1. Stadt Wien
  2. Im Gespräch
Mehr Im Gespräch
Artikel teilen
Kommentieren
Im Gespräch

Die Wiener Installateure - Interview mit Innungsmeister Mattes

stadt-wien.at war zu Gast in der Innung der Wiener Installateure. Interviewpartner, Innungsmeister Herrn KommR Ing. Michael Mattes, informiert zu den Themen Lehrlingsausbildung und aktuelle Arbeitssituation der Installateure im Raum Wien.

Installateur-Werzeug, ein sogenannter Engländer, der eine ein Euro Münze festhält
© Thommy Weiss/pixelio.der | Karriere mit Lehre: Ein handwerklicher Beruf, wie z.B. Installateur, ist eine solide Basis für die Zukunft, auch in finanzieller Hinsicht

stadt-wien.at im Gepräch mit KommR. Ing. Michael Mattes

Herr Kommerzialrat, Sie sind Innungsmeister und Unternehmer, Sie führen selbst einen Installationsbetrieb. Seit wann sind Sie Innungsmeister und warum haben Sie sich für diese Position entschieden?

Innungsmeister bin ich seit ca. 2004, der Entschluss für diese Position fiel aufgrund meines Interesses an meiner Arbeit.

Gibt es Faktoren, wo Sie als Innungsmeister sagen: in diese Richtung möchte ich etwas bewegen?:

Zu bewegen haben wir auf jeden Fall viel - und zwar ganz konkret was den Nachwuchs, also die Ausbildung betrifft. Es ist, und das wird ja auch in den Medien immer wieder thematisiert, ein großes Problem, auf welchem Niveau die Absolventen aus der Pflichtschule ins Berufsleben entlassen werden, um eine Lehre anzutreten. Seit Jahrzehnten wird den Leuten außerdem eingeredet, dass sie studieren sollen, allerdings frage ich mich, wo man all die Akademiker unterbringen soll. Wenn man sich die Daten ansieht, kann man eine Steigerung der Akademiker-Arbeitslosenquote um plus zehn Prozent, bei den Bachelors sogar um 41 Prozent feststellen. Das ist schon einmal ein Beweis, dass das ganze System so nicht funktioniert bzw. am Kippen ist, und dass den Leuten etwas vorgemacht wird, indem man ihnen die Wichtigkeit eines Hochschulabschlusses suggeriert. Eine solide handwerkliche Ausbildung, Stichwort "Karriere mit Lehre" öffnet dagegen Möglichkeiten sogar bis hin zum Universitätszugang, der einem durch die Meisterprüfung ja für einen eventuellen zweiten Bildungsweg offen steht. Ein handwerklicher Beruf jedoch ist immer eine gute, solide Basis. Wenn ich etwas machen möchte und mich einbringe in meinen Beruf, habe ich darin sicher auch Erfolg.

Kommen wir zurück zu Ihrer Position als Innungsmeister. Seit 2004 haben Sie diese Position inne. Gibt es zwei, drei wesentliche Entscheidungen, die Sie in dieser Zeit bis heute schon treffen konnten?

Im Grunde treffen wir täglich Entscheidungen, ob die erfolgreich sind, wird sich zeigen. Eine Entscheidung, die, wie ich finde, für Wien eine wichtige Sache gewesen ist, war technischer Natur. Ich war früher in einem technischen Ausschuss und habe dort auf dem Sektor Gas mitgearbeitet. Hier ist es uns gelungen, leicht verarbeitbare Presssysteme einzuführen, die gerade in Altbauhäusern mit den speziellen baulichen Herausforderungen und Brandschutzvorschriften eine große Verbesserung darstellen.

Sie haben ja bereits das Thema Ausbildung angesprochen. Welche Akzente wird die Innung in Zukunft setzen, um eine verbesserte Ausbildung zu schaffen?

Wir haben seit 2007 ein Modulsystem mit den drei Sparten Gas-Sanitärtechnik, Heizungstechnik und Lüftungstechnik. Die ersten zwei Jahre der Ausbildung sind  die Grundausbildung, wo der Auszubildende noch eine Kurskorrektur vornehmen kann. Wenn der Junge oder das Mädchen beispielsweise mit Gas-Sanitärtechnik beginnt, kann er oder sie die Fachrichtung bis zum dritten Jahr noch ändern. Im vierten Lehrjahr kann eine Zusatzausbildung wie etwa Mess- und Regeltechnik absolviert werden, die dann insgesamt zu einem sehr profunden Wissen führt.

Zu einer Ausbildung gehört ja auch das ausbildende Unternehmen. Sehen Sie da Schwachpunkte auch auf Unternehmerseite?


