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Spiele Text: Michael Neichl

The Order 1886 Test - Steampunk Thirdperson Action in London

The Order 1886 erzählt die tragische Geschichte des, wie es die Legende besagt, einzigen Sohnes von Lancelot, genannt Sir Galahad. Einen Ritter der Tafelrunde, auf der Jagd nach seinen größten Erzfeinden, den Werwölfen Londons. Ob der Exklusivtitel für die PS4 als Action-Shooter überzeugt und was sich alles hinter der viktorianischen Fassade verbirgt, zeigt unser Test.

Neugierde wecken alleine reicht nicht!

Ich streife durch den wohl gefürchtetsten Bezirk Londons, Whitechapel. Ein Ort voller Taschendiebe, Kollaborateuren und Zuhältern. Mein Auftrag ist es zu beweisen, dass die Rebellen mit den Lykanern gemeinsam unter einer Decke fungieren.
Hier erblicke ich den ganzen Abschaum Londons auf einem Fleck und tauche sofort in diese faszinierende, wenn auch leicht widerwärtige Welt ein. Seien es die detailliert designten Häuser, ein Obdachloser der sich an einem Feuer wärmt, die Fenster wo hier und da ein paar argwöhnische Blicke erhascht werden, oder einfach das Zusammenspiel jedes kleinsten Details, weshalb mir alles so realitätsnah vorkommt. Genau das ist die Stärke von „The Order: 1886“
Doch dann treffe ich auf ein Problem, welches sich in den folgenden neun Stunden wie ein roter Faden durch sämtliche entscheidenden Aspekte zieht.

Was bringt mir eine Welt, reif entdeckt zu werden, wenn ich sie nicht entdecken darf, sondern wie ein willenloser Zombie von Punkt A nach Punkt B laufen muss? Was nützen mir zahlreiche Utensilien, die in der Umgebung genau unter die Lupe genommen werden können, wenn sie in keiner Relation zur Story stehen, geschweige denn irgendeinen Zusammenhang haben? Ich habe zwar meinen Q, der als Genie gilt, aber nicht in der Lage ist, mir irgendein Gadget, geschweige denn eine kreative Waffe zur Verfügung zu stellen.

Dies sind nur wenige Bespiele, in denen Begeisterung hätte locken können, aber Ideen und Ansätze alleine reichen nicht. Sie müssen weitergeführt werden!

Verpackte Geschichtsstunde

Gleich in der ersten Stunde treffe ich auf Nicola Tesla, welcher als aufstrebender Wissenschaftler in seinem Labor an neuesten Waffen und Gadgets herumwerkelt, von denen man wie erwähnt leider nichts zu Gesicht bekommt. Als ich mit ihm ein wenig zu quatschen anfange, bemerke ich wie er anfängt sich über ein paar negative Bemerkungen bezüglich Edisons Gleichstromthese zu äußern, was den Jahre später bekannten Stromkrieg andeutet.

 Zurück in Whitchapel angelangt, treffe ich auf eine misshandelte Frau, die anscheinend Augenzeugin von einem berühmt berüchtigten Massenmörder zu sein schien. Als ich sie darauf angesprochen habe, hörte ich den Namen, mit dem der Serienkiller benannt wird und merke, dass dies keineswegs ein erfundener Psychopath des Spiels ist. Jack the Ripper war sein Name.
Solche Anspielungen haben schon in diversen Titeln wie der Assassins Creed-Reihe sehr gefallen und sorgen für einen ganz eigenen Hauch von Realismus und Atmosphäre.

Video
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In der Kürze liegt die Würze?

18 Kapitel klingen auf dem Papier zunächst nicht schlecht und versprechen einen soliden langen Spielspaß. Doch leider ist dies gar nicht der Fall! Mit zirka 9 Stunden Story kommt „The Order:1886“ einfach zu kurz! Was noch hinzu kommt ist, dass man hier vor Zwischensequenzen und Dialogen förmlich ertrinkt und sich teilweise nicht mehr sicher ist, ob man nun ein Spiel spielt, oder einen Film ansieht.

Zurück zu den Kapiteln - wenn diese komplett mit Dialoge gefüllt sind, erlaube ich das, denn eben diese Sequenzen sorgten für die tollen Charaktere und einer anfangs interessanten Story. Aber bitte nicht zweimal hintereinander. Bei dieser komprimierten Spiellänge will ich hin und wieder schon meinen Controller benutzen!

Willenloser Arbeiter

Beim Gameplay zeigt sich das typische „The Order:1886“-Syndrom: auf den ersten Blick relativ solide und interessant, aber...ja der erste Eindruck kann täuschen und das ist definitiv wiedereinmal der Fall.

Anfangs wirken die Stellungskämpfe gepaart mit diversen Kletterspielchen á la Assassins Creed unterhaltsam und Minispiele, wie etwa Schloss knacken oder das Kurzschließen eines Stromkreises sorgen für angenehme Abwechslung. Doch der Schein trübt. Nach einer Stunde hat man alles einmal gemacht und dies wiederholt sich nun für den Rest des Spiels.

Doch, wenn ich zum fünften mal ein Auto verschieben muss, um über ein Hindernis zu gelangen, dann verliere ich langsam die Geduld!

Die fehlende Entscheidungsfreiheit ist zwar keine gewaltige Überraschung, doch setzt „The Order: 1886“ neue Maße in diesem Bereich. Mal abgesehen davon, dass ich nur von A nach B geschickt werde, habe ich nicht einmal die Wahl, ob ich auf Schleichmissionen die Wachen bewusstlos schlage oder ausschalte, beziehungsweise wird mir nur ein Weg ermöglicht um auf ein Gebäude zu klettern, wenn mir vom ersten Blick an mehrere Möglichkeiten auffallen.

Aber nein, alles ist von Beginn an vorgegeben und nimmt einem allerlei an kreativen Herangehensweise. Im Jahr 2015 erwarte ich mir einfach mehr Möglichkeiten.

Fazit

The Order: 1886 hat bezüglich der Grafik, Architektur und dem Modelldesign ganz klare Stärken und weiß auch diese geschickt einzusetzen. Das Problem an der ganzen Sache ist, dass bezüglich Story und Gameplay einfach zu viel gefehlt hat um zu überzeugen und auf der anderen Seite auch zahlreiche „Ideen“ einfach unnötig waren.

Galahad ist ein interessanter Protagonist in einem umso faszinierenden viktorianischen London, aber als ganzes Werk betrachtet hat The Order:1886 eher für Enttäuschung gesorgt.
Ist es wert, das Spiel zu kaufen? Es ist nicht so, als wäre gar kein Spielspaß vorhanden, allerdings wird das vorhandene Potential nicht vollkommen ausgeschöpft und so bleibt ein mittelmäßiger bis solider Action-Shooter.

 

Prozent%

Gameplay

48,00%

Sound+Musik

68,00%

Grafik

85,00%

Story

43,00%

Gesamt

61,00%

 

 


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