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Sport Text: Andreas Lassnig

Wing Tsun – Selbstverteidigung als oberste Prämisse

Der chinesische Kung-Fu-Stil Wing Tsun, auch oft Wing Chun oder Ving Tsun geschrieben, manchmal auch WT abgekürzt, hat sich speziell die Förderung der Fähigkeit zur Selbstverteidigung zum Ziel gesetzt. Bei dieser Kampfkunst gibt es keine Wettkämpfe, es geht rein darum, im Ernstfall auf der Straße etwas gegen Angreifer an der Hand zu haben.

Wing Tsun nach der Kernspecht-Philosophie: Die EWTO

Der größte Wing-Tsun-Verband in Europa ist die EWTO (=Europäische Wing-Tsun-Organisation). Höchstgraduierter Lehrer dieses Verbandes ist der deutsche Großmeister Keith Kernspecht. Obwohl dieser ob der regen Marketing-Aktivitäten seines Verbandes in Kampfkunstkreisen nicht ganz unumstritten ist, ist der Name Kernspecht in diesen doch seit vielen Jahren allgegenwärtig. Kernspecht hat zahlreiche Bücher zu Theorie und Praxis der Selbstverteidigung veröffentlicht und gibt auch heute noch, im Alter von über 60 Jahren, immer wieder Lehrgänge im Wing Tsun.

Sein Zugang zur Selbstverteidigung ist ein sehr systematischer. In jedem der zwölf Schülerprogramme, wird versucht, den Schüler auf ein bestimmtes, statistisch gesehen häufiges Bedrohungsszenario vorzubereiten. So lernt der Schüler im ersten Programm etwa, angemessen auf einen boxerartigen Angriff durch einen Linksausleger zu reagieren, im zweiten Programm dann Selbiges für einen Angriff durch einen Rechtsausleger. Höhere Programme beschäftigen sich dann zum Beispiel mit Waffenabwehr oder Ringerangriffen. Auch wenn Keith Kernspecht manche der von ihm systematisierten Selbstverteidigungstechniken auch mit dem Namen „Blitz Defence“ bezeichnet, so betont er selbst immer, dass sämtliche Bewegungen aus dem Wing Tsun Kung Fu kommen.

Besonders stolz ist man verbandsübergreifend auf das so genannte Chi Sao, was übersetzt so viel wie „klebende Arme“ bedeutet. Wer diese Technik lange genug trainiert, so die Theorie, für den ist es möglich, Richtung und Druck eines bevorstehenden Angriffs zu erspüren und rechtzeitig einen genau darauf abgestimmten intuitiv erfolgenden Gegenangriff als Abwehrreaktion zu starten. Dies setzt allerdings jahrelange Übung voraus.

Viele Wege führen zum WT

Auch wenn die EWTO wohl der größte WT-Verband in Europa ist, so ist die Verbandsstruktur in diesem Kung-Fu-Stil wohl so zersplittert wie nur in wenigen anderen Kampfkünsten. So gibt es etwa neben der EWTO noch den Konkurrenzverband WTEO sowie die Ving Tsun Kung Fu Association Europe. Alle diese Verbände betreiben letztendlich einen von den Bewegungsabläufen her recht ähnlichen Kung-Fu-Stil, der besonders stolz auf seine „Weichheit“ ist. Damit ist gemeint, dass es sich um einen sehr anpassungsfähigen, flexiblen Stil handelt, in dem die Abwehrreaktion immer der Art des Angriffs durch den Gegner angepasst ist und man sich die Kraft des Gegners für einen effizienten Gegenangriff „borgt“. Das macht WT zu einem Stil, der es dem Ausübenden zumindest in der Theorie ermöglicht, auch gegen einen körperlich kräftigeren Gegner zu bestehen – ein klarer Pluspunkt für Frauen, die sich gegen unerwünschte Übergriffe wehren können wollen. Auch die Martial-Arts-Legende Bruce Lee hat übrigens einmal als Wing-Chun-Kämpfer begonnen, später jedoch seinen eigenen Stil, das Jeet Kune Do entwickelt.

Was kostet WT?

Wing Tsun ist nicht billig, innerhalb der EWTO zum Beispiel kann man von Kosten von rund 75 Euro pro Monat ausgehen. Hinzu kommen noch die Kosten für Verbandskleidung, Prüfungsgebühren und Schutzkleidung. So werden fürs Training Faustschützer und für Männer Tiefschutz empfohlen (effektives Selbstverteidigungstraining bezieht eben auch die besonderen anatomischen Schwachpunkte des Menschen ein). Die zwölf Schülerprogramme innerhalb des WT nach der EWTO-Variante lassen sich bei ein- bis zweimaligem Training pro Woche in etwa drei Jahren erlernen. Altersbeschränkungen gibt es grundsätzlich keine, es gibt auch WT für Kinder. U

ntenstehend Links zu den wichtigsten Verbänden:

www.ewto.at

www.wteo.at

www.vingtsun-kungfu.info

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