1. Stadt Wien
  2. Freizeit
  3. Urlaub & Reisen
Mehr Freizeit
Artikel teilen
Kommentieren
Urlaub & Reisen

Reiseveranstalter Österreich

stadt-wien.at traf Herrn Gürsel Erel, geschäftsführender Gesellschafter des Reiseveranstalters Bentour Austria zum Interview über die Firmenphilosophie des Unternehmens.

Reiseveranstalter für den Österreicher

stadt-wien.at traf Herrn Gürsel Erel, geschäftsführender Gesellschafter des Reiseveranstalters Bentour Austria zum Interview über die Firmenphilosophie des Unternehmens.

Herr Erel, beginnen wir mit den aus Ihrer Sicht wichtigsten Stationen Ihrer Laufbahn.
Ich bin seit 1983 in Österreich als Reiseveranstalter tätig.  Ich begann damals schon während meines Studiums bei der Firma Intour bzw.baute bis 1990 die Firma Incentive-Tour auf. 1990 wechselte ich dann zur jetzigen Gulet-Touristik. Damals war das ein sehr kleines Unternehmen  mit 8000 Passagieren.  Bis 2001 haben wir Gulet-Touristik aufgebaut und führte das Unternehmen in eine Fusion mit Touropa Austria. Weiters wurde durch mich die Migration vom damaligen Unternehmen Gulet Turkotouristik zum TUI-Konzern mitgestaltet. 2003 entschied ich mich dann, Bentour Austria zu gründen.

Wie kann man Ihre Funktion bei Bentour bezeichnen?
Ich bin geschäftsführender Gesellschafter.

Sie sind Reiseveranstalter der Tourismusziele Griechenland, Türkei, Mallorca und Ägypten. Wodurch unterscheiden sich diese Destinationen im Wesentlichen für den planenden Urlaubsgast, und warum haben Sie diese Destinationen ausgesucht?
In Europa ist der größte Lebensraum, um Urlaub zu machen, das nördliche Mittelmeer. Wenn wir auch alle anderen Destinationen anbieten als Touristiker, werden 80 bis 90 Prozent der Europäer den Urlaub trotzdem im Nahbereich  ihres eigenen Lebensraums verbringen. Das ist wie gesagt der nördliche Mittelmeerraum angefangen von der Türkei bis nach Spanien. Es gibt unterschiedliche Gründe dafür: Erstens die Nähe zum eigenen Kulturkreis, die möglichst schnelle Erreichbarkeit, das Essen und Trinken, etc. Das heißt, der geographische Bereich ist wahnsinnig wichtig, und traditionell fühlen sich die Konsumenten des deutschsprachigen Raums im östlichen Mittelmeerraum sehr wohl. Griechenland und die Türkei sind für uns aus dieser Sicht wichtig. Dazu kommt noch, dass ich auch touristische Erfahrungen als türkischstämmiger Österreicher habe. Dadurch haben wir dort natürlich mehr Kompetenz.
Was Palma betrifft: Palma ist für uns deshalb sehr wichtig, weil wir einer der größten Golfveranstalter sind. Wir sind auch exklusiver Partner des österreichischen Golfverbands. Wir bieten in unseren Katalogen die Türkei sehr stark an, Spanien gehört aber auch dazu, denn eine gewisse Diversifizierung  innerhalb der Destinationen in Sachen Golf ist für uns wichtig. Deswegen haben wir auch Palma im Programm. Zusätzlich muss ein Unternehmen natürlich auch  im Winter Geld verdienen. Damit wir das können, bieten wir zusätzlich im Winter auch Ägypten an. Außerdem ist Ägypten meiner Meinung nach eines der interessantesten Länder dieser Erde.

Warum?
Wegen der Kultur. Ich bin  - trotz vieler Pauschalangebote durch die Großkonzerne, bei denen oft nicht nur beim Preis, sondern auch beim Inhalt pauschaliert wird - immer noch davon überzeugt, dass ein Land, wo es so viel Kultur gibt, immer noch von anspruchsvollen Gästen bereist wird. Genau deswegen habe ich für unser Unternehmen auch die Kombination Golf, Strandurlaub und Kultur propagiert. Und deswegen ist Ägypten eine Alternative für uns.

Wo glauben Sie, dass sich Ihre Hauptzielgruppe im Urlaub besonders wohlfühlt bzw. was bieten Sie, dass sie sich besonders wohlfühlt?
Es gibt verschiedene Interessensgemeinschaften. Zum Beispiel Golf, oder Maturareisen, oder die Gruppe der  Senioren, ich nenne sie Goldies. Dann natürlich Familien, aber natürlich müssen wir angesichts der Scheidungsrate in Österreich mit 50 Prozent auch auf gesellschaftliche Änderungen reagieren. Daher haben wir Produkte im Programm wie Singlereisen mit Kind.  Hier kann Mama oder Papa mit dem Nachwuchs alleine auf Urlaub fahren, ohne wesentlich mehr zu zahlen. Solche Produkte entwickeln wir, und dann haben wir sehr stark den Lifestyle-Bereich.

