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Brigittenau und Leopoldstadt - Eine Insel im Strom

Jahrhunderte hindurch wurde die Entwicklung der heutigen Bezirke Brigittenau und Leopoldstadt entscheidend von der Donau geprägt. Auch heute noch ist die Donau ein wesentlicher Faktor für diese Bezirke, denn die Leopoldstadt und Brigittenau liegen nicht etwa an der Donau, sondern sie sind eine Insel im Strom.

Karte des frühen 2. Bezirks in Wien von Bonifaz Wolmuet, 16. Jahrhundert
Der alte Bezirk Leopoldstadt, früher "Untere Werd"

Zwischen Donau und Donaukanal

Die Ortsbezeichnung Leopoldstadt gibt es erst seit 1671. Bis dahin hieß die Gegend des heutigen 2. Bezirkes »Unterer Werd« - und Werd ist ein altes Wort für Insel (althochdeutsch wand, mittelhochdeutsch werd, wert, werder).

Heute bilden die Leopoldstadt und die Brigittenau zusammen eine Insel zwischen Donau und Donaukanal. Das ist jedoch erst seit der großen Donauregulierung der Jahre 1870-1875 so. Bis dahin gab es zahlreiche Donauarme, Teiche, Tümpel, Sümpfe, die sich im Laufe der Zeit ständig veränderten. In den letzten tausend Jahren gab es in keinem anderen Teil Wiens so viele geographische Veränderungen wie in der heutigen Leopoldstadt. Die Donau war die Ursache dieser Veränderungen, sie bestimmte entscheidend die Besiedlung, die Bodennutzung und die wirtschaftliche Entwicklung des Gebietes. Jahrhunderte hindurch verhinderte sie das Entstehen von Ansiedlungen.

Dutzende Donauarme

Nach dem Durchbruch durch die Enge zwischen Leopoldsberg und Bisamberg breitete sich die Donau ursprünglich in Dutzenden großen und kleinen Armen im Wiener Becken aus. Es war, als wollte sich das Wasser nach dem langen und oft mühsamen Weg aus den Bergen nun, am Beginn der osteuropäischen Ebene, gleichsam ausruhen, bevor es den von hier an geruhsameren Weg zum Schwarzen Meer fortsetzte.

Zwischen den Donauarmen gab es zahlreiche Quergerinne, die bei niedrigem Wasserstand fast oder ganz stillstanden. Stellenweise weiteten sich die kleinen Seitenarme zu Teichen aus, andere versickerten in der Erde, es gab zahllose Tümpel und ausgedehnte Sümpfe. Das Land zwischen den Gewässern war über wiegend von dichtem Auwald bedeckt, zum Teil war es Heideland.

Fauna und Flora in den Donauarmen

Die charakteristischen ursprünglichen Bäume sind vor allem Pappeln, darunter die bis zu 25 Meter hohe und 1,5 Meter dicke Silberpappel, Weiden und Ulmen, darunter die an Stattlichkeit mit der Silber-Pappel wetteifernde Flatter-Ulme, vereinzelt auch Feld-Ahorn und Eschen, in den unteren Praterauen Grau-Erlen. Die heute stark in Erscheinung tretenden anderen Bäume - Rosskastanien, Schwarz-Föhren, Rot-Föhren, Tannen, Lärchen, Fichten, Platanen, Götterbäume, Essigbäume, Eschen, Eschenahorn, Trauerweiden usw. - kommen von Natur aus hier nicht vor, sondern wurden gepflanzt.

Die Auen waren von zahlreichem Wild belebt vor allem Wildschweinen, Hirschen und Rehen, aber ursprünglich auch Bären und Wölfen und wurden deshalb neben der Hietzinger Gegend (Lainzer Tiergarten) bevorzugtes kaiserliches Jagdgebiet.

Drang der Donau ins Marchfeld

Die Donau bringt aus den Bergen viel Sand und Geröll mit. Da das Gefälle und damit die Strömungsgeschwindigkeit im Wiener Becken stark sinken, wird ein beträchtlicher Teil dieses Geschiebes abgelagert. In der Zeit, als sich die Donau hier in zahlreichen relativ flachen Armen verzweigte, wirkte sich das noch weit stärker aus. Solche flachen Arme versandeten deshalb im Laufe der Zeit, das Wasser suchte sich neue Wege. Charakteristisch war dabei der ständige Drang der Donau ins Marchfeld hinaus.

Früher befand sich das Hauptgerinne der Donau im Bereich des heutigen Donaukanals, im Laufe der Zeit ergab sich eine Verschiebung nach Osten, die erst mit der großen Regulierung im vorigen Jahrhundert unterbunden wurde. Gleichzeitig wurden auch die Zuflüsse zur Donau aus dem Wienerwald, vor allem der Wienfluss, immer schwächer.

Aus „Eine Insel mitten in der Stadt“ von Prof. Christine Klusacek und Prof. Kurt Stimmer; erschienen 1978 im Verlag Kurt Mohl.

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