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Ruth Kainberger
Im Gespräch Text: Ruth Kainberger

Interview mit Bürgermeister Schröttner von der Gemeinde Semmering

Der Semmering, Heilklimatischer Luftort und internationaler Wintersportplatz. Die Semmering-Bahn, die erste Gebirgsbahn der Welt, hat den Ort schon vor rund 160 Jahren bekannt gemacht und seit den 1920er ist er auch wegen seiner hohen Luftgüte berühmt und bis heute als Höhenluftkur-Ort beliebt. Bei Gästen, die von Wien aus ganz schnell und bequem direkt mit der Bahn anreisen können, und natürlich bei all jenen, die in diesem schönen, geschichtsträchtigen Ort einen Zweitwohnsitz zusammen mit der guten Luft genießen. Wir haben Bürgermeister Horst Schröttner vor das Mikrofon gebeben.

© stadt-wien.at | Bürgermeister Horst Schröttner

Stadt-wien.at zu Gast bei Bürgermeister Horst Schröttner

Der Bürgermeister der Gemeinde Semmering im Gespräch mit Ruth Kainberger.

Herr Schröttner, seit wann sind Sie Bürgermeister?

Ich bin seit 1970 in der Kommunalpolitik tätig und seit 2005 Bürgermeister.

Welche Erfolge können Sie seit 2005 verbuchen?

Ein großes Problem, das wir hatten, haben wir durch die Untertunnelung der Passhöhe beseitigt. Dadurch wurden große Flächen auf der Passhöhe frei, auf denen früher riesige Lastkraftwägen mit laufenden Aggregaten in der Nacht geparkt haben. Dort haben wir jetzt versucht schön gestaltete Parkflächen zu machen und sind gerade bei der Fertigstellung eines Ortszentrums auf der Passhöhe. Wir haben das Gemeindeamt auf die Passhöhe verlegt, um unseren Gästen besser mit Information, mit Auskunft, mit dem Tourismusbüro, mit einer richtigen Bürgerservice-Leistung dienen zu können.

Die Gemeinde Semmering wurde durch den Höhenluftkurort bekannt und vor ca. 160 Jahren wurde auch die Semmering-Bahn gebaut. Was ist das Besondere an der Semmering-Bahn die seit 1998 zum Unesco Weltkulturerbe zählt?

Das Besondere sind die Bauwerke, die 1854 mit ca. 20.000 Arbeitern fertig gestellt wurden. Carl Ritter von Ghega hat hier die erste Gebirgsbahn der Welt gebaut, die auch die Verbindung zwischen Wien und Triest ist, eine Strecke, die in der damaligen Kaiserzeit strategisch notwendig war. Durch diese Bahn wurde der Semmering auch erst bekannt. 1920 wurde dann bereits das erste medizinische Gutachten erstellt über die hohe Luftgüte am Semmering und es wurde der Begriff geprägt „Der Semmering hat das selbe Klima wie Davos“ – und das gilt heute noch. Es gibt viele Menschen, die eine Zweitwohnung am Semmering haben, in der sie im Sommer wohnen, nur um hier die ruhigen Nächte in dieser wahnsinnig guten Luft genießen zu können, weil sie es in der Nacht in Wien nicht aushalten. Die kommen nur zum Schlafen in ihre Zweitwohnung und fahren dann wieder mit der Bahn zurück. Es halten inzwischen 11 Schnellzüge am Semmering – diese Bahnverbindung ist seit letztem Jahr auch ganz toll. Natürlich verbringen diese Gäste dann aber auch das Wochenende hier, um die gute, gesunde Luft zu genießen.

Gibt es spezielle Personen, für die dieser Höhenluftkurort von besonderer Bedeutung ist hinsichtlich bestimmter Krankheiten, die damit geheilt werden können?


Vom medizinischen Gutachten her besonders für Personen mit Atemwegserkrankungen, die heute immer mehr werden, für Bronchial-Erkrankungen und für Rekonvaleszente – dafür ist der Semmering berühmt. Einige unserer berühmten Gäste mit einer Zweitwohnung hier sind zum Beispiel Professor Attersee, Professor Herzl, Teddy Podgorski, Otto Schenk, die hier diese gute Luft – der Semmering ist ja ein heilklimatischer Höhenluftkurort – und diese schöne Landschaft genießen und teilweise jedes freie Wochenende am Semmering verbringen.

Sprechen wir ein wenig über die Zukunft. Was sind denn die unmittelbaren Pläne bzw. Aussichten für die Gemeinde bzw. die Region hier rund um den Semmering?

