnerschaft mit Smatrics ein, die ein landesweites Ladenetz betreiben. Wir werden  unseren Kunden, dann eine Smatrics-Card zur Verfügung stellen mit der Sie in ganz Österreich Strom tanken können.

stadt-wien.at: Wenn Sie das Phänomen der Elektromobilität zwischen Österreich und beispielsweise Großbritannien vergleichen, was sind die wesentlichen Unterschiede?

Zwei Märkte sind im Bereich der Elektromobilität ganz weit vorne. Der eine ist Norwegen. Hier gibt es sehr hohe Förderungen für Kunden, die Elektroautos kaufen. In Oslo gibt es eigene Spuren und Parkplätze für Elektroautos. Großbritannien ist an zweiter Stelle ganz nahe an Norwegen. Unter anderem auch wegen der guten Beziehung zu Nissan. Schließlich produzieren wir dort. Elektroautos sind beispielsweise von der Londoner Staugebühr ausgenommen (Anm. Red.: Gebühr von 14,59 € pro Tag für tagsüber fahren). Auch die Park- und Ladeinfrastruktur wird durchgehend erweitert.

Letzte Woche war ich in Paris, wo man mittlerweile auch eine sehr starke Ladeinfrastruktur in der Stadt sehen kann. Umweltbewusste Städte, die sich auch über die Zukunft nachhaltiger Mobilität im Klaren sind, investieren hier sehr viel. Diese Bemühungen, insbesondere was die Ladeinfrastruktur betrifft,  haben wir in Wien und Österreich noch nicht in so einem Umfang gesehen. Wir würden diese Entwicklung aber sehr gerne unterstützen. Ich denke in einem Land wo so viel Elektrizität aus erneuerbaren Energiequellen gewonnen wird, ist das eine fantastische Gelegenheit Emissionen zu reduzieren. Ich würde hier sehr gerne mit der Stadtverwaltung zusammen arbeiten um die Ladeinfrastruktur auszubauen. Es wäre eine tolle Chance zum Beispiel Taxifirmen mit unserem Nissan Leaf und dem e-NV200 auszustatten. Diese Autos sind beide sehr geräumig. Der Nissan Leaf ist ein richtiger Familienwagen. Der e-NV200 kann sowohl als Nutzfahrzeug als auch als Mehrpersonenwagen eingesetzt werden. Das wäre eine tolle Sache.

stadt-wien.at: Warum investieren Bund, Länder oder Gemeinden nicht mehr in diese Technologie?

Ich kann nicht behaupten, dass ich da genug Einsicht habe um die Gedanken dahinter zu verstehen. Natürlich wäre es ideal, würden alle öffentliche Verkehrsmittel benutzen würden. Aber wir müssen realistisch sein. Wenn ich durch Wien fahre, sehe ich sehr viel Straßenverkehr, viele Staus und Autos die an Ampeln warten. Die meisten dieser Fahrzeuge produzieren dabei durchgehend Emissionen. Ich - in meinem Nissan Leaf - produziere keine Emissionen, wenn ich an der Ampel warte. Ich verbrauche auch keinen Strom in einem Stau und wenn ich dann losfahre produziere ich genauso keine Abgase. Ich hoffe wir können mehr solche Autos auf die Straßen bringen auch in Form von Taxis und Nutzfahrzeugen.

stadt-wien.at: Wie sieht es mit dem Service aus? Ist das Personal in allen Nissan Werkstätten auf E-Cars geschult oder haben Sie hierfür spezielle Service Stationen?

Alle Händler und Partner sind geschult in Service und Wartung für unsere Leaf-Kunden. Was - nebenbei erwähnt - auch einfacher ist, als bei Autos mit Verbrennungsmotor. Aus der Perspektive des Kunden ist der Wartungsaufwand wesentlich geringer und die Kosten dafür genauso. Aber ja, alle Händler sind hierfür geschult und bieten darüber hinaus auch Ladestationen für die Kunden.

stadt-wien.at: Wie stellt sich das System bei Probefahrten dar? Können Kunden das Fahrzeug für eine Stunde oder den ganzen Tag testen?

Jeder unserer Händler hat einen Nissan Leaf als Vorführwagen. Das funktioniert genauso wie eine Probefahrt für jedes andere Auto. Sie müssen sich nur auf unserer Webseite für die Probefahrt anmelden oder den Händler direkt kontaktieren und einen Termin vereinbaren. Bald werden wir außerdem siebentägige Probefahrten einführen. Kunden die interessiert daran sind, wie der Nissan Leaf in ihren Alltag passt, können ihn dann für sieben Tage ausborgen. Damit werden wir demnächst noch mehr an die Öffentlichkeit gehen.

stadt-wien.at: Herr Thomas, wir bedanken uns für das Interview und wünschen weiterhin viel Erfolg!


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