Was verstehen Sie unter Lifestyle?
Wir verstehen uns als Lebensgefühl. Es kann etwas ganz Kleines, Feines in einer Altstadt sein aber auch ein Designerhotel. Außerdem bieten wir ein Produkt namens „Geheimtipps“ an. Geheimtipps sind die Dinge, die man unter Umständen sucht, aber nicht findet, wie zum Beispiel Delfinschwimmen, Delfintherapie oder ein Hotel, wo Kinder pauschal bis 17 Jahre nur 99 Euro bezahlen.

Dann bieten wir auch noch die Blauen Reisen in der Türkei an. Das sind Reisen, bei denen man zwischen türkischer und griechischer Küste segelt. Die sind  sehr beliebt in Österreich. Ungefähr 4000 bis 5000 Österreicher pro Jahr machen solche Reisen. Und natürlich bieten wir auch die übliche Clubschiene an. Wir versuchen, mit Sonderprodukten den Kunden nach seinem Interesse anzusprechen, nicht mit dem Angebot eine Woche All Inclusive im Club XY für 599 Euro. Das gibt es zwar auch, das alleine ist aus unserer Sicht aber zu einfältig.

Stichwort direkter Kontakt. Wie kann der Konsument in Kontakt treten mit Ihrem Programm? Wie kann er bei Ihnen buchen?
Erstens über alle Reisebüros in Österreich, mit denen wir zusammenarbeiten. Zweitens über unser Internetportal. Drittens durch die Aktivitäten, die wir sonst so setzen, zum Beispiel bei Messen etc. Außerdem bemühen wir uns um klassischen Kontakt über Printmedien, Autowerbung. Und im Golfbereich können wir durch die Aktivitäten mit dem österreichischen Golfverband JEDEN Golfer ansprechen, und da sehen wir auch den Erfolg.

Nach welchen Qualitätskriterien suchen Sie bei den Destinationen die Hotels aus? Welche Kriterien geben Sie vor, um sicherzugehen, dass die Reisenden genau das bekommen, was im Prospekt angeboten wird?
Ich suche die Produkte zu 95 Prozent persönlich aus. Ob ich persönlich vor Ort bin, ist natürlich ein anderes Thema. Bei den Kriterien haben wir ein Matrixsystem. Ich kann von einigen Fragen ausgehen: Was will der Kunde meistens? Da stellen sich dann folgende weitere Fragen: Von wo will er fliegen? Mit wem will er fliegen? Wohin will er fliegen? Welches Produkt will er haben? Welchen Preis will er haben? Und dann gibt es seine persönlichen Interessen. Wir wollen ja nicht in eine Schiene. Wir wollen kein Billigveranstalter sein, wir wollen kein teurer Veranstalter sein, wir wollen kein Veranstalter sein, der nur Golfurlaube verkauft, wir wollen auch kein Veranstalter  sein, der nur Familienurlaube verkauft.

Was ist das Besondere in Ihrem Programm?
In unserem Programm gibt es für jede Brieftasche und jeden Qualitätsmaßstab etwas. Ob das jetzt ein Zwei-Stern-Haus ist oder ein Vier-Stern-Haus bis Fünf-Stern-Haus. Wir bieten von Nächtigung mit Frühstück bis All Inclusive, von Luxusklassehotel bis Pension alle Arten von Urlaub. Ich muss eine breite Palette haben, aber natürlich schauen wir, was der Kunde haben möchte, und danach kaufen wir ein. Wir versuchen, möglichst breit zu stehen, um jeden Wunsch erfüllen zu können.  Andererseits sind die Reisebüros damit überfordert, diese Produkte alle in unserem Angebot zu finden. Allerdings gelingt es uns jeden Tag besser. Interessant ist, dass dieses Jahr Billigreisen nicht gut gehen. Früher wurden diese auf den Markt gestellt, und am Tag sind 100 Passagiere gekommen. Man merkt, dass der Kunde selektiver wird. Wir sehen, dass er nicht mehr über den Preis kommt, sondern über die Qualität und über die Eigeninteressen. Somit sehen wir, dass unser Weg der richtige ist, insbesondere wenn man die letzten Aussagen der Branche hört, dass die Pauschaltouristik um fünf Prozent zurückgegangen ist.

