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Wintersport

Skispringen- Der ästhetische Flug durch die Luft

So manch einer nennt sie Adler, andere sehen in ihnen nur Verrückte, die sich über die größten Bakken der Welt stürzen – das Schispringen war schon immer eine Sportart, die zu polarisieren vermochte. Die Geschichte dieser Sportart zeigt deswegen auch so einige Sternstunden, Reformen und Abstürze auf.

©Leif Ornelund
©Leif Ornelund

So manch einer nennt sie Adler, andere sehen in ihnen nur Verrückte, die sich über die größten Bakken der Welt stürzen – das Schispringen war schon immer eine Sportart, die zu polarisieren vermochte. Die Geschichte dieser Sportart zeigt deswegen auch so einige Sternstunden, Reformen und Abstürze auf.

Von Sprungeinlagen bis zum ersten Wettkampf


Die lange Geschichte des Schispringens reicht zurück bis ans Ende des 18. Jahrhunderts, als ersten Überlieferungen zufolge norwegische Bergbauern kleine Hügel für Sprungeinlagen benutzten. Der holländische Seeoffizier Cornelius de Jong berichtet dabei erstmals von einer Übung norwegischer Soldaten, die unter anderem über Holzhaufen sprangen. Innerhalb der nächsten 100 Jahre wuchs das Interesse an dieser neu entwickelten Sportart rapide. Die ersten Schisprungwettkämpfe wurden schließlich ab dem Jahre 1879 alljährlich am Husebybakken in Oslo ausgetragen, wobei sich einige Jahre später der bis dato weltbekannte Holmenkollen als neuer Austragungsort durchsetzte. Im Jahr 1893 fanden auch die ersten Schisprungwettkämpfe in Österreich anlässlich der Winterspiele in Mürzzuschlag statt. Als Sieger ging damals der Norweger Bismarck Samson mit einer Weite von sechs Metern von der Schanze.

Die Welt der Technik und die magische Zahl 100


In der von den Norwegern dominierten Sportart gelang es dann aber ausgerechnet dem Österreicher Sepp Bradl 1936 in Planica, als erster Mensch über die 100 Meter  Marke zu fliegen. Bradl benutzte dabei auch den Vorlagenstil, wobei er seine Arme anstatt zu rudern einfach ausstreckte. Von Jahr zu Jahr stieg der technische Aspekt im Schispringen an. Vor allem der Schweizer Flugzeugingenieur Dr. Reinhard Straumann versuchte die Aspekte des Flugzeugfluges auf das Schispringen umzumünzen. Es wurde stets an einer optimalen aerodynamischen Körperhaltung gearbeitet, wobei sich in den 40er Jahren eine gestreckte Körperhaltung mit ruhig anliegenden Armen durchsetzte. Man bezeichnete die Technik auch oft als „Dänischen-Stil“ bzw. „Fisch-Stil“, wobei man später die Bezeichnung „Parallelstil“ aufgrund der parallelen Schiführung einführte.

Wachsendes Medieninteresse – Einführung des Weltcups


Das steigende Interesse der Medien für das Schispringen führte daraufhin zur ersten Live-Fernsehübertragung des Neujahrspringens 1956 in Garmisch-Partenkirchen durch die ARD. Auch die Professionalität innerhalb der Sportart stieg drastisch an, ab 1962 führte man die Videoweitenmessung ein, und auch die Anzahl an teilnehmenden Nationen wuchs von Jahr zu Jahr. Nachdem 1972 die ersten Schiflugweltmeisterschaften durchgeführt wurden, entschloss man sich acht Jahre später zur Einführung eines Weltcupmodus. Erster Sieger eines Weltcupspringens war der Österreicher Anton Innauer, als erster Gesamtweltcupsieger ging sein Landsmann Hubert Neuper hervor. Auch in den nachfolgenden beiden Saisonen wurde der Gesamtweltcup von den Österreichern beherrscht. So konnte sich beide Male Armin Kogler als Sieger feiern lassen.

Ein beinahe Sturz führt zur Revolution – Der V-Stil


Ein bis dato unbekannter Schwede, namens Jan Boklöv, führte 1986 in der Sprungtechnik zu einer der größten Revolutionen im Schisprungzirkus. Boklöv  missglückte ein Trainingssprung, und um einen Sturz zu vermeiden, streckte er seine Beine weit auseinander. Dadurch stellte der Schwede allerdings fest, dass er damit einige Meter an Weite gewinnen konnte, weswegen er diese Sprungtechnik in weiterer Folge verfeinerte. Diese Art der Sprungführung wurde nach dem Springer „Böklov-Schere“ bzw. in weiterer Folge „V-Stil“ genannt. In der Saison 1986/87 sprang Böklov als erster Springer mit dem V-Stil im Weltcup, allerdings konnte er den damit gewonnen Weitenvorteil nicht in Top-Ergebnisse ummünzen, da er von den Sprungrichtern eklatante Abzüge für die Ästhetik der Sprungführung erhielt. Der Widerstand gegen die neu entwickelte Sprungtechnik war zu Beginn noch extrem hoch, doch im Jahre 1988/89 war Böklovs Weitenvorteil dermaßen groß, dass er doch den Gesamtweltcup gewinnen konnte. Dadurch begannen auch die übrigen Springer mit einer Umstellung ihrer Sprungtechnik, und der V-Stil setzte sich in weiterer Folge auch endgültig bei den Wertungsrichtern durch. Die meisten etablierten Springer hatten jedoch große Probleme, die Veränderung der Sprungtechnik in zählbare Ergebnisse zu verwerten. Ein Profiteur von dieser Technikrevolution war der noch junge Finne Toni Nieminen, der die Saison 1991/92 als Gesamtweltcupsieger für sich entscheiden konnte. Auch das österreichische und japanische Nationalteam waren von der Umstellung auf den V-Stil begünstigt. Durch den beim V-Stil um bis zu 30% erhöhten Auftrieb während der Sprunges, lag das Hauptaugenmerk eines weiten Satzes nicht mehr gänzlich am Absprung, sondern viel mehr an der Flugphase. Dadurch  stellte auch das Körpergewicht einen bedeutend größeren Faktor im Bezug auf die Flugweite dar, weswegen sich die Magersucht zu einem großen Problem im Schisprungzirkus entwickelte. Erst im Jahre 2004 gelang es mit der Einführung des Body-Mass-Index, der eine Regelung der Schilänge im Bezug zum Körpergewicht vorschreibt, gegen die extreme Gewichtsreduktionen vorzugehen.

Österreich gegen den Rest der Welt

Ab der Saison 2007/08 setzte sich das österreichische Schisprungteam in der absoluten Weltspitze fest. Thomas Morgenstern (2007/08 bzw. 2010/11) und Gregor Schlierenzauer avancierten mit ihren Gesamtweltcupsiegen zu wahren Volkshelden und lösten im Alpenland wieder einen Schisprungboom aus. Als Dauergegner kristallisierte sich der vierfache Olympia-Gold-Medaillen-Gewinner Simon Amann, der im Jahr 2009/2010 den Weltcup-Sieg für sich entscheiden konnte, sowie das norwegische Schisprungteam heraus. In der Saison 2011/12 setzte sich der Norweger Anders Bardal, vor den beiden Österreichern Gregor Schlierenzauer und Andreas Kofler durch. In diesem Jahr wurde auch erstmals das Schispringen der Damen als Weltcupmodus eingeführt, nachdem im Jahr zuvor das Damenschispringen auch WM-Status erhielt. Gesamtsiegerin wurde die Amerikaner Sarah Hendrickson, vor der Österreicherin Daniela Iraschko und der Japanerin Sara Takanashi.

Das Schispringen heute

Die bisherige Saison 2012/13 sorgte vor allem zu Beginn mit zwei Regeländerungen auf. Einerseits müssen die Anzüge der Springer nun viel enger am Körper anliegen, weiters kann der Trainer den Anlauf um bis zu fünf Luken erhöhen oder verkürzen, wobei dieses Vorgehen mit Kompensationspunkten geregelt wird. Diese Reformen führten zu einem noch dichter zusammenliegenden Springerfeld. Dennoch finden sich wieder die üblichen Favoriten an der bisherigen Spitze des Weltcups. Die Österreicher Gregor Schlierenzauer, Andreas Kofler, Thomas Morgenstern und auch Wolfgang Loitzl sind in den Toppositionen zu finden, genauso wie das momentan aufzeigende deutsche Nationalteam. Vor allem Severin Freund konnte mit seinen zwei Siegen in Lillehammer und Kuusamo aufzeigen. Auch der norwegische Vorjahressieger des Gesamtweltcups Anders Bardal findet sich in den Ergebnislisten stets im Spitzenfeld. Der Sieg des Weltcups wird wohl auch unter diesen Herren ausgesprungen.

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