Wir haben mit der Nähe zu Wien einen großen Vorteil: Die Autobahn geht bis 2 Kilometer unter den Semmering und damit ist man in einer dreiviertel Stunde von Wien am Semmering. Wir haben in der letzten Zeit aber auch immer mehr Gäste aus den neuen EU-Ländern, aus der Slowakei und aus Ungarn, und es gibt auch schon etliche slowakische Bürger, die am Semmering Zweitwohnungen oder Häuser gekauft haben und von denen höre ich immer wieder „Bürgermeister ich brauche von Bratislava keine zwei Stunden bis zum Semmering.“ Das ist ein riesiger Vorteil. Wenn ich denke, wenn man heute auf Urlaub fährt, nach Griechenland oder sonst irgendwo hin, braucht man vom Flughafen zwei, drei oder gar vier Stunden bis man in seinem Urlaubsquartier ist. Vom Flughafen Schwechat aus braucht man heute dagegen nur eine dreiviertel Stunde auf den Semmering. Hier stehen 850 Fremdenbetten in allen Kategorien zur Verfügung, von der kleinen Frühstückspension an bis hin zum Nobelhotel Panhans. Hier kann man seinen Urlaub genießen.


Wir wollen in nächster Zeit einen Klettergarten errichten und wir wollen selbstverständlich auch unsere Wander-Spazierwege ausbauen. Wir haben über 400 Bänke in freier Natur stehen, das heißt, es ist auf allen Wanderwegen dafür gesorgt, dass man auch rasten kann, eine Jause einnehmen, am Berg oben die einzelnen Hütten besuchen und so weiter.

Was bietet die Gemeinde Semmering konkret Leuten, die sich dafür interessieren, sich hier einen Zweitwohnsitz anzuschaffen? Gibt es hier spezielle Angebote?

Es gibt viele Zweitwohnbesitzer, die Mitglied im Sportverein werden und damit eine vergünstigte Saisonkarte von den Bergbahnen genießen können. Es gibt den Kulturverein, der diesen Sommer schon das zweite Mal ein Sommer-Festival hatte, wo es über 50 Veranstaltungen gibt. Unsere Zweitwohnbesitzer, die für einen ganz, ganz kleinen Beitrag Mitglied im Kulturverein sein können, bekommen diese Karten wesentlich günstiger und haben damit natürlich schon Vorteile. Im Winter haben sie ein geräumtes Straßennetz, sie können zu Fuß zu den Bergbahnen und den Liften.


Wir würden uns natürlich wünschen, dass sich mehr Zweitwohner hier hauptmelden – hier haben wir leider das Problem mit der Stadt Wien wegen den Parkpickerln, weswegen sich viele die hier auf ihrem Zweitwohnsitz hauptgemeldet sind, abmelden, weil sie sonst in Wien kein Pickerl bekommen. Obwohl wir mit den 11 Schnellzugverbindungen doch einen großen Anreiz haben, so dass wieder sehr viele Gäste mit der Bahn kommen, weil es einfach bequem ist. Von Wien-Meidling fährt man nicht ganz eine Stunde und am Bahnhof warten dann auch schon die Taxis. Und bestimmte Hotelbetriebe wie Panorama-Hotel oder Artis haben hoteleigene Fahrzeuge oder Busse und holen ihre Gäste direkt ab. Damit, sowohl mit der Bahn als auch mit den Leistungen solcher Hotelbetriebe, ist natürlich ein hoher Service gegeben.

Ist betreffend der Semmering-Bahn eine Nostalgie-Bahn geplant?

Angedacht ist sie. Es gibt hier nur immer wieder das Thema, ob der neue Basis-Tunnel kommt, und ob die Südbahn stillgelegt wird (Anm.d.Red: Die Semmering-Bahn ist eine Teilstrecke der Südbahn.). Als Verantwortlicher für das Weltkulturerbe „Semmering-Bahn“, kann ich nur sagen, dass er hier einen Vertrag mit der Unesco und der Republik gibt und die Republik hat in diesem Vertrag festgehalten, dass die Semmering-Bahn erhalten bleibt.
Wenn aber natürlich der Überlandverkehr, der Lastverkehr, die Schnellzüge unten durch fahren, kann man dann die Semmering-Bahn touristisch auch ganz anders verwerten und nutzen. Und das ist dann natürlich auch für die Region eine große Chance.

Vergleichbar mit anderen Bahnstrecken auf der Welt, die in dieser Art genutzt werden?

Ja. Ich habe hier auch ein ganz persönliches Beispiel in Kanada, wohin mein Sohn ausgewandert ist. Als wir ihn dort besuchten und nach Calgary gefahren sind wollten wir mit dem Canadian Rocky Mountaineer, (Anm.d.Red: Nostalgiezug mit Panoramawagen und vollverglastem Aussichtswaggon) nach Vancouver fahren. Ein halbes Jahr Anmeldezeit! Also nicht ganz einfach hingehen, Karten kaufen und fahren. Das kann ich mir für die Semmering-Bahn zwar nie vorstellen, aber es funktioniert und floriert. Warum also soll ich die Semmering-Bahn nicht mit einem gläsernen Dach versehen, fünf Stopps einlegen, die Landschaft erklären, die Bauwerke erklären und das in dieser Art touristisch nutzen. Ich werde das wahrscheinlich nicht mehr in meiner Amtsperiode erleben, wegen meines Alters, aber für meine Nachfolger kann ich mir das nur wünschen.

stadt-wien.at bedankt sich für das Gespräch.

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