Die gibt es sicher auch, aber ich denke, der Großteil der Betriebe weiß, worauf er sich da einlässt und dass man in der Lehrlingsausbildung dahinter sein muss. Der Jugendliche muss einfach den Willen zur Ausbildung mitbringen, das ist das Um und Auf.

Und sehen Sie da die Notwendigkeit, Kooperationen zwischen den auszubildenden Unternehmen und der Innung zu erarbeiten, um eine bessere Fachausbildung zu erreichen?

Wir in der Innung können uns nur bemühen, das Image richtig zu stellen und zu transportieren, was wirklich gefordert ist - gerade in der Mess- und Regeltechnik hat sich die Elektronik in den letzten Jahren unwahrscheinlich stark weiterentwickelt und erfordert ein tiefes Wissen. Dass man in unserem Beruf mit einer Lehrausbildung einen entsprechend hochwertigen Beruf ergreifen kann, müssen wir den Jugendlichen und den Eltern vermitteln - das ist unsere Aufgabe, hier sind wir gefordert. Das Ausbildungssystem selbst können wir so schnell nicht verändern; das ist politisch vorgegeben.

Gibt es darüber hinaus Probleme in der Branche, wo die Innung eingreifen kann?

Ein Problem ist der Internethandel. Wenn Sie bis jetzt Material verkauft haben, haben Sie immer auch Arbeit mitverkauft; von der Kalkulation her ist es so, dass Sie einen bestimmten Materialumsatz brauchen, um die Arbeitskosten zu entlasten. Wenn das Material jetzt wegfällt, weil es vom Kunden über das Internet billig eingekauft und zur Verfügung gestellt wird, stimmt die ganze Kalkulation nicht mehr, aber nicht nur das - hinzu kommen Haftungsfragen. Wenn ich als Installateur beigestelltes Material anschließe und es passiert etwas, hafte ich, denn ich habe das Material bearbeitet. Nur: diese Haftung muss ja auch abgegolten werden.

Und wie könnte dieses Problem in Zukunft besser gelöst werden?

Den Internethandel können wir nicht aufhalten, wir müssen uns nach den Gegebenheiten richten. Meines Erachtens brauchen wir aber eine ganz klare Kalkulation und einen erhöhten Stundensatz, wenn das Material über das Internet bezogen wird - das sind Entwicklungen mit Dimensionen, denen gegenüber wir uns nicht mehr verschließen können.

Sie haben ja schon das Thema High Tech in Ihrer Branche erwähnt. Was ist zukunftsweisend im Bereich Installation?

Als ich mit meiner Ausbildung angefangen habe, gab es Öl-, Gas- und  Festbrennstoffkessel, dann kamen Solaranlagen, die Fußbodenheizung, heute geht das stark in Richtung erneuerbarer Energieen wie Biomasseanlagen, Photovoltaik und Solarthermie bis hin zur (wenn auch noch nicht marktreifen) Brennstoffzelle. Ich muss als Installateur heute sehr genau einschätzen können, was zu welcher Anlage passt, damit sie am effizientesten läuft, und das bedingt heute mehr denn je ein hohes Maß an Wissen.

Die Innung sucht ja den beliebtesten Installateur pro Bezirk - was sind da die Kriterien?

Wir feiern heuer 125 Jahre Installateure in Wien, aus diesem Anlass suchen wir den beliebtesten Installateur in jedem Bezirk Wiens. Bedingung für die Teilnahme an der Wahl ist eine aufrechte Konzession und die entsprechende Ausstattung des Unternehmens. Auch Kundenmeinungen, Faktoren wie Zufriedenheit und Mundpropaganda, Pünktlichkeit, Sauberkeit und Zuverlässigkeit, fließen bei der Wahl zum beliebtesten Installateur im Bezirk ein.

Sie führen ja selbst einen Betrieb. Wie sehen Sie das Thema Neukundengewinnung und Internet?

Neukundengewinnung wird oft nicht ernst genommen. Über das Internet kann ich interessierte Noch-Nicht-Kunden über die Vorzüge meines Unternehmens informieren: wer ist, was kann die Firma, wie lange existiert sie, welche Referenzen gibt es, etc.

Das Markenlogo 1a-Installateure - was bedeutet es, wofür steht es?

Die 1a-Installateure sind eine Interessensgemeinschaft zum gemeinsamen Dach-Marketing, ich selbst bin da allerdings nicht Mitglied, sondern möchte mit meinem Unternehmen neutral bleiben.

Stadt-wien.at bedankt sich für das Interview

Video
Beteiligen Sie sich am Beitrag, wir freuen uns:

Kommentar hinzufügen
CAPTCHA-Bild zum Spam-Schutz
Wenn Sie das Wort nicht lesen können, bitte hier klicken.
weitere Meinungen
Keine Kommentare
  1. Stadt Wien
  2. Im Gespräch