1. Stadt Wien
  2. Freizeit
  3. Sport
Mehr Freizeit
Artikel teilen
Kommentieren
Euro 2008

Österreich Niederlande

Es war ein historisches Match und eines das so nicht mehr passieren wird! Euro-fan.at mit der etwas anderen Analyse der 3:4 Niederlage gegen die Niederlande.

Knapp an der Sensation vorbei

Österreich gegen Niederlande: Die Favoritenrolle ist klar vergeben, die Österreicher spielen gegen ein Debakel! Eine durchaus nicht unrealistische Einschätzung der gegebenen Umstände, aber Fußball ist kein Spiel der Konjunktive. Dass Österreich nach 36 Minuten mit 3:0 in Führung liegt mag als Prognose vor dem Spiel wohl ebenso verrückt klingen wie ein Endstand von 3:4. Aber diese Niederlage hat sich Österreich selbst zuzuschreiben! Warum die individuellen Fehler das Spiel nicht entschieden haben und weshalb Österreich mit einem 3:4 gar nicht so schlecht dasteht, zeigt die folgende Analyse:

Vorab: Auch beim Stand von 3:0 war nicht alles Gold was glänzt! Ein bemühter Christoph Leitgeb kämpfte über 90 Minuten mit seinen Ideen. Kreativer Spielfluss war da, nur verstand diese "Geistesblitze" kein anderer auf dem Feld. Desaströse Zweikampfbilanz und viele Unsicherheiten machten das Spiel von Christoph Leitgeb mehr als dürftig! Martin Harnik, der gleich zu Beginn der zweiten Hälfte ausgetauscht wurde, konnte sich mit keinem Torschuss in die Statistik eintragen, seine Pässe fanden allerdings den Mann und auch den Willen kann man ihm nicht absprechen. Aber der Grund der Niederlage waren nicht die einzelnen Schwäche sondern ein taktischer Fehler der zu einem "Gesamtversagen" führte.

Immer wieder wurde betont, dass die Verteidigung sich zu weit zurückfallen ließ. Richtig! Aber warum? Györgi Garics stand tatsächlich die zweiten 45 Minuten eher im 20-Meter-Raum als davor. Auch ein Prödl und Pogatetz, die in der ersten Hälfte Welt-Fußballer alt aussehen ließen, machten Fehler die sie wohl auch beim Verein vor Diskussionen stellen würden. Neben dem Fakt dass die körperliche Fitness nicht über 90 Minuten reichte, war allerdings auch die Auswechslung von Roland Linz und Martin Harnik ein Knackpunkt im Spiel. Roland Linz, der die undankbare Aufgabe hatte alleine gegen die mächtige holländische Verteidigung aufzulaufen, wurde durch einen Janko ersetzt, der auf dem Platz nur durch seine Größe auffiel. Martin Harniks, eben schon angesprochene, bescheidene Leistung wurde durch Joachim Standfest aufgewertet. Standfest, ein defensiver Mittelfeldspieler, zog sich zurück übernahm immer mehr Garics Position ohne sich für den Stürmer auf der linken Seite zuständig zu fühlen. Garics zog sich ebenfalls zurück und leistete kaum einen Versuch die Flanken von der Seite zu unterbinden. Auf der rechten Seite kam der Einbruch mit Christian Fuchs und Roland Gercaliu. Letzterer konnte in der Defensive kaum überzeugen und brauchte die Unterstützung aus dem Mittelfeld wie Luft zum Atmen. Hier wäre ein defensiver Spieler im Mittelfeld Gold wert gewesen, da ein unauffälliger aber kämpfender Christian Fuchs an Kraft und Saft verlor. Stattdessen wurde an dieser Position Markus Weissenberger eingesetzt. Der Oldie spielte, wie gewohnt, eine ruhige, offensive Komponente. Offensiv ging nur leider nicht mehr viel, da außer Andi Ivanschitz und Mark Janko kaum noch Spieler in die Offensive marschierten. Defensiv war Markus Weissenberger nur selten im Einsatz- er konnte Gercalius Schwächen nicht ausmerzen, es war auch nicht seine Aufgabe. So standen dann links und rechts in der Außenverteidigung Spieler die entweder nicht mehr konnten (Gercaliu) oder es verabsäumten sich abzusprechen (Garics-Standfest)! Die logische Konsequenz: Immer größer werdender Druck von den Seiten- die Innenverteidigung wurde zwangsläufig Fehleranfällig. Offensiv brachte Standfest nicht viel, Markus Weissenberger war oft allein auf weiter Flur. So kann man nicht gewinnen!

Unser Fazit: Individuelle Fehler hin oder her, die Wechsel waren unglücklich gesetzt und verhinderten einen weiteren Spielablauf. Nur Andi Ivanschitz konnte sich weiters offensiv behaupten, der Kapitän verdiente die Binde bei keinem Spiel der Nationalmannschaft mehr! Anders ist nicht zu erklären warum sich die Österreichische Verteidigung ab der 60.Minute im eigenen Zwanzig-Meter-Raum verbarrikadierte, und die harmonische Offensive der ersten Hälfte nur noch von Andi Ivanschitz lebte. Bei diesem Fazit sprechen wir aber noch nicht über die Aufstellung. Christoph Leitgeb und Mark Janko sind zwar auf jeden fall Hoffnungsträger, sie präsentierten sich letztens auch im Verein in keiner guten Verfassung. Dass Österreich keinen stärkeren Außenverteidiger hat als Roland Gercaliu, scheint schwer zu glauben. Der Teamchef kündigte immer wieder an: Die Zeit für Experimente ist vorbei! Martin Harnik spielte allerdings zum ersten Mal in dieser Formation von Beginn an. Zumindest dieses Experiment ging nicht wirklich daneben. Als ÖFB-Fan hat man allerdings in den letzten 18 Monaten schon gemerkt, dass sich der Teamchef nicht beugt und dass die Wege des ÖFB teilweise unergründlich sind!

Nichts desto trotz kann man stolz sein auf die Nationalmannschaft. Außerdem ist die Presse wohl nicht so hellhörig geworden, wie bei einem Sieg Österreichs. Und obwohl man nicht darauf setzen kann unterschätzt zu werden bei der EM, die Rolle des "Underdogs" bleibt uns sicher. Und wenn Polen gegen die USA zuhause 3:0 verliert, kann man sich still und leise ausmalen was bei der EM alles passieren könnte, wenn...

Video
Beteiligen Sie sich am Beitrag, wir freuen uns:

Kommentar hinzufügen
CAPTCHA-Bild zum Spam-Schutz
Wenn Sie das Wort nicht lesen können, bitte hier klicken.
weitere Meinungen
Keine Kommentare
  1. Stadt Wien
  2. Freizeit