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Umwelt Text: Eva Rottensteiner

Upcycling: Wie man Müll in den Garten pflanzt

Der Österreicher produziert 601 Kilogramm Müll im Jahr. Doch Müll ist nicht gleich Abfall - aus Biomüll kann man nicht nur neue Pflanzen ziehen, sondern mittels Wurmkiste diesen auch alternativ und umweltschonend weiterverarbeiten. Egal ob man daraus einen Avocadobaum oder simples Wurmfutter macht - Upcycling sollte jeder betreiben.

Müll, Mist, Dreck, Abfall
© kataliantye - 123rf.com | Müll - der alltägliche Kampf gegen Verschwendung hat begonnen.

Müll, Mist, Abfall und Dreck 

Wussten Sie, dass jährlich 1,3 Milliarden Tonnen Lebensmittel im Mistkübel landen? Das sind in etwa ein Drittel der generell vorhandenen Lebensmittel. Österreichische Haushalte sind dabei keine Ausnahme. Schätzungen der Stadt Wien zufolge werden 157.000 Tonnen an angebrochenen und sogar original verpackten Lebensmitteln weggeworfen; im Durchschnitt schmeißen Wiener jährlich bis zu 40 Kilogramm an nicht verdorbenem oder vergorenem Essen in die Tonne.

Mist in Zahlen:

  • 98 Kilogramm Werbematerial landen jährlich in einem Wiener Postkasten
  • 900 Stück Plastiksackerl werden in 5 Jahren gekauft
  • 300.000 Tonnen Katzenstreu finden ihren Weg in Wiens Restmüll
  • 70 Millionen Stück Babywindeln werden weggeschmissen

Der ökologische Fußabdruck (ein Maß für nachhaltige Entwicklung) eines durchschnittlichen Wieners beträgt somit stolze 3,9 Hektar - betragen sollte er jedoch, aufgerechnet auf die Weltbevölkerung, nur 1,8 Hektar.

Recycling und richtige Mülltrennung mit der Müll App

Um weniger Müll zu produzieren gilt es, die 3R's zu berücksichtigen: reduce, reuse, recycle – reduzieren, wiederverwenden, recyceln.

Um dem Müllwahnsinn Einhalt zu gebieten, sollte man den Müll erst gar nicht machen - denn Abfall kann vermieden werden, indem man beispielsweise einen Stoffbeutel oder das alte Plastiksackerl vom letzten Mal, zum Einkaufen mitnimmt, Lebensmittel unverpackt kauft und beginnt seine eigene Wasserflasche mitzubringen, anstatt Einwegflaschen zu kaufen.

Wenn es sich nicht vermeiden lässt etwas zu kaufen, sollte man darauf achten, die Produkte bis zu ihrem absolut letzten Haltbarkeitsdatum zu verbrauchen. Damit ist gemeint, dass man Socken flickt anstatt sie in die Tonne zu werfen oder auch die leeren Marmeladengläser nicht gleich entsorgt, sondern als Behälter für andere Nahrungsmittel nutzt.

Manchmal muss dennoch etwas weg, was dann aber recycelt werden sollte. Dabei kommt es auf die richtige Mülltrennung an. Die Wiener MA 48 bietet mittlerweile eine bequeme Müll App für iOS und Android an, mit welcher man die nächstgelegenen Tonnen aufspüren kann. Was nicht in eine der Tonnen gehört, kann auf den öffentlichen Mistplätzen abgegeben werden.

Upcycling Ideen - so wird aus dem Avocadokern ein Baum

Küchenabfälle können viel mehr als in der Biotonne herumzugammeln. Das müssen sie auch nicht, denn aus Obst- und Gemüseresten kann man mit etwas Geschick neue Pflanzen ziehen, die man später im (Gemeinschafts-)Garten oder am Balkon einsetzen kann.

Wer noch ein Stück Ingwer übrig hat, kann das Reststück mit Knospen nach oben in Blumenerde geben. Die Pflanze sollte nicht direkter Sonnenstrahlung ausgesetzt sein, aber auch nicht in kalten Räumen untergebracht werden. Bald wird daraus eine Ingwerknolle entstehen, die man ganz nach Geschmack in asiatischen Gerichten oder auch als Tee verwenden kann.

Auch Sellerie kann man auf eigene Faust nachziehen, indem man den Strunk in eine Schüssel mit etwas Wasser gibt und das ganze dann an eine Stelle mit viel Sonneneinstrahlung stellt. Nach einer Woche sollten Blätter um den Strunk wachsen, welche im Anschluss daran in den Garten gesetzt werden könne.

Tomaten zu setzen kostet ebenso wenig Mühe, um zu seinem neuen Müllsprössling zu kommen, muss man lediglich die Samen einer frischen Tomate trocknen und dann in Blumenerde auf der Fensterbank wachsen lassen. Sobald die Pflanze ein paar Zentimeter gewachsen ist, kann man sie in den Garten pflanzen.

Diejenigen, die obendrein noch geduldig sind, könnten es auch einmal mit Ananas versuchen. Dazu muss der Blattschopf solange in einem kleineren Wasserbehälter einweichen, bis sich Wurzeln bilden. Im Anschluss daran, kann die Ananas eingesetzt werden. Mit viel Liebe und Geduld entsteht eine neue Ananas Pflanze, die obendrein auch noch äußerst dekorativ ist.

Ein Avocadobaum
© pixabay.com | Aus Abfall neue Pflanzen ziehen - Upcycling eines Avocadokerns.

Um Avocados erfolgreich upzucyceln ist die höchste Geduldsstufe gerfragt. Sobald der Avocadokern erfolgreich aus der am besten überreifen Frucht geholt wurde, muss er für einige Wochen in ein Wasserbad gelegt werden - halb im und halb aus dem Wasser heraußen - hier eigenen sich Zahnstocher prima als Halterung, damit der zukünftige Avocadobaum nicht untergeht. Treibt der Kern aus, wird er wieder nur bis zur Hälfte in Erde eingegraben und dann heißt es warten bis das Bäumchen zu sprießen beginnt.

Weitere Tipps zur Avocadozucht und einen Selbstversuch finden Sie hier.

Insider-Tipp: Auch Kaffeesatz macht außerhalb der Tonne mehr Sinn als darin - alter Kaffee eignet sich nämlich perfekt als Dünger für die upgecyleten Bäumchen und Büsche!

Wer überdies Biogemüse und -obst kauft, kann auch Abfall einsparen, indem er die Schale einfach mitisst. Da in der Schale bekanntlich die meisten Vitamine stecken, profitiert der Körper auch davon. Falls die Schale bei dem ein oder anderen doch ab muss, könnte man diese über die Woche sammeln und gemeinsam mit Korianderkörnern circa eine Stunde lang in heißem Wasser auskochen. Was übrig bleibt, ist eine reichhaltige und geschmacksintensive Gemüsebrühe für Suppen oder Risotto.

Biogemüse und Bio-Obst kann man sich in Wien übrigens bequem direkt vor die Haustüre liefern lassen - das Biokistl macht's möglich!

Wie Sie Pflanzen am Balkon zum Gedeihen und Blühen bringen? Lesen Sie bei: Die pflegeleichtesten Balkonpflanzen für Wien's Balkone.

Und die besten Deko-Tipps für den Wiener Balkon, haben wir natürlich auch für Sie.

Video

Die Wurmkiste - Kompostieren in der Stadtwohnung

Nicht alle Pflanzen lassen sich in der eigenen Wohnung ziehen. An alle, die keinen Garten zur Verfügung haben: es gibt auch urbane Mittel des Food–Upcycling. Die Wurmkiste soll für die Küche eine Alternative zum Biomüll darstellen, durch Bioabfälle, wie beispielsweise Apfelputzen oder sogar Zeitungspapier werden die in der Kiste lebenden Würmer ernährt. Diese verarbeiten die Abfälle leise und geruchsneutral zu wertvollem Humus, welcher als Biodünger auch für die Blumentöpfe in der Wohnung genutzt werden kann.

Obendrein ist die Kiste gepolstert und kann als Hocker für Gäste verwendet werden. Hinter dem Projekt stecken zwei Brüder aus Oberösterreich, die Menschen dazu anregen möchten, ihre Lebensmittel auf natürliche Weise herzustellen.

Die MA-48er Müll App gibt es übrigens hier zum Download.

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