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Spiele Text: Michael Neichl

Sunset Overdrive Test

Vor einem Jahr kündigte Microsoft ihren exklusiven Open-World Titel Sunset Overdrive für die Xbox One an. Trailer und Gameplayszenen deuteten bereits an, dass es sich um einen, die aktuelle Flut von ernsten Militärshootern parodierenden Titel handelt, ähnlich wie Saints Row oder Bulletstorm. Der besondere Kniff an Insomniacs Third-Person Spiel ist die Erweiterung durch an Tony Hawk erinnernde Skate-Einlagen. Ob dieses Experiment aufging oder aus der Kombination nichts wurde verrät unser Test.

© Microsoft |

Dieser Energydrink hat's in sich

Ein von der Regierung an den Gesundheitskontrollen vorbeigeschläuster Energydrink verwandelt die Einwohner von Sunset City über Nacht in zombieartige Kreaturen. Die schnellste Apokalypse der Videospielgeschichte bricht herauf und ihr müsst mit einer Hand voll ausgeflippter Charaktere euer Überleben in der Stadt sichern, sowie eine Möglichkeit finden aus der Stadt zu kommen.
Wie bereits der erste Trailer zu Sunset Overdrive zeigte nehmen sich sowohl die Story als auch Charaktere in nicht im Geringsten ernst. Die gut 15-20 Stunden die man in die Kampagne steckt verbringt man hauptsächlich damit sich durch allerlei parodistische Missionen der Videospielszene zu kämpfen.

Das fühlt sich vertraut an

Zu Beginn des Spiels erstellt ihr, ähnlich wie in Saints Row, wenn auch wesentlich oberflächlicher, einen Charakter. In kürzester Zeit ist ein wahlweise normaler oder komplett verrückter Protagonist erstellt der in der deutschen Lokalisation übrigens vom Synchronsprecher von Jonah Hill gesprochen wird. Kurz darauf geht es ins überdrehte Intro welches ebenfalls stark an THQ’s Open World Titel erinnert. Man grindet über die Häuserdächer, bekommt eine „lustige“ Penisknarre namens „Overcompensator“ in die Hand und ballert sich durch Zombiehorden. Auch beim Gegnerdesign haben sich die Jungs von Insomniac Games nicht an Kreativität überschlagen. Offenbar hatte man zuvor stark zu Left4Dead hinübergeschaut, denn sowohl die Lebensstarken Tanks, Schleim spuckenden Spitter und explodierenden Boomer sind vertreten. Zusätzlich stellen sich euch auch militärische Kräfte von Sunset City in den Weg, diese spielen aber nur die oberflächlichste Rolle des Kanonenfutters, denn sofern ihr ihnen nicht einige Sekunden stillstehend dabei zuseht wie sie auf euch schießen, stellen sie absolut keine Gefahr dar.
Allgemein hat das Gameplay von Sunset City einen Hauch vom Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom. Um zu überleben müsst ihr stets in Bewegung bleiben! Nach dem Motto „Wer schläft verliert“ stellen sich Zombies und Soldaten erst dann als Risiko heraus, wenn man ruhig stehen und zielen will. So müsst ihr stets an Dachkanten, Stromleitungen, Wänden und Trampolinen entlang grinden und bouncen. Das hört sich negativer an als es ist, denn nach gut ein, zwei Stunden gewöhnt man sich durchaus an die ständige Hektik und reißt irgendwann Style-Kombinationen an die durch die Decke gehen.

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Egal was du tust, tu es mit Style

 Damit eure Waffen möglichst viel Schaden anrichten müsst ihr grinden, springen, ballern und ausweichen kombinieren, um euren Stylewert hochzutreiben. Erst wenn dieser bis zum Anschlag gefüllt ist macht ihr maximalen Schaden und aktiviert ausgerüstete Perks die Wahlweise euren Charakter verstärken oder euren Knarren Elementarkräfte  hinzufügen. Zusätzlich sind quer über die Map diverse Geschicklichkeitsaufträge verteilt durch die sich zusätzliches Geld für Perks, Waffen, neue Outfits und Karten für die sammelbaren Gegenstände kaufen lassen. Apropo sammeln: Beim örtlichen „crazy“ Waffenhändler könnt ihr gegen Bezahlung auf der Karte sehen, wo ihr wahlweise Turnschuhe, Toilettenpapier oder Heliumbalons für neue Upgrades finden könnt. „Übertrieben“ wäre noch nicht mal ansatzweise der passende Begriff für die über 750 Gegenstände durch die ihr euren Charakter und Waffen aufbessern könnt.

Humor ist Geschmackssache

Wie gesagt sind sowohl der von euch selbst gestaltete Charakter als auch die restlichen Figuren parodistisch angelegt. So sehr sogar, dass es manchem Spieler vielleicht auch schon zu viel ist. Keine Cut-Scene vergeht ohne pubertären Spruch, lustige Grafikeinblendungen oder übertriebenes Farbgewitter. Wenn flacher Humor also nicht eure Sache ist solltet ihr euch ernsthaft überlegen ob ihr nicht vielleicht auf einen anderen humorvollen Shooter wie Borderlands zurückgreifen wollt.
Der Comiclook des Spiels bietet auch hier wieder keine Innovation. Dafür läuft es aber technisch einwandfrei. Egal wieviele Zombiehorden auf dem Schirm sind und durch meine breite Waffenauswahl in einem Feuersturm ins Jenseits befördert werden, die Framerate bleibt konstant. Die Musik kann auf Dauer etwas eintönig werden und wirkt als bestünde der gesamte Soundtrack aus einem sich ständig wiederholenden Lied. Vertonung und Soundeffekte sind dafür auf hohem Niveau und wenn wir die flachen Sprüche auch irgendwann nicht mehr hören konnten wurden sie dennoch hervorragend eingesprochen.

Fazit

Es ist uns schwer gefallen Sunset Overdrive mit einer Abschlussnote zu versehen. Irgendwie fehlte es an der nötigen Eigennote. Selten konnte man so leicht ein Spiel als eine Rechnung in Mathe aufstellen: Saints Row+Tony Hawk=Sunset Overdrive. Technisch funktioniert das Spiel einwandfrei und es wäre eine Lüge zu behaupten, dass es nicht Spaß gemacht hätte, unterm Strich bleibt aber ein für uns durchschnittliches Spiel ohne eigener Identität. Wem das Spiel nach diesem Fazit noch immer zusagt und von Parodien bekannter Videospielelemente nicht genug bekommen kann, dem sei Sunset Overdrive herzlich empfohlen. Wer hingegen etwas subtileren Humor bevorzugt und sich statt der Third-Person auch mit einem First-Person-Shooter begnügen kann, sei an dieser Stelle aber noch Borderlands: The Pre-Sequel ans Herz gelegt.

Wertung

Prozent Punkte 1-10
Story 68 7
Gameplay 82 8
Grafik 75 7
Sound+Musik 62 6
Multiplayer 68 7
Gesamt 72 7

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