Thema Großfamilie mit vier bis sechs Personen. Konnten Sie für diese Gruppe ein spezielles Programm entwickeln?
Natürlich haben wir eigene Familienprodukte, wo man bis zu drei oder vier Kinder mitnehmen kann. Wir haben Häuser, die wir aus dieser Perspektive heraus brauchen. Wir haben Familienprodukte von einem Drei-Stern-Bereich bis Luxusklasse wo Zwei plus Zwei, Zwei plus Drei unterbringbar sind. Außerdem gibt es wohlhabendere Familien, und es gibt Familien mit weniger Budget. Das haben wir schön in unserem Katalog abgedeckt.

Gibt es aus heutiger Sicht Innovationen im Touristikbereich, die Sie schon verraten können?
Ich denke, sagen wir mal, mit Hausverstand und wie ein Bauer. Man darf das Rad niemals neu erfinden. Und man darf niemals den Menschen unterschätzen. Und man darf nicht glauben, dass er anders geworden ist. Und dort, wo unter uns Touristikern gewisse Tricks angewendet werden, verlieren wir. Der Konsument ist aufmerksam und er ist viel mündiger geworden. Er lässt sich von irgendeinem Herrn……..  im hintersten Tal nicht irgendein Produkt aufs Auge drücken. Das heißt: Ich bleibe bodenständig. Ich möchte meinem Kunden ein Lebensgefühl vermitteln, und ich möchte das Gefühl vermitteln, dass er gut aufgehoben ist. Und WENN einmal etwas nicht klappt, dann möchte ich, dass er das Gefühl hat, dass man sich um ihn bemüht.

Wodurch unterscheiden sich Bentours Reisebetreuer vor Ort von den Mitbewerbern?
Wir bemühen uns, mit größerer Frequenz mit den Gästen in Kontakt zu bleiben. Wir richten uns nach den Bedürfnissen der Österreicher, weil wir ein österreichisches Unternehmen sind. Meine Kollegen sind auf die Österreicher eingeschult. Bei uns wird nicht Apfelschorle gesagt, sondern Apfelsaft gespritzt. Und wenn man vor Ort ankommt, hört man keinen holländischen oder deutschen Akzent beim Reiseleiter. Entweder sind da Einheimische, die hervorragend Deutsch sprechen können, oder es sind da oder dort Österreicher. Das unterscheidet uns zum Beispiel von Großveranstaltern. Außerdem bestimmen wir hier in Österreich das Produkt, das ein Herr Slavik aus Gramatneusiedl in Kreta haben will. Zum Vergleich: Der Großveranstalter hat oft irgendeinen netten Kollegen aus England oder Dänemark in Hannover sitzen, und dieser Kollege kauft dann Betten für Österreicher in der Türkei ein.

Beachten Sie auch spezielle Punkte beim Flug zur Destination und retour bzw. bei der Auswahl der Fluglinien?
Ja. Erstens versuchen wir, darauf zu achten, ob wir ab jedem Flughafen fliegen. Zweitens möchten wir dem Gast die Wahl lassen, ob er mit einer österreichischen Maschine fliegen will oder mit einer türkischen. Drittens achten wir darauf, ob der Kunde am Wochenende fliegen will oder unter der Woche. Und natürlich muss es  bei allen Fluggesellschaften ein Mindestmaß in puncto Sicherheit, Pünktlichkeit und Verpflegung geben. Außerdem sehen wir, dass manchen Kunden der Preis wichtiger ist als mehr Qualität. Wenn Sie  heute mit Lauda Air fliegen, müssen Sie 30 Euro pro Kopf mehr zahlen, bei einer vierköpfigen Familie sind das immerhin 120 Euro. Wenn die Familie das möchte, gerne. Aber wenn der Kunde  mit einer türkischen Fluglinie wie Sun Express fliegt, zahlt er 30 Euro weniger. Auch diese Wahlmöglichkeit hat er.

Letzte Frage: Möchten Sie unseren Lesern noch etwas mitteilen?
Ja. Im Allgemeinen ist es so, dass wir mit allen Veranstaltern arbeiten, mit bestem Wissen und Gewissen, das ist außer Frage gestellt. Der Unterschied ist ähnlich wie bei der Autoindustrie. Ein BMW verkauft Freude. Audi verkauft Vorsprung, und ein anderer verkauft nur sein Produkt. In der Autoindustrie muss jedenfalls ein Mindestmaß an Vorschriften erfüllt sein, sonst dürfen die Produkte nicht verkauft werden. Bei uns Veranstaltern ist es ähnlich: Einen gewissen Mindeststandard bieten alle. Der Unterschied ist: Bei uns gibt es ein bisschen mehr Gefühl, mehr Lebensgefühl.

Sie sollten sich auch mal bei Hofer Reisen umsehen

Video
Beteiligen Sie sich am Beitrag, wir freuen uns:

Kommentar hinzufügen
CAPTCHA-Bild zum Spam-Schutz
Wenn Sie das Wort nicht lesen können, bitte hier klicken.
weitere Meinungen
Keine Kommentare
  1. Stadt Wien
  2. Freizeit