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Euro 2008

Günther Platter im Interview

Innenminister Günther Platter nimmt im euro-fan.at Interview Stellung zur fehlenden Euphorie im Lande, der Gefahrenquelle Hooligans, den wirtschaftlichen Vorteilen der Euro 2008 für Österreich und mehr...

EM 08: Vorbereitung seit 2004

euro-fan.at im Interview mit Innenminister Günther Platter. Wir stellen Fragen, die auf den Punkt kommen, und beleuchten auch die unangenehmen Seiten einer Europameisterschaft. Minister Platter im knallharten und ehrlichen Interview mit euro-fan.at


Herr Minister, ein Jahr noch bis zur EURO. Kribbelt es schon bei Ihnen?
Natürlich freue ich mich, so wie die meisten Österreicherinnen und Österreicher auch, schon heute auf dieses für unser Land so großartige Ereignis. Wir haben alle noch die Bilder von der WM 2006 in Deutschland im Kopf. Feiernde Menschen, lachende Gesichter, großartige Spiele.  

Was kann die Politik – Ihrer Meinung nach – jetzt noch beisteuern um die vielbeschworene „Europhorie“ in der Bevölkerung zu steigern? Kann die Politik da überhaupt mehr tun als für die geeigneten Rahmenbedingungen zu sorgen?
Die Politik wird ihren Teil dazu beitragen, dass die Bevölkerung die EURO als eine großartige Veranstaltung für unser Land empfinden wird.  Ich habe als Innenminister die Verantwortung für die Sicherheit während der EURO 08 zu tragen. Und ich sehe es als meine Aufgabe und Verpflichtung an, der Exekutive ein umfassendes Instrumentarium in die Hand zu geben, von der Errichtung von Sicherheitsbereichen in den Stadien angefangen über Gefährderansprachen durch szenekundige Beamte, der Meldeauflage bis hin zur präventiven Festnahme für gewalttätige Fußballrowdies.
 
Können sie den zigtausenden ausländischen Gästen - die nächstes Jahr ohne Zweifel kommen werden – ein sicheres, aber auch von einer positiv-lockeren Atmosphäre getragenes Event garantieren?
Wir bereiten uns seit 2004 intensiv auf die EURO 2008 vor. Wir haben gemeinsam mit der Schweiz ein umfassendes Sicherheitskonzept ausgearbeitet, das  von  internationalen Experten großes Lob erhalten hat.  Noch nie war ein Land so lange vor einer EM in Sicherheitsfragen so gut aufgestellt wie Österreich für die Europameisterschaft 2008. Wir haben uns die Sicherheitsmaßnahmen bei der WM 2006 in Deutschland angesehen und viel davon in unser Sicherheitskonzept übernommen. Und wir haben die polizeilichen Kontakte zu allen Anrainer, Transit- und möglichen Teilnehmerstaaten für die EURO intensiviert, denn die internationale Zusammenarbeit ist ein ganz wesentlicher Bestandteil für die Gewährleistung der Sicherheit. Darüber hinaus habe ich eine Urlaubssperre für alle österreichischen Polizistinnen und Polizisten während der EURO verhängt. Sie alle werden dazu beitragen, dass wir unvergessen schöne und friedliche Spiele erwarten dürfen. Für heimische amtsbekannte Unruhestifter haben wir die Meldepflicht eingeführt, das heißt, dass Fans, von denen wir wissen, dass sie gewaltbereit sind, sich am Tag eines Spiels bei der Polizei melden müssen.

Ist dieser Drahtseilakt (maximale Sicherheit auf der einen Seite, eine sympathische weltoffene Party auf der anderen Seite) eine Ihrer größten Herausforderungen als für die Polizei zuständiger Minister?


Die WM in Deutschland und auch die Fußball-Europameisterschaft in Portugal vor drei Jahren haben gezeigt, dass maximale Sicherheit und eine sympathische weltoffene Party kein Widerspruch sind. Im Gegenteil: Je sicherer die Veranstaltung, desto größer und schöner die Party.
 
Müssen wir uns - Ihrer Meinung nach - nächstes Jahr vor einem Hooligan-Ansturm fürchten?
Durch unsere intensive Zusammenarbeit mit anderen Ländern, insbesondere mit jenen, die eine große Hooligan-Szene haben, werden es Hooligans schwer haben, nach Österreich einreisen zu können. Wir haben szenekundige Beamte im Einsatz, also Beamte, die die Fans sehr gut kennen und wissen, was wann wo und wie geplant ist. Auch die Zusammenarbeit mit szenekundigen Beamten aus anderen Staaten läuft hervorragend. Das macht es für Hooligans schwer, ihr Land zu verlassen.  Darüberhinaus werden wir temporär die Schengengrenzen wieder aufziehen, um Hooligans gar nicht erst nach Österreich einreisen zu lassen.   Ausserdem werden Polizistinnen und Polizisten aus anderen Ländern  sowohl in Uniform als auch in zivil in Österreich Dienst versehen. Auch diese Maßnahme wird Hooligans abschrecken, in unser Land zu kommen, da sie wissen, dass sie sofort erkannt werden.
 
Zum wirtschaftlichen! Wie würden Sie die Umwegrentabilität der EURO beziffern? Hat der Durchschnittsösterreicher am Ende einen Mehrwert von diesem Ereignis,  oder  werden  in erster Linie direkt an der EURO beteiligte Geschäftsleute Grund zur Freude haben?
Experten rechnen unter anderem mit Wertschöpfungseffekten von über 383 Millionen Euro, mit Kaufkrafteffekten von über 260 Millionen Euro sowie mit ca. 4.000 zusätzlichen Jobs. Ich bin überzeugt, dass jeder von der EURO profitieren wird, nicht nur die an der EURO beteiligten Geschäftsleute. Immerhin werden an die zwei Millionen Besucher in Österreicher erwartet. Da profitieren Klein- und Mittelbetriebe genauso wie  Würstelstandeln und Tankstellen.    
 
Glauben Sie,  dass in den Austragungsorten Wien, Klagenfurt, Salzburg sowie Innsbruck ein Boom entstehen könnte beziehungsweise wird der Tourismus in diesen Orten längerfristig von der EURO profitieren können?
Selbstverständlich werden die Austragungsorte, aber auch Österreich insgesamt von der EURO längerfristig profitieren. Die Fernsehbilder aus Österreich werden wochenlang um die Welt gehen. Das ist eine unbezahlbare Werbung für unser Land, die in dieser Form anders kaum möglich wäre.
 
Wie soll sich Österreich während der EURO der Welt präsentieren? Können Sie uns einige Adjektive die Ihnen einfallen nennen?
Weltoffen, freundlich, unvergessen schön.
 
Haben Sie sich schon Karten reservieren lassen, sprich; wird man Sie im Stadion sehen können?
Man wird mich sicher beim einen oder anderen Spiel sehen können.
 
Wer wird Europa-Meister, Herr Minister?
Frankreich und Italien gehören sicher zu den großen Favoriten. Für Österreich hoffe ich, dass wir mit etwas Losglück das Viertelfinale erreichen.
 